Mistelbach

Erstellt am 14. Juni 2017, 05:00

von Michael Pfabigan

Riesenschaden: Tonnenweise faule Erdäpfel entsorgt. Landproduktehändler Mechtler musste hunderte Tonnen Erdäpfel entsorgen.

Vor dem Lager ders Landproduktehändlers Mechtler im Norden der Stadt türmen sich die Erdäpfel-Kisten. Befüllt werden sie nicht, denn die Knollen verfaulten an der Kartoffelfäule.  |  Michael Pfabigan

„Seit zwei Wochen stinkt es nach verfaulten Erdäpfeln, Millionen von Obstfliegen bevölkern die Umgebung. Tag und Nacht brummt die Entlüftung und die Erdäpfelkisten wachsen in den Himmel!“ Martina Pürkl, Alt-Gemeinderätin und Anrainerin, macht ihrem Ärger über die Nachbarschaft gehörig Luft.

Schaden: 60.000 bis 100.000 Euro

Die Nachbarschaft, das ist der Landwirtschaftliche Betrieb von Manfred Mechtler, der in der ehemaligen Amazone-Halle die von seinem Sohn Markus geernteten Güter zwischenlagert und verpackt. Und ja: Er hatte in den vergangenen Wochen ein Problem: In der Halle verfaulten ihm „etliche hundert Tonnen“ der eingelagerten Erdäpfel an der Erdäpfelfäule. Schaden: 60.000 bis 100.000 Euro. Mittlerweile ist die Geruchsbelästigung gebannt, das Lager ist geräumt.

Wobei: So einfach war das nicht, denn wohin mit tonnenweise faulenden Kartoffeln? „Die noch bestehenden Biogasanlagen hatten alle genug Erdäpfel geliefert bekommen“, sagt Mechtler. Bis eine abnahmebereite Anlage gefunden war, dauerte es. Und dann gab es noch ein Problem, einen Frächter zu finden, der die übel riechende Fracht auf seine Lastwägen lies. Mittlerweile sind beide Probleme gelöst.

Warum haben die Erdäpfel zu faulen begonnen? „Das Grundproblem ist das Spritzverbot gegen den Drahtwurm. An den Bissstellen kann die Kartoffelfäule leicht in die Knolle eindringen“, sagt Mechtler. Jene Pflanzenkrankheit, die schon zu den verheerenden Hungersnöten in Irland geführt hatte. Was Mechtler besonders ärgert: Das Spritzverbot gegen den Drahtwurm gilt nicht einmal flächendeckend in der EU. „Und jetzt kaufen alle ägyptische Erdäpfel, die optisch in Ordnung und gespritzt sind!“

Mechtler will keine Chemie bei Lagerung

Eine (erlaubte) chemische Behandlung in der Lagerung kommt für Manfred Mechtler nicht infrage. Stattdessen will er das Problem auf natürliche Weise angehen: Schon jetzt wurden die gelagerten Kartoffeln, einem kühlenden Luftstrom aus fünf leistungsstarken Gebläsen ausgesetzt, die die Erdäpfel auf 4 Grad abkühlen. Für das nächste Jahr ist der Einbau einer entsprechenden Klimaanlage geplant.

Stichwort Lärmbelästigung: „Wir haben versucht, die so gering wie möglich zu halten“, sagt Mechtler. Etwa dadurch, dass die Hallentore so weit wie möglich geschlossen sind. Auch achte man darauf, dass die erlaubte Lärmgrenze an der Grundstücksgrenze nicht überschritten wird.

Beteuerungen, denen Anrainerin Pürkl nicht glaubt. Und legt nach: „Von Öffentlichkeitsarbeit hat dieser Betrieb noch nix gehört. Wenn mir so was passiert, haben die Anrainer innerhalb der nächsten zwei Tage eine Info auf dem Tisch, wo alles erklärt wird“, sagt Pürkl: „Samt einer Riesenentschuldigung!“