Erstellt am 20. April 2016, 05:04

von Michael Pfabigan

Nachbarschafts-Streit: Giftiger Rauch und Lärm. Vor dem Bezirksgericht Mistelbach trafen sich zwei Nachbarn aus der Alleegasse: Mit Zeugen wollte der eine beweisen, dass er nicht zu laut Holz verarbeitet.

Schauplatz Alleegasse: Ein Bewohner fühlt sich vom Nachbarn durch Lärm und stinkenden Hausbrand gestört und klagt beim Bezirksgericht. Der bestreitet die Vorwürfe weitgehend.  |  NOEN, Michael Pfabigan

"Ich red' mit dem nicht mehr. Zuerst zeigt er mich an, und dann soll ich mich ihm ausliefern?“ Schon früh war klar, dass es bei diesem Streit zweier Nachbarn in der Wolkersdorfer Alleegasse keinen Vergleich geben wird.

Am 14. April trafen sie sich vor dem Bezirksgericht Mistelbach – nicht zum ersten Mal und nicht in der einzigen Streitsache: Konkret geht es um den Vorwurf des einen Nachbarn, der zweite würde kunststoffbeschichtetes oder sonst kontaminiertes Holz verheizen und durch das Zerlegen von alten Holzpalletten und der anschließenden Bearbeitung der herausgezogenen Nägel übermäßig Lärm erzeugen.

„Lass ma das, das kostet nur Prozesskosten!“
Die Richterin kürzte die Vergleichsversuche ab.

Ein Urteil in der Causa war bereits 2013 ergangen, in der der mutmaßliche Störenfried aufgefordert wurde, die Tätigkeiten zu unterlassen. Was er anfangs auch tat. Seit 2015 hätten die Belästigungen wieder begonnen, klagt der Nachbar und brachte eine Exekutionsklage ein – sein störender Nachbar sollte per Gericht gezwungen werden, dass er sich an das 2013er-Urteil hält.

Einigung unmöglich

Der geklagte Nachbar antwortete mit einer Oppositionsklage – er focht damit die Exekutionsklage an.

Um die verfahrene Causa beurteilen zu können, hatte das Gericht im Februar einen Lokalaugenschein in der Alleegasse gemacht, dort war auch das Thema einer einvernehmlichen Lösung zur Sprache gekommen. Der sich gestört fühlende Nachbar hatte der Idee etwas abgewinnen können, wenn sich sein Gegenüber mit Rahmenzeiten für die Bearbeitung von Holz und Nägel in seinem Garten einverstanden erklärt hätte.

Der stellte eine Zustimmung in Aussicht, falls die Gegnerpartei ihm alle angefallenen Kosten erstattet. Bei der Gerichtsverhandlung zeigte sich, dass eine Einigung unmöglich ist. „Lass ma das, das kostet nur Prozesskosten!“, kürzte die Richterin die Diskussion ab.

„Ich arbeite ja eh nicht den ganzen Tag!“

Wie tief die nachbarschaftlichen Gräben sind, zeigte die Beweismittelaufnahme: Der angeblich störende Nachbar versuchte zu beweisen, dass die Vorwürfe überzogen sind: Er habe im Frühjahr 2015 zwei Mal und im Herbst wieder zwei Mal alte Einweg-Paletten bekommen, die er zerlegt und zu Brennholz verarbeitet.

„Ich arbeite ja nicht den ganzen Tag. Ein paar Stunden am Vormittag und dann am Nachmittag!“ Er schreibe da ja nicht mit. Sein Nachbar tat das: Unter anderem Pfingstsonntag, Pfingstmontag und 1. Mai. „Der ist ja der Tag der Arbeit!“, kommentierte es der palettenzerlegende Nachbar.

Was passiert mit dem zerlegten Holz? Der sich gestört Fühlende glaubt, dass er das Holz möglicherweise an andere weitergibt, vielleicht sogar gewerblich.

Der Holzarbeiter bestritt das: Er brauche das, um den Rohbau auf seinem Grundstück zu beheizen, ein bisschen Holz bekämen seine Eltern, bei denen er wohnt und ein wenig bekommt ein befreundeter Wolkersdorfer, der ihm bei der Arbeit ab und zu hilft. Dass das Elternhaus nicht ausschließlich mit Palettenholz geheizt wird, bestätigten auch die Eltern.

Rauchentwicklung: Passant rief Feuerwehr

Was wird am Grundstück neben dem sich gestört fühlenden Nachbarn verbrannt? Der Nachbar vermutet, manchmal „behandeltes“ Holz: In einem Fall war die Rauchentwicklung derart groß, dass ein Passant Feuer im Haus vermutet und die Polizei gerufen hatte. „Das war sicher kein Naturholz, das war was Giftiges!“, sagte der Zeuge.

Die Polizei soll dann in ihrem Bericht von „verbrannten Laminatböden“ geschrieben haben. Ein Rauchfangkehrermeister bestätigte bei der Verhandlung den ordnungsgemäßen Zustand der Heizanlage und dass, angesichts der Asche, die er darin bei gesehen hatte, keine verbotenen Substanzen verbrannt worden seien. Allerdings war diese Begutachtung vor knapp zwei Jahren, weit vor dem Rauchvorfall.

Gehört konnten nur Zeugen des holzverarbeitenden Wolkersdorfers werden, zwei Zeugen des Nachbarn waren verhindert. Die Verhandlung wurde vertagt.


TV-Tipp

Bei der Verhandlung drehte auch ein ORF-Kamerateam für -„Schauplatz: Gericht“. Der Beitrag „Die Nachbarn und die Buttersäure“ wird am 28. April um 21.05 Uhr in ORF2 gesendet.