Erstellt am 30. September 2015, 15:25

von Michael Pfabigan

Faustschlag war keine Notwehr. Ein Reitstallbesitzer blitzte mit seiner Berufung gegen seine Verurteilung ab.

Foto: Erwin Wodicka  |  NOEN, BilderBox - Erwin Wodicka / wodi

Es war keine Notwehr, sagte das Landesgericht Korneuburg, nachdem ein Reitstallbesitzer gegen seine erstinstanzliche Verurteilung wegen Körperverletzung berufen hatte.

Das Argument, dass er, als er die Schläge austeilte, gedacht hatte, seine Lebensgefährtin sei in Gefahr und er somit im guten Glauben Nothilfe geleistet habe, könne er nicht gelten lassen, begründete Richter Gernot Braitenberg-Zennenberg. Denn da dies schon in der Erstinstanz geltend gemacht werden hätte müssen und nicht geschehen sei, könne man jetzt nicht dagegen berufen.

Der Hintergrund: Bei einer „außerordentlichen Beschau“ der Gemeinde auf seinem Grundstück soll der Reitstallbesitzer einen Gegner gestoßen, einem zweiten einen Schlag ins Gesicht versetzt haben, nachdem Ersterer seine Partnerin gewürgt haben soll. Das Bezirksgericht Mistelbach erkannte aber keine Anzeichen für einen tätlichen Angriff gegenüber der Frau, die anderen Tätlichkeiten stehen außer Streit.

Richter senkte Strafausmaß

Außerdem, so Richter Gernot Braitenberg-Zennenberg, habe der Reitstallbesitzer auch in der Hauptverhandlung aggressives Verhalten an den Tag gelegt: „Er dürfte ein Häferl sein!“

Angesichts der unverständlich langen Prozessdauer senkte der Richter das Strafausmaß von 350 auf 250 Euro.

Der Reitstallbesitzer versteht nach dem Urteil die Welt nicht mehr: „Ich bin fassungslos!“, kommentiert er das Urteil: „ Ich habe nichts verbrochen: Statt einer Belobigung bekomme ich eine Verurteilung! Was soll man in Zukunft machen, wenn man eine Frau verteidigt, die um Hilfe schreit?“