Erstellt am 22. September 2015, 08:49

von Carina Rambauske

Mistelbach: Platz für 180 Flüchtlinge. Das KH-Personalheim, das Schusterwirtshaus sowie mobile Wohneinheiten beim Pflegeheim sind im Gespräch.

Auch im Personalwohnheim des Landesklinikums ist Platz für Flüchtlinge geschaffen worden.  |  NOEN, Michael Pfabigan

Aktuell werden oder sind gerade Unterkünfte für ca. 180 Flüchtlinge in Mistelbach im Entstehen: Zehn Wohnungen stehen im Personalwohnheim des Landesklinikums Mistelbach-Gänserndorf für eine sofortige Unterbringung zur Verfügung. Weitere 60 Personen können im ehemaligen Gasthof „Florianihof“ Schuster in Lanzendorf untergebracht werden, zudem werden mobile Wohneinheiten für etwa 90 Personen auf dem Gelände des Landespflegeheimes angedacht.

Drei Männer sind bereits im Pater Jordan-Haus sowie eine fünfköpfige Familie in einer Gemeindewohnung in der Liechtensteinstraße untergebracht, ergänzend zu jener asylberechtigten Flüchtlingsfamilie, die bereits seit dem Frühjahr in Mistelbach ist. Weitere Optionen stehen mit der Landwirtschaftlichen Fachschule in Mistelbach zur Verfügung. Hier wollen Lehrer, Eltern und Schüler zwei ehemalige, leer stehende Lehrerwohnungen entsprechend adaptieren.

Die gespendeten Hilfsgüter sollen, sobald die gültigen Pachtverträge ausgelaufen sind, im ehemaligen Holland Blumen Mark gelagert werden, um sie optimal zu lagern und effektiv zuteilen zu können. Diese Maßnahmen alleine reichen jedoch nicht: „Stellen Sie ihre persönliche Kompetenzen in den gemeinnützigen Dienst“, animierte Bürgermeister Alfred Pohl die Mistelbacher, die Flüchtlinge in das Gemeindeleben zu integrieren.

„Schenken Sie Zeit“

„Wir wollen keine Schuldigen suchen, keine Horrorszenarien malen, sondern Klarheit schaffen, gezielte Informationen erhalten, um konstruktiv den vor Krieg und Horror Fliehenden zu helfen“, brachte es Moderatorin Judith Weissenböck am Flüchtlings-Informationsabend am 15. September zu Beginn auf den Punkt. „Die Katastrophe findet in Syrien statt und nicht hier!“

Die Welle der Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge schwappte auch nach Mistelbach über, als über 300 Bürger zum Flüchtlings-Informationsabend in den Pfarrsaal kamen, um den Impulsstatements von Experten wie Bettina Erl, Caritas-Projektleiterin „Wohnraum für Flüchtlinge in Pfarren“ und Karl Pell von der Koordinationsstelle für Ausländerfragen Land NÖ zuzuhören.

So informierte Bell, dass sich die Kosten der Versorgung von Asylwerbern der Bund und die Bundesländer zu 60 und 40 Prozent aufteilen, während die Gemeinden keine Beiträge zu zahlen haben. Außerdem ging er auf den Unterschied zwischen der organisierten Unterbringung (Vollversorgung, bei der ein Betreiber für das Land NÖ ein Quartier führt) und der individuellen Unterbringung (Selbstversorgung, bei der eine Wohnung selbst angemietet wird) ein.

„Konkretes Ziel ist, die Menschen so gut zu
integrieren, dass sie ein Teil von uns werden.“
Bettina Erl, Caritas-Projektleiterin
„Wohnraum für Flüchtlinge in Pfarren“


Bettine Erl erzählte über die verschiedenen Schienen der Caritas, jene Personen, die auf Asyl warten oder erst kurz in Österreich sind, zu betreuen. Außerdem sprach sie die Möglichkeit an, dass Privatpersonen ihre Wohnräume gegen eine geringe Miete an die Caritas für Flüchtlinge vermieten können. „Gewisse Standards müssen hier jedoch gelten. Die Zurverfügungstellung der Garage, die aber leider keine Heizung hat, ist zwar nett gemeint, erfüllt aber nicht den Zweck“, betont Erl.

Die Stimmung des Informationsabends war weitgehend hilfsbereit, der Großteil der Anwesenden wollte vor allem wissen, wie sie konkret und rasch helfen können. „Konkretes Ziel ist, die Menschen so gut zu integrieren, dass sie ein Teil von uns werden“, so Bettina Erl. Das sei mehr als die Bereitstellung von Geld und Hilfsgütern, es beginne bei der Unterbringung und setze sich bei der Hilfe Deutsch zu lernen, bis dahin die Flüchtlinge zu Vereinsfesten mitzunehmen fort.

„Schenken Sie den Menschen Ihre Zeit“, empfahl Bell. „Gerne“, so eine Bürgerin, äußerte aber ihre Bedenken, da Flüchtlinge zwar kranken-, aber nicht unfallversichert sind. „Was passiert, wenn ich sie mit dem Auto zum Deutschkurs bringe und ich habe einen Unfall und ihnen passiert etwas?“ Hier fehlt die juristische Expertise, bedauerten die Experten, keine zufriedenstellende Antwort geben zu können.
Wie denn die Leute nach Mistelbach kämen, wie es mit dem Angebot an Deutschkursen ausschaue, aber vor allem wie man helfen könne, waren weitere Fragen der Mistelbacher.

Buh-Rufe für die Befragungs-Forderung 

„Warum gibt es keine Bürgerbefragung, ob die Mistelbacher das überhaupt wollen?“, war die Wortmeldung eines anderen Bürgers. Der Saal konterte mit lauten Buh-Rufen, bevor Stadtpfarrer P. Hermann Jedinger antwortete: „Soll man abstimmen, ob man Menschen helfen kann?“

Den Vorschlag einer Bürgerin, sämtliche Hilfsinitiativen gemeinsam mit aktuellen Informationen zu versorgen, nahm Bürgermeister Pohl auf und kündigte an: „Wir werden organisieren, dass sämtliche Informationen auf der Mistelbacher Homepage zusammenlaufen.“

Infos zur Flüchtlingshilfe

• Die Plattform „Flüchtlingshilfe Mistelbach“ wurde aus einer Initiative der StadtGemeinde Mistelbach, des Vereins Bewegung Mitmensch Weinviertel, der Pfarre und des Roten Kreuzes in Zusammenarbeit mit Privatpersonen ins Leben gerufen. An unterschiedlichen Standorten in der Stadt konnten so bereits Quartiere für rund 180 Flüchtlinge geschaffen werden oder sind im Entstehen.

• Privatquartiere gesucht. Wer Wohnraum zur Verfügung stellen möchte: Hotline 018904831, www.caritas-wien.at/spenden-helfen/aktuelle-spendenaufrufe/wohnungen-fuer-fluechtlinge/

• Freiwilligenstammtisch: Für die vielen freiwilligen Helfer, die ihre Unterstützung angeboten haben, wird am 12. 10. der erste Freiwilligenstammtisch stattfinden.

• Laufende bzw. weiterführende Informationen zur Hilfe und Unterstützung für Flüchtlinge sind auf der Homepage der Stadt Mistelbach zu finden:
www.mistelbach.gv.at