Mistelbach , Sierndorf , Wien

Erstellt am 10. August 2016, 03:19

von Sandra Frank

„Soll der Anfang von etwas Großem sein“. Feat. Respect: Flüchtlinge und deutschsprachige Musiker steuern Acts zur gemeinsamen CD bei, deren Erlös dem Haus Arjan gespendet wird.

Christoph Hahn mit den Jungs von Musafer. „Sie machen eine andere Art von Musik, eine sehr anspruchsvolle“, erzählt der Künstler über die gemeinsame Zeit mit den Syrern und Afghanen im Studio.  |  privat

„Ich hab‘ mir zu Herzen genommen, was mir die Anwälte von HC Strache geraten haben“, lacht Christoph Hahn. Als sich der Künstler im Mai vor Gericht verantworten musste, weil er den Bundesparteiobmann der FPÖ via Facebook-Post beleidigt hatte, rieten ihm dessen Anwälte seine Kritik anders zu äußern.

Und das tat der gebürtige Sierndorfer (Bezirk Korneuburg), in Form von „Feat. Respect“ Volume 1, einem Sampler mit Musik von geflohenen Menschen, die von Musikern aus Österreich unterstützt werden. Mitte November soll die CD, die übrigens von Universal Music Austria vertrieben wird, im Handel erscheinen. Der Erlös des Projekts wird der Organisation „Haus Arjan“ in Mistelbach zugutekommen.

„Dort fehlt es einfach noch an allen Ecken und Enden“, erklärt Hahn, weshalb der Verkaufserlös vom ersten Sampler nach Mistelbach geht. Hier leben etwa 90 Flüchtlinge, unbegleitete Minderjährige und geflüchtete Familien, in Containern. Und weil der Wahl-Wiener Germanistik auf Lehramt studiert hat, gibt er den Asylwerbern dort auch gleich Deutschunterricht.

Gemeinsam gegen den Hass

Mit „Feat. Respect“ will Hahn, gemeinsam mit Flüchtlingen und jedem, der das Projekt unterstützt, dauerhaft gegen Rassismus und Menschenverachtung aufstehen. „Ich wollte Kritik anbringen, die etwas bringt. Also habe ich all meine Kontakte mobilisiert“, sprach der 31-Jährige seine Freunde in der Musikszene an.

„Es war eine coole Idee, die gewachsen ist“, freut er sich über viel Zuspruch. Allerdings musste er auch einige Enttäuschungen einstecken: „Ich habe viele Künstler aktiv angesprochen. Einige haben Nein gesagt, weil das Projekt für Flüchtlinge ist. Das hat mich schon enttäuscht.“

Auf der anderen Seite gab‘s sehr positive Überraschungen, wie etwa die Reaktion von Mono & Nikitamann: „Sie haben sofort zugesagt einen exklusiven Song für das Projekt beizusteuern.“

Flüchtlinge sehr talentiert

Hauptacts auf dem Sampler sind aber die Beiträge der Flüchtlinge. Zwei Drittel der Nummer stammen von ihnen. „Es sind so viele coole Sachen dabei“, schwärmt Hahn. Die Band des 31-Jährigen - Turm und Strang - stellte ihr Studio in Sierndorf zur Verfügung und machte gemeinsam mit den Flüchtlingen Musik. Heimatlieder, klassische Klavierstücke, Eigenkompositionen und Chorlieder werden vertreten sein.

„Wir haben mit der Band Musafer, das sind Jungs aus Syrien und Afghanistan, Musik gemacht und danach Pizza bestellt“, spricht Hahn von einer guten gemeinsamen Zeit. Aber: „Es ist erschreckend, wie ehrfürchtig, vorsichtig und teilweise ängstlich sie sind. Sie wollen es jedem Recht machen, um ja nicht aufzufallen“, bemerkte der Musiker, dass die Flüchtlinge die teils schlechte Stimmung rund um das Flüchtlingsthema sehr wohl mitbekommen.

Hahn, wie auch seine Bandkollegen, waren beeindruckt vom musikalischen Können der jungen Männer. „Sie können unsere Sounds leicht nachspielen, aber umgekehrt wird‘s dann schon schwieriger ... Sie machen einfach eine andere Art von Musik, eine sehr anspruchsvolle“, spricht er von einer Bereicherung beider Seiten.

Konzert und Volume 2 sind das erklärte Ziel

„Es soll der Anfang von etwas Großem werden“ und nach Volume 1 soll nicht Schluss sein. Nicht nur regelmäßige Konzerte sind geplant, das große Ziel des Produzenten Trios – Hahn wird von Zebo Adam (Produzent der Erfolgsband Bilderbuch) und Alex Lausch (Listencareful Studio) unterstützt – ist, jährlich einen Sampler herauszubringen. „Es haben sich schon einige Acts, wie White Miles oder Freischwimma für Volume 2 angemeldet“, berichtet Hahn.

„Wie immer geht aber nichts ohne Kohle ...“, spricht der Musiker die Finanzierung des Samplers an. Diese ist ein Crowdfunding-Projekt. Die Produktion ist eine aufwendige Angelegenheit, die trotz des Entgegenkommens des gesamten Teams etwas kostet. „Das gesamte Team freut sich wirklich über jeden Euro und jeden Unterstützer.“

Musiker bei der Arbeit: Bei den Aufnahmen für den Sampler, der im November erscheinen wird, hatten die Musiker viel Spaß.  |  Privat

Vorgeschichte

  • Vor den Wiener Gemeinderatswahlen im Oktober 2015 postete Christoph Hahn auf seiner Facebookseite „Ein rechtes Schwein darf kein Leitwolf sein!“ Darunter ein Bild des FPÖ-Spitzenkandidaten Strache, das ihn mit Schweinsnase zeigte.
  • Der Beitrag wurde im Februar 2016 gelöscht. Eine Anzeige der FPÖ wegen Beleidigung folgte.
  • Im Mai wurde die Causa verhandelt. Hahn wurde schuldig gesprochen und musste 80 Euro Strafe zahlen.

Unterstützung

Feat. Respect Volume 1 benötigt finanzielle Unterstützung. Das Crowdfunding-Projekt kann unter www.respekt.net/projekte-unterstuetzen/details/projekt/1299 unterstützt werden. Auch erreichbar über www.facebook.com/featrespect.