Erstellt am 11. Februar 2016, 05:03

von Michael Pfabigan

Pemsel: „Ich denke dabei langfristig!“. Im Mai eröffnet neue Kaufstrasse-Boutique, die Verträge mit H&M für Stammhaus sind auf 30 Jahre abgeschlossen.

Aus dem K1 wird ab dem späten Frühjahr die Kaufstrasse Boutique. Sie wird weiter für qualitative Damenmode in Mistelbach sorgen, auch wenn im Stammhaus der H&M eingezogen ist.  |  NOEN, Michael Pfabigan

 „Ich höre ja nicht auf, ich reduziere nur!“ Jutta Pemsel, Chefin des Mode-Platzhirschen Kaufstrasse, stellt klar, dass die Kaufmannsfamilie Pemsel auch nach 120 Jahren weiter ein Wörtchen in der Mistelbacher Wirtschaft mitreden will: „Ich habe jetzt angefangen, weil ich keinen Nachfolger habe. Und ich mach‘s jetzt und nicht erst, wenn ich 65 bin!“

Jutta Pemsel hatte im Vorjahr bekanntgegeben, dass sie das Stammhaus am Mistelbacher Hauptplatz schließen und Filialen im Waldviertel verkaufen werde. Statt der Kaufstrasse wird es ab Herbst einen H&M in Mistelbach geben.

Chefin bleibt Pemsel weiterhin für die Kaufstrasse-Filialen Laa, Poysdorf und Zistersdorf. Das K1 am Hauptplatz, bisher auf junge Mode ausgerichtet, wird zur Kaufstrasse Boutique: „Das wird ein schickes Damenmodengeschäft mit unseren stärksten Marken“, sagt Jutta Pemsel.

Von Marken, die es anderswo in Mistelbach gibt, werde man sich da trennen. Aufsperren soll die Kaufstrasse Boutique im Mai. Gibt‘s deshalb im Frühjahr ein reduziertes Sortiment in der bisherigen Kaufstrasse? „Wir haben die Frühjahrsware voll eingekauft, wir haben ein volles Sortiment für alle Häuser. Im Frühjahr wird nichts fehlen!“, sagt Pemsel. Dass der neue Standort auf der gegenüberliegenden Hauptplatzseite funktionieren wird, ist für Pemsel keine Frage: „Der hat sich schon ab dem ersten Tag gerechnet!“

Mitarbeiter werden von 60 auf 35 schrumpfen

Stichwort Verkauf und Umstrukturierung: Die Zahl der Mitarbeiter wird von derzeit 60 - samt Verwaltung für die derzeit zwölf Filialen - auf dann 35 schrumpfen. Für die Boutique sind 12 Verkäuferinnen vorgesehen: Ihre guten, erfahrenen Mitarbeiterinnen wird Pemsel ins neue Haus mitnehmen.

Von den Jungen werden sich einige bei H&M bewerben, andere sind bereits weg und haben einen Job bei einem anderen Modehaus gefunden: „Meine Mitarbeiter sind gut, die sind begehrt“, ist Jutta Pemsel stolz darauf, dass sich das Mitarbeiterqualifizierungsprogramm bezahlt macht: „Meine Leute haben einen guten Ruf!“ Das führe dazu, dass es schon den einen oder anderen Personalengpass gebe: „Ich hoffe, wir haben bis zur Übersiedelung genug Mitarbeiterinnen!“

Die Entscheidung umzustrukturieren ist der Vollblutkauffrau nicht leicht gefallen: „Aber ich wusste, dass mein Vater voll hinter meinen Entscheidungen stand“, sagt Pemsel. Helmut Pemsel verstarb Ende Jänner: „Er hat diese Lösung für gut und richtig empfunden!“ Der Seniorchef habe immer gesagt: „Das ist so, wie beim Sport: Ich sitz? auf der Couch, schau?zu und hoffe, dass deine Mannschaft gewinnt!“ Und bis zuletzt hatte er an einer Firmenchronik gearbeitet. Denn die Pemsels denken langfristig: Der Vertrag mit H&M ist auf 30 Jahre abgeschlossen. „Und die Unternehmerseele schlägt weiter in meiner Brust“, sagt Jutta Pemsel.