Paasdorf

Erstellt am 26. April 2017, 05:55

von Michael Pfabigan

Maibaum-Überfall: „Das ist kein Brauchtum!“. Gefährlicher Leichtsinn: Polizei zeigt Jugendliche an, die während der Fahrt Maibaum zerschnitten hatten.

 |  NOEN, zVg

Ist das noch Tradition? Als die Paasdorfer Jugend ihren Maibaum am Wochenende vom Mistelbacher Wald heimbringen wollte, wurde sie Opfer eines „Überfalls“:

Kettensägenüberfall auf den Maibaum: Aus dem fahrenden Auto heraus, versuchten die Staatzer Jugendlichen den Paasdorfer Maibaum zu zerschneiden. Schlussendlich brach er ab.  |  NOEN, zVg

Als der Tross - Begleitfahrzeuge, Traktor und ein zum Nachläufer umgebautes Auto samt aufgeschnallten Maibaum - über die Mistelbacher Umfahrung tuckerte, quetschte sich plötzlich ein weißer Kleinbus der Staatzer Jugend dazwischen. Die Tür ging auf und einer der Jugendlichen begann den Maibaum während der Fahrt mit der Motorsäge zu kappen ( NÖN.at berichtete ).

 „Wir haben uns wegen der Wiedergutmachung geeinigt. Aber Freunde werden wir keine werden!“ Günther Ziegler, Obmann der Paasdorfer Jugend. 

Der Lenker des Nachläufer-Autos versuchte das durch Auslenken zu verhindern, schlussendlich brach der Baum aber in zwei Teile – ein Glück, dass bei diesem Vorfall niemand verletzt wurde. Geendet hatte die Aktion übrigens mit einer handfesten Schlägerei zwischen den Burschengruppen und mit einem Verletzten.

zVg  |  NOEN

„Das hat nichts mehr mit Brauchtum zu tun!“, ärgert sich Günther Ziegler, der Obmann der Paasdorfer Jugend: „Was da alles passieren hätte können!“ Denn nicht nur, dass immer die Gefahr bestand, dass der Bursch mit der Motorsäge aus dem Auto fallen hätte können: Als der Baum schlussendlich in zwei Teile brach, verhakte sich der Teil mit dem Wipfel in der Leitplanke – das Nachläufer-Auto war daran mit Eisenketten befestigt: „Das Auto hätte sich überschlagen können“, sagt Ziegler.

Oder er hätte in den Gegenverkehr krachen können: Denn durch die fortwährenden Kollisionen zwischen Baum und Kleinbus wurde der Nachläufer wild auf die Gegenfahrbahn geschleudert.

"Das geht zu weit!“

Brauchtum sei es, wenn der Maibaum in der Nacht des ersten Mai umgeschnitten werde. „Oder wenn man mit dem Maibaum bei einem Wirtshaus einkehrt und ihn nicht bewacht, da ist man selbst schuld. Aber das geht zu weit!“

Wortkarg gibt sich der Obmann der Staatzer Jugend, Markus Schodl. „Ich will da nicht viel dazu sagen, wir haben uns das schon mit den Paasdorfern ausgemacht!“ Er selbst sei bei der Aktion nicht dabei gewesen und habe mit seinen Leuten auch noch nicht ausgiebig darüber reden können.

Ist ein Kettensägenüberfall aus dem fahrenden Auto auf einen fremden Maibaum noch Tradition? „Ich will nicht sagen, dass es die richtige Art ist, wie man es machen sollte“, sagt Schodl: „Es war halt an der Grenze zum Brauchtum.“

Video auf Facebook viral

„Das ist kein Brauchtum mehr, das geht zu weit“, ärgert sich Bezirkspolizeikommandant Florian Ladengruber in einer ersten Stellungnahme. Er kündigt an, dass die Verantwortlichen des Kettensägenüberfalles angezeigt werden.

„Da geht es auch um Prävention, damit solche Aktionen keine Nachahmer finden“, sagt Ladengruber. Zumal sich das Video der Aktion nahezu viral in den sozialen Netzwerken verbreitet und auch auf mistelbach.NÖN.at zu sehen ist. Der Lenker und der junge Mann mit der Kettensäge (22 und 20 Jahre alt) sollen wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit im Straßenverkehr, Nötigung (der anderen Lenker) und Sachbeschädigung angezeigt werden, sagt die Polizei.

Wie verfahren die beiden Jugendgruppen jetzt miteinander? „Wir haben uns über die Wiedergutmachung geeinigt“, bestätigen Ziegler und Schodl im NÖN-Gespräch am Sonntagabend. Günther Zieglers Nachsatz: „Aber Freunde werden wir keine werden!“

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