Mistelbach

Erstellt am 07. Juli 2016, 04:04

von Valerie Schmid

Flüchtlingsklasse: Das Projekt wird fortgesetzt. Die meisten Schüler werden nach Schulschluss nun ihre eigenen Wege gehen.

Die Schüler der Übergangsklasse mit ihren Zeugnissen: Sabine Lampert, Bürgermeister Alfred Pohl, Ahmad Farshid, Direktor Johannes Holzinger, Hajdari, Direktor Johannes Berthold, Farika, Direktorin Isabella Zins, Salam, Alhamadan, Fahed, Al Abed, Nargis, Khadra, Yasmin.  |  Valerie Schmid

Nicht nur die regulären Klassen des Mistelbacher Bundesschulzentrums haben am letzten Schultag ein Zeugnis bekommen, auch die Übergangsklasse oder auch „Flüchtlingsklasse“ genannt, wurde mit einem Zeugnis verabschiedet.

Und das hatte große Bedeutung - sowohl für die Lehrer als auch für die Schüler. Denn in den wenigen Monaten, die die Schüler das Bundesschulzentrum besucht hatten, hatten sie so viel geleistet, wie andere Schüler in Jahren:

„Wir konnten einfach niemanden wegschicken, den wir schon einmal bei uns hatten. Das haben wir nicht übers Herz gebracht“

Sabine Lampert

Die Sprache Deutsch teilweise auf A2 Niveau erlernt. Zum Vergleich: Für die Englisch-Matura braucht man B2 Niveau und hat mindestens acht Jahre Zeit, dieses Niveau zu erreichen, auch unter dem Aspekt, dass Englisch als eher leichte und Deutsch als sehr schwere Sprache gilt.

Unterricht in Mathematik, Deutsch, Englisch, Informatik und weiteren Fächern wurde absolviert und sie qualifizierten sich teilweise für weitere Schulen oder das Arbeitsleben. Zu dem hohen Lernaufwand kamen viele Behördengänge, durch die die Schüler oft dem Unterricht fernbleiben mussten. „Ihr habt, wann immer es ging, den weiten Weg auf euch genommen, um die Schule zu besuchen“, hob eine Lehrerin hervor.

Fahed, Salam und Ahmad wechseln nach dem Sommer in das reguläre BORG in die fünfte Schulstufe, Farika wechselt (nach der Absolvierung weiterer Deutsch-Kurse) in die Krankenpflegeschule und Yasmin wird voraussichtlich die Übergangsklasse wiederholen.

Bei anderen Schülern ist noch unklar, wie es weitergehen wird. Viele Entscheidungen hängen von passenden Angeboten an Sprachkursen und einem noch ausständigen, positiven Asylbescheid ab. Eine weitere Problematik besteht darin, dass manche ihre Matura bereits in ihrem Heimatland gemacht hatten, das Dokument aber aufgrund der prekären Kriegssituation zuhause lassen mussten.

Auch Nargis absolvierte ihre Matura bereits in Afghanistan und begann sogar dort ein Architektur-Studium, das sie aber durch die Flucht abbrechen musste. Nun würde sie sich wünschen das Studium in Wien wieder aufnehmen zu können.

Stolze Gesichter und Dankbarkeit

Beim Überreichen der Zeugnisse brachte stolze Gesichter und Applaus für jeden. Aber vor allem eine große Dankbarkeit seitens der Schüler an die Lehrer und Direktoren aller Schulen für den kontinuierlichen Einsatz und die Menschlichkeit. „Manche Schüler brauchten besondere Betreuung, da sie vom Niveau her nicht in die Übergangsklasse gepasst hatten.

Daher haben wir dann auch Lehrer finden müssen, die in ihren Freistunden Schüler einzeln unterrichten. Wir konnten einfach niemanden wegschicken, den wir schon einmal bei uns hatten. Das haben wir nicht übers Herz gebracht“, so eine der Lehrerinnen. Auch Bürgermeister Alfred Pohl war bei der Verabschiedung dabei und lobte das „Wagen“ dieses „Experiments“ und die „tollen Leistungen“, die erbracht wurden.

Nächstes Jahr wird es wieder eine Übergangsklasse geben. Diesmal mit jüngeren Schülern, da gesetzlich Schüler eigentlich nur bis zum 25. Lebensjahr die Schule besuchen dürfen.