Mistelbach

Erstellt am 12. Oktober 2016, 05:00

von Michael Pfabigan

Umstrittene Schilder verschollen. Historikerkommission gegen eine Umbenennung. Straßenschilder wurden geklaut.

 |  Michael Pfabigan

Zuletzt hatte die KPÖ gefordert die Kernstockgasse in Mistelbach, eine Querstraße zur Oserstraße, umzubenennen: Der Namenspatron gilt als Texter der Bundeshymne „Sei gesegnet ohne Ende“ des Ständestaates und des während der NS-Zeit beliebten Hakenkreuzliedes. Für die Kommunisten reicht das: Mistelbach soll, so fordern sie, die Straßenbenennung rückgängig machen.

Historiker-Kommission eingeschaltet

Noch bevor die Forderung via Medien im Rathaus eintraf, reagierte die Stadtgemeinde nach Hinweis aus der Bevölkerung und schaltete die Historiker-Kommission der Stadtgemeinde ein, die extra für solche Anlässe geschaffen wurde.

In der kommenden Gemeinderatssitzung werden die Stellungnahmen der Experten präsentiert werden. Was ihr Inhalt ist, ist noch geheim. Aber sie sollen sich nicht einig in ihrem Urteil sein und Ottokar Kernstock vielleicht nicht als den würdigsten Namensgeber bezeichnen, aber grundsätzlich keinen Grund für eine Umbenennung sehen. Vier von fünf Experten sollen das so sehen, heißt es aus dem Rathaus.

Einen Grund sahen aber bereits Wien, das Anfang der 1990er-Jahre zwei Plätze umbenannt hatte, und jüngst Mürzzuschlag (Steiermark), das statt dem Lyriker eine Gasse lieber zwei NS-Opfern widmet.

Ursache für Straßenschilder-Verschwinden gesucht

Wie geht es jetzt weiter? Noch hat niemand im Gemeinderat einen Antrag auf Umbenennung der Gasse gestellt. Tritt dies ein, geht die Causa zurück an den entsprechenden Gemeinderatsausschuss. Die Ergebnisse der Historikerkommission werden dann als Entscheidungsgrundlage dienen. Der Entschluss des Ausschusses geht dann wieder zurück in den Gemeinderat, der dann endgültig entscheiden muss.

Kuriosum am Rande: Die rund 135 Meter lange Kernstockgasse ist wohl eine der wenigen Straßen in Mistelbach, die keine Straßenschilder hat. An einem Mast in der Mozartgasse sieht man zwar noch, dass etwas angeschraubt war, das Schild fehlt aber - ebenso wie in der Oserstraße. Die Straßenbezeichnung findet sich lediglich auf den Hausnummern wieder. Wo die Tafeln hingekommen sind? Das fragt man sich auch im Rathaus, das nach NÖN-Anfrage intensiv nach den Ursachen für das Verschwinden der Kernstock-Schilder sucht.

Michael Pfabigan

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