Erstellt am 31. Dezember 2015, 05:03

von Michael Pfabigan

„Minütliches Zittern des Rathauses fehlt“. Von sinkenden Verkehrszahlen im Zentrum merkt in Mistelbach noch niemand etwas. Nur die Lkws sind weg.

Von weniger Verkehr im Zentrum merkte man vor Weihnachten nichts. Nur: Die Lkws fehlen und verstopfen nicht mehr die Stadt.  |  NOEN, Pfabigan

Seit etwas über einem Monat ist die Mistelbacher Umfahrung geöffnet. Was hat sich verkehrstechnisch im Zentrum geändert?

„Ich erlebe es Tag für Tag, dass im Büro das Zittern des Bodens, das früher fast jede Minute oder noch öfter zu merken war, plötzlich weg ist“, erzählt Bürgermeister Alfred Pohl. Sein Bürgermeisterzimmer ist genau über der Oberhoferstraße, Ecke Hauptplatz. Der Lkw-Verkehr, speziell die ganz dicken Brummer mit vier Achsen, sind aus dem Stadtbild verschwunden. „Pendler berichten mir erfreut, dass sie sich in der Früh und am Abend bis zu zehn Minuten sparen, wenn sie zur A5 oder zur Park and Ride-Anlage fahren“, erzählt Pohl weiter.

Eine Einschätzung, die Anita Brandstetter (Bürgerliste aktiver Bürger LaB) nicht teilt: „Die Leute fahren weiter über die Bahnzeile zur P&R-Anlage beim Bahnhof. Das Konzept der Umfahrung ist nicht aufgegangen!“ Es gebe beim Bahnhofsparkplatz weiterhin Stau: „Offensichtlich fährt kaum wer auf die Umfahrung!“ Ob es in der Stadt nun anders sei, könne sie, auch wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens in der Weihnachtszeit, nicht sagen.

„Offensichtlich fährt kaum wer auf die Umfahrung!“
Anita Brandstetter, Fraktions-Chefin 
der Liste aktiver Bürger 

Nicht glaubwürdig seien auf jeden Fall die von Landeshauptmann Erwin Pröll bei der Eröffnung versprochenen Verkehrsreduktionen im Zentrum von 18.000 Autos pro Tag: „So viele fahren ja gar nicht durch!“, sagt sie und verweist auf eine Verkehrszählung von 2013, nach der lediglich knapp 1.110 Autos pro Tag die Stadt in Nord-Süd-Richtung queren würden. Repräsentative Aussagen zur Umfahrung könne man zudem erst machen, wenn die Spange zwischen M-City und Umfahrung im April 2016 eröffnet sei.

„Dass die Kunden mit der Umfahrung am Zentrum vorbeifahren, scheint vorerst nicht der Fall zu sein“, beobachtet auch Pohl von seinem Bürofenster: „Das ist aber keine statische Gegebenheit, darum muss sich unser Handel jedes Jahr bemühen“, ist sich Pohl im Klaren. Aber genau dieser Ziel-Quellverkehr solle ja auch im Zentrum bleiben. Das bedeutet für Pohl auch einen Auftrag: Die Gemeinderatsausschüsse müssten sich die Verkehrsführung im Zentrum und an den Ein- und Ausfahrten genau anschauen, auch das diskutierte zentrumsnahe Parkdeck müsse weiterverfolgt werden.

Bernold: "Verkehr weihnachtsgeschäftsbedingt angestiegen"

„Sinnvolle Aussagen zur Veränderung des Verkehrs können wir frühestens Anfang nächsten Jahres treffen“, sagt Alex Bernold, Obmann des Mistelbacher Wirtschaftsvereines lgm: Von seinen Mitgliedern habe er eher die Rückmeldung bekommen, dass der Verkehr „weihnachtsgeschäftsbedingt“ im Zentrum eher angestiegen sei. Entsprechend seien Auswirkungen, mit Ausnahme fehlender Lkws noch nicht spürbar.

Wie, wenn die Umfahrung auch greift, der Hauptplatz umgestaltet werden soll, ist für Bernold klar: „Das Einkaufen im Zentrum muss entspannter und familienfreundlicher werden“, sagt er. Und das bei der Optimierung des Verhältnisses von Parkraum und Flächen für die Fußgänger.

Und: Geht es nach ihm, soll die jetzige Bundesstraße im Verlauf geändert und verschwenkt werden, damit es nicht mehr eine lange Gerade ist. Wobei er sich dabei bewusst ist, dass diese Forderung nicht alle goutieren werden.