Mistelbach

Erstellt am 05. April 2017, 04:00

von Michael Pfabigan

Parkdeck, Leerstand und der Neumarkt. Die Gemeinde diskutierte mit Immobilien- Besitzern und Gewerbetreibenden die Zukunft des Zentrums.

Gewerbetreibende und Immobilienbesitzer des Zentrums diskutierten mögliche Entwicklungen des Mistelbacher Zentrums. Die Hauptaspekte: eine Parkgarage, der Leerstand, der Neumarkt und ein fehlender Nahversorger.  |  Michael Pfabigan

Der Standort des Neumarktes, der Leerstand im Zentrum und Pläne zur Errichtung von Parkdecks oder Tiefgaragen waren die dominierenden Themen der ersten Diskussions- und Meinungssammelrunde zum Projekt „Mistelbach 2030++“, das am 29. März im Barockschlössl mit Immobilienbesitzern und Gewerbetreibenden des Zentrums stattfand.

Was erwarten sich die Mistelbacher von ihrem Zentrum: Soll es Wohnzimmer oder Parkplatz sein? „Der Wohnzimmerhauptplatz ist eine dumme Formulierung. Ich habe gehofft, dass sie mit dem abgetretenen Bürgermeister verschwunden ist“, sagt Hausbesitzer und Alt-Gewerbetreibender Herbert Hawel: „Es braucht kein Wohnzimmer und soll kein Saustall sein: Es soll ein urbaner Marktplatz werden!“

„Der Wohnzimmerhauptplatz ist eine dumme Formulierung. Ich habe gehofft, dass sie mit dem abgetretenen Bürgermeister verschwunden ist!“Herbert Hawel, Immobilienbesetzer und Alt-Gewerbetreibender am Hauptplatz.

Fakt ist, dass sich die Stadtregierung derzeit Gedanken zur Neugestaltung des Mistelbacher Zentrums macht. Dafür nötig: Die Definition der Anforderungen an dieses Zentrum. Daher werden unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen zu ihren Meinungen zum Hauptplatz gefragt. „Wir diskutieren hier nicht, welche Farbe der Mistkübel haben soll, wir wollen die Richtung herausfinden, in die wir planen sollen“, sagt der für Raumordnung zuständige Vizebürgermeister Christian Balon.

Stichwort Parkdeck/Tiefgarage: Fix ist nix, grob zusammengefasst gibt es drei Optionen: Östlich oder westlich des Hauptplatzes oder genau darunter. Die Menge der dafür möglichen Grundstücke ist begrenzt. Der Bau einer Tiefgarage unter dem Hauptplatz wäre zwar die beste Lösung, würde aber eine Beeinträchtigung der Geschäfte im Zentrum für fünf Jahre bedeuten. Ob das dann alle überleben, ist fraglich. Meistdiskutierter Standort wäre das Jandl-Areal hinter der Volksbank/Kleider Bauer.

Diskussionspunkt Parkdeck: Das Jandl-Areal hinter Volksbank/Kleider Bauer ist ein möglicher Standort für ein Parkdeck.  |  Pfabigan Michael

Verkehrstechnisch wäre hier ein Parkdeck machbar. Doch für manche ist die Entfernung zum Hauptplatz dann zu groß, für manche das Grundstück zu wertvoll, um darauf Blech auf mehreren Etagen zu stapeln.

Problem: So sehr sich die meisten im Zentrum ein Parkdeck/eine Tiefgarage wünschen würden, sie wird mit Kosten für die Gemeinde und mit Parkgebühren einhergehen: „Wir haben mit allen Anbietern geredet: Von selbst wird sich in Mistelbach keine Parkgarage rechnen“, weiß Balon. Und: Kommt eine Parkgarage, ist es auch mit dem Gratisparken im Zentrum vorbei. Denn sonst nutzt ja keiner das (kostenpflichtige) Parkdeck - und das will im Zentrum kaum jemand.

Diskussionspunkt Marktzone: Bürger regten an, dass die Freitags-Tafeln am Samstag weggeräumt werden.  |  Pfabigan Michael

Stichwort Dauerparker

Im Zentrum arbeitende Menschen drehen ihre Parkuhr immer weiter und verstellen so Kunden die Parkplätze: „Uns liegen horrende Zahlen vor“, sagt Balon. Derzeit gibt es eine Aktion scharf gegen derartige Dauerparker. Eine Aktion, die die Gewerbetreibenden unterstützen.

Wenig Freude haben die Hausbesitzer und Gewerbetreibenden im Zentrum mit den derzeitigen Standort des Neumarktes vor dem Rathaus: Hans Wimmer, ehemaliger Marktstandler und Immobilienbesitzer im Zentrum weiß, worauf es bei einem Markt ankommt: „Ein Markt braucht Frequenz. Nur vor dem Rathaus ist die nicht da!“ Er würde für ein Verschieben des Marktes an seinen früheren Standort im Bereich zwischen Puchner und H&M entlang des Gehsteiges plädieren.

Diskussionspunkt Neumarkt: Mistelbachs Gewerbetreibende glauben, er sei am falschen Standort.  |  Pfabigan Michael

Gegen eine Rückkehr in die Marktgasse sprechen sich die Marktgassen-Gewerbetreibenden aus. „Vor den Geschäften wäre auch die Frequenz da“, sagt Wimmer. Möglich wäre auch eine Verlegung des Marktes in den Bereich vor dem Café Heindl. Das wäre das frequenzstärkste Eck des Hauptplatzes - würde aber einiges an Umbauarbeiten benötigen. Die Kosten dieser Variante wären die höchsten.

Kritik an leerstehenden Immobilien

Einig waren sich die Gewerbetreibenden, dass das Zentrum wieder einen Nahversorger braucht, die Leerstände dafür wären mit dem ehemaligen Zielpunkt grundsätzlich da. Das Interesse der Lebensmittelketten, im Zentrum einen Markt zu errichten, hält sich aber in Grenzen.

Allgemein beklagten die Immobilienbesitzer und Kaufleute die Leerstände im Zentrum. „Wir werden uns vielleicht in mancher Randlage eingestehen müssen, dass das keine Einkaufslage mehr wird, und stattdessen Ruinen abreißen und da Büro- oder Wohngebäude errichten müssen“, sagt Vizebürgermeister Christian Balon.

Umfrage beendet

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