Erstellt am 01. April 2016, 05:04

von Michael Pfabigan

Opfer der Moderne. Verleger Ulrich Winkler-Hermaden präsentiert sein neues Buch über das Verfallende im Weinviertel.

Verleger Ulrich Winkler-Hermaden: Ist kein Negativbild der Region.  |  NOEN, Koci

Es ist eine morbide Schau des Wandels: Für ihr neues Buch „Verschwundenes Weinviertel“ begeben sich Karl und Martin Zellhofer auf Spurensuche im Weinviertel:

Auf 120 Seiten dokumentieren sie bildlich und mit Interviews, wie die Moderne ins Land gezogen ist. Und wie die Moderne mit der Kleinräumigkeit der Provinz aufgeräumt hat.

Vor 40, 50 Jahren gab es noch in vielen Orten Kinos, heute zeugen davon nur noch die Bücher. Das ehemalige Ladendorfer Kino ist heute ein Lagerraum, von der Geschichte erzählt nur noch die Aufschrift am Haus, die die Zeiten überdauert hat.

Selbes gilt für Kaufhäuser, Schulen, für die 250 Ziegelöfen, die heute entweder gesprengt oder ohne Inhalt sind, für Milchhäuser, verlassene Wohnhäuser und Bahnhaltestellen im Nirgendwo, die „Lost Places“ der vergangenen Verkehrsinfrastruktur geworden sind.

Lust am Morbiden?

„Die Idee zum Buch stammt von Karl Zellhofer, der im kleinen Ort Hippersdorf aufgewachsen ist. Die dortige Volksschule, die beiden Wirtshäuser und die beiden Greißler sind schon lange verschwunden“, erzählt der Ulrichskirchner Verleger Ulrich Winkler-Hermaden: „Diese Veränderungen haben ihn schon immer interessiert. Sein Sohn Martin, ein Historiker, war auch bald von dem Thema begeistert und so machten sich die beiden auf, das verschwindende Weinviertel zu dokumentieren.“

Also Lust am Morbiden? „Die Zellhofers wollen mit dem Buch kein Negativbild der Region zeichnen“, sagt Winkler-Hermaden. Die Rückmeldungen auf das Buch seien durchwegs positiv: „Viele Betrachter erinnern sich an bestimmte Geschäfte, und wissen gleich eine Geschichte dazu beizusteuern.“ Diese verfallenden Gebäude, die wie Denkmäler aus einer vergangenen Zeit sind, ziehen aber auch jüngere Menschen an. „In geballter Form mögen diese Bilder melancholisch wirken, aber so sieht’s bei uns halt aus“, sagt Winkler-Hermaden.


Das Buch

Verschwundenes Weinviertel: Über Greißler und Wirtshäuser, Kinos und Schulen, Bahnhöfe und Ziegelwerke, die es nicht mehr gibt. Eine Spurensuche.
Von Karl Zellhofer und Martin Zellhofer. 120 Seiten, 19,90 e
Verlag: Edition Winkler-Hermaden

Erscheinungstag: 30. März

Infos: www.edition-wh.at