Mistelbach

Erstellt am 23. September 2016, 02:46

von Michael Pfabigan

Flüchtlings-Grätzl lockte Besucher. Sonderschauen: Vor 100 Jahren waren in der Südtirolersiedlung 750 Flüchtlinge untergebracht.

Beim Tag der offenen Tür: Stadträtin Ingeborg Pelzelmayer, NÖ Landtagspräsident a.D. Edmund Freibauer, Gemeinderat Josef Schimmer, Stadträtin Renate Knott, Vizebürgermeister Christian Balon, Gemeinderätin Martina Pollak, Roswitha Lukes, Vizebürgermeister a.D. Alfred Englisch, Karl Müller, Hubert Loibl, Franz Weichselbaum und Günther Hollaus.  |  zVg

„Wir sind zwar nicht mehr die Jüngsten, dennoch haben wir uns auch heuer wieder dazu entschlossen, unser Museum zu öffnen und interessierten Besuchern im Rahmen eines Tages der offenen Tür zu präsentieren!“

Alfred Englisch, Hubert Loibl und das Team des Stadt-Museumsarchivs Mistelbach präsentierten einmal mehr stolz ihre Museumsräumlichkeiten hinter dem Stadtsaal. Unter dem Titel „Die Top-Jubiläen 2016“ widmete sich der diesjährige Tag der offenen Tür einigen Schwerpunkten unserer Region, darunter 100 Jahre Südtirolersiedlung mit neuer Broschüre, 110 Jahre Landesbahn, 120 Jahre Synagoge und Notspital sowie 130 Jahre Siechenhaus.

Und gerade bei den Jubiläen zeigte sich, dass Geschichte oft aktueller ist denn je. Wie dies z.B. bei der Südtirolersiedlung gegenüber des Mistelbacher Landesklinikums der Fall ist. „1916, also vor 100 Jahren, waren rund 750 Flüchtlinge in Mistelbach.

Diese wurden damals in den Villen bei der Südtirolersiedlung untergebracht“, erzählte Alt-Vizebürgermeister Alfred Englisch vom Museumsteam. Hier lassen sich Parallelen zum Heute ziehen: Auch heute stellt sich die Flüchtlingsproblematik: „Das interessiert die Menschen. Sie wollen wissen wie damals damit umgegangen wurde“, weiß Englisch, der zur Südtirolersiedlung auch ein neues Buch mit vielen Details und Fotos aufgelegt hat.

Die Südtiroler-Sammlung wird in den nächsten Wochen noch im Stadtmuseumsarchiv zu sehen sein: „Wir haben jetzt schon Anmeldungen von Menschen, die es beim Tag der offenen Tür nicht geschafft haben“, freut sich Englisch über das große Interesse an der Schau.

„Egal welcher Zeitgeschichte man sich widmet, Geschichte ist immer spannend! Und sie überrascht immer wieder“, dankte Vizebürgermeister Christian Balon dem Team vom Stadt-Museumsarchiv, die „mit Herz, Verstand, Enthusiasmus und Fanatismus bei der Sache sind!“

Im Detail

Werktags von Montag bis Freitag ist das Stadt-Museumsarchiv hinter dem Stadtsaal von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Über Besucher freuen sich die Mitglieder des Museumsteams.

Museums-Reste

In dem aus allen Nähten platzenden Museumsdepot - Rumpf der Sammlung sind die Bestände des 1986 gesperrten Heimatmuseums - liegen unzählige Schätze, die von der Urzeit, wie z.B. die paläontologische Abteilung beweist, bis hin in die Gegenwart reichen. Die Bestände waren bis Anfang der 2000er-Jahre in mehreren Depots verstreut, erst das Depot-Team führte sie wieder an einem Standort zusammen.

Interview mit Alfred Englisch

Über 300 Interessierte kamen ins Stadt-Museumsarchiv hinter dem Mistelbacher Stadtsaal - ein Besucherandrang, der die engen Räume des Archives verstopfte.

Alfred Englisch organisierte den Tag der offenen Tür im Stadt-Museumsarchiv Mistelbach.  |  zVg

NÖN: Warum haben Sie den Tag der offenen Tür im Museumsarchiv organisiert?
Alfred Englisch: Es gibt viele Jubiläen heuer. Das Top-Jubiläum ist für mich 100 Jahre Südtirolersiedlung: Damals waren dort 750 Flüchtlinge untergebracht. Das Thema Flüchtlingsstation ist ja topaktuell!

Warum wurde der Tag der offenen Tür heuer derart gestürmt?
Englisch: Weil das Thema interessiert. Einerseits, weil die Leute wissen wollen, wie das damals war und um die Dokumentation durch das neue Buch zu erhalten.

Wie sehen Sie die Zukunft des Stadtmuseum-Archivs?
Englisch: Menschen werden sich immer für die Vergangenheit interessieren. Geschichte ist auch in der Zukunft aktuell.