Asparn an der Zaya

Erstellt am 09. Juli 2016, 04:29

von Michael Pfabigan

Lernen aus der Praxis. Praktische Erfahrungen aus der Bearbeitung von Eisen fließen in die wissenschaftlichen Arbeiten der Archäologen ein.

Eine neue Schmiede für den Freibereich des MAMUZ Asparn: Josef Lahner, Bürgermeister Manfred Meixner, Wolfgang Lobisser, MAMUZ-Freunde-Vereinsobfrau Verena Sonnleitner, MAMUZ-Chef Matthias Pacher und wissenschaftlicher Leiter Ernst Lauermann.  |  NOEN, Renate Heger

Eine Schmiede ist ja nichts Theoretisches: Hier wird praktisch gearbeitet. Insofern war es nur logisch, dass der Bau der neuen Schmiede im Freigelände des MAMUZ Schloss Asparn im Rahmen der „experimentellen Archäologie“ der Uni Wien stattfand.

Seit über 30 Jahren treffen sich Lehrende und Studierende aus ganz Europa, um am letzten Juni-Wochenende zu experimentieren und wissenschaftliche Fragestellungen bei Experimenten zu beantworten: Welche Temperatur muss ein Rennofen zum Gewinnen von Eisen haben? In welchem Winkel müssen Werkzeuge gefertigt sein, um effektiv eingesetzt zu werden zu können? Oder: In welche Richtung müssen die Brettchen beim Weben gedreht werden, um das gewünschte Muster zu kreieren?

Auch beim Bau der Schmiede waren Experimentalarchäologen zugange. Sie untersuchen beim Bau von Gebäuden auch die Umsetzungsfähigkeit mit historischen Werkzeugen und tragen so immens zur Forschung in der Archäologie bei.

Um die neue Werkstätte errichten zu können, haben Experimentalarchäologen zahlreiche archäologische Funde durchforstet, um den idealen Arbeitsbereich zu schaffen. Ausgestattet ist die Schmiede auf 4,5 mal 3,5 Metern mit einem Fein- und einem Grobwerkbereich.

Darin zu finden ist alles, was zur Ausstattung eines Schmieds gehört: Amboss, Esse, Blasebalg, Zangen, Ofenschaufel, Mobiliar und auch Produkte, die erst in Produktion sind.

„Schmiede erleichterten durch ihr Handwerk den Alltag vor knapp 3.000 Jahren immens, da das Werkzeug aus Metall viel effektiver war“, sagt MAMUZ-wissenschaftlicher Leiter Ernst Lauermann: Sie entwickelten Pflugscharen, Sensen, Sicheln, Messer, Scheren und Bratspieße – Werkzeug, das sich in seiner Form bis heute nicht verändert hat.

„Wie leicht scheint es heute, sich ein Messer, eine Axt oder eine Packung Nägel zu kaufen. Man stelle sich vor, zur Zeit der Kelten mussten zwei Personen mindestens zwei Wochen arbeiten, um ein reines Kilogramm Eisen herzustellen!“, weiß der Archäologe.