Erstellt am 15. Juni 2017, 05:00

von Gerhard Brey

Keine Hochwässer, keine Gelsen. Frühes March-Thaya-Hochwasser begünstigte die Ausbreitung, Bio-Mittel scheint zu wirken.

 |  NOEN, Archiv

Diplombiologe Hans Jerrentrup, der die Gelsenregulierung entlang von Thaya und March im Rahmen des Vereines „Biologische Gelsenregulierung“ seit einigen Jahren leitet: „Nach der Gelseninvasion der vergangenen zwei Wochen entlang von March und Thaya – und nicht nur dort – und der Auswertung von über 110.000 Gelsen in unseren CO 2 -Fallen, gibt es eine interessante Erklärung für die Gelsenplage, die diesmal auch Gegenden erreicht hat, wo Gelsen eher selten sind.“

Am letzten Donnerstag im April gab es auf der March ein Hochwasser mit 4,51 Meter Pegelstand in Hohenau. Das war zwar nicht bedrohlich für Land und Menschen, aber es überflutete weite Teile der Au. Nach Abfließen blieben in der gesamten Au große Wasserflächen stehen. In diesen Tümpeln entwickelten sich in Folge ungeheure Mengen an Gelsenlarven. Es können hunderttausend auf einem Quadratmeter und Milliarden Gelsenlarven am Hektar sein.

„Die Nachbarn in der Slowakei und Tschechien machen nichts gegen die Plagegeister. Gelsen kennen keine Grenzen!“Hans Jerrentrup, Gelsenexperte

Sofort nach dem Hochwasser wurden die Brutstätten der Gelsen erfasst und umfassende Maßnahmen zur Bekämpfung der Larven im Wasser mit dem biologischen Mittel BTI eingeleitet. Dabei kamen sowohl die „Gelsenwehren“, also Fußtruppen mit Rückenspritzen, als auch der Hubschrauber mehrfach großflächig zum Einsatz.

Trotzdem gibt es eine Gelsenplage, auch an ungewöhnlichen Orten: Das hat vier Gründe:

Die Nachbarn in der Slowakei und Tschechien machen nichts gegen die Plagegeister. Gelsen kennen keine Grenzen und schwärmen auch in regulierte Gebiete aus.

Kein 100-prozentiger Erfolg

Wie bei jeder Arbeit im Freiland hat keine Maßnahme 100-prozentigen Erfolg. Selbst wenn von einer Reduzierung der Gelsenlarven in ihren Brutstätten durch Regulierungsmaßnahmen um mindestens 90 Prozent auszugehen ist, bleiben immer noch viele Millionen am Leben.

Für einige Gemeinden (Rabensburg, Angern, Marchegg) besonders wichtig ist auch die Tatsache, dass in den in der Au gelegenen Naturschutzgebieten jegliche Gelsenregulierung von den niederösterreichischen Behörden untersagt ist.

Die 110.000 Gelsen in den CO2-Fallen gaben eine interessante Erklärung für die aktuelle Gelsenplage. Es waren die Augelsen, die die Gelsen-invasion verursachten.  |  Hans Jerrentrup, Shutterstock

Der wohl wichtigste Grund ist aber, dass genau an den Tagen des Schlüpfens der Gelsen nach dem Hochwasser um den 15. - 18. Mai herum für mehrere Tage sehr starker Südostwind herrschte. Dieser hat massiv dazu beigetragen, Gelsen aus der Au in die Ortschaften zu transportieren.

In mehreren Gemeinden in der Umgebung gibt es seit dem vergangenen Wochenende in den höher gelegenen Kellerbergen mehr Gelsen als in den Ortszentren selbst. Selbst im Wald am Steinberg bei Zistersdorf, gut zehn Kilometer von der Au entfernt, wurden am Wochenende zahlreiche Gelsen aus den March und Thaya-Auen festgestellt. Werden Gelsen vom Wind vertragen, bleiben sie in höherem Gelände, speziell mit hohen Bäumen, hängen und stechen in der Umgebung.

Die gute Nachricht: Erfreulich ist, dass Gelsen nicht sehr lange leben und wenn es keine weiteren Hochwasser in nächster Zukunft gibt, werden die meisten Plagegeister schon in zehn bis 14 Tagen verschwunden sein.