Pillichsdorf

Erstellt am 01. Dezember 2016, 05:06

von Gregor Kobelkoff

Lösung im Quartierstreit. Die ganze Gemeinde ist froh, dass eine Lösung gefunden wurde.

Quartiergeberin Brigitte Biber, Bshir, Khulmat, Michael und Zareta Kostoev aus Inguschetien mit Bürgermeister Franz Treipl vor der Unterkunft „Reuhof“ in Pillichsdorf.    |  Gregor Kobelkoff

„Es war eindeutig die bessere Lösung!“, freut sich Bürgermeister Franz Treipl aus Pillichsdorf über die Flüchtlingsunterkunft am Reuhof.

Ursprünglich war die Caritas letzten Sommer mit einem Projekt im Pfarrgarten an die Gemeinde herangetreten. Doch bei der ersten Informationsveranstaltung war klar geworden, dass dieses Vorhaben wohl nicht ohne Einwände der Bevölkerung über die Bühne gehen würde. Der Gedanke, dass Wohncontainer bald das Bild der Pfarrkirche beeinträchtigen könnten, rief bei vielen Pillichsdorfern gemischte Gefühle hervor.

„Es gab noch keinen Gemeinderatsbeschluss dazu, den die Caritas benötigt hätte“, erzählt Bürgermeister Treipl. „Und wir hätten ohne eine positive Bürgerbefragung auch keinen gefasst.“ Das war die Situation, in der Familie Biber vom Gut Reuhof an die Gemeinde herantrat.

Die großherzige Tat einer Familie

„Wir hatten Platz für die 30 Personen, die die Caritas in Pillichsdorf unterbringen wollte“, beschreibt Hausherrin Brigitte Biber ihre Möglichkeiten. Durch dieses großherzige Angebot ersparte sich die Bevölkerung eine weitere emotionale Auseinandersetzung mit wahrscheinlich knappem und unabwägbarem Ergebnis.

„Als private Quartiergeberin habe ich auch mehr Einfluss auf die Auswahl der Bewohner in meiner Unterkunft. Wir haben im September mit einer sechsköpfigen Familie aus Inguschetien (eine russische Kaukasus-Republik) angefangen. Mittlerweile sind drei katholische Iraner aus der ehemaligen Halle 18 und zwei jugendliche Flüchtlinge aus Afghanistan, die mit dem 18. Geburtstag aus der Obsorge in Mistelbach in ein Erwachsenenquartier umziehen mussten, bei uns untergebracht.“ Es ist also kein Wunder, dass bei allen Seiten große Freude über diese Lösung vorherrscht.

„Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist enorm! Dinge des täglichen Bedarfs, wie Bettwäsche oder Wintersachen, wurden gespendet. Ein Kern von sechs bis sieben Freiwilligen kümmert sich regelmäßig um die Flüchtlinge. Besonders hervorheben möchte ich Stefanie Spellitz, Martin Neid und Regina Gössinger, die viel Zeit opfern.“ Nach mehreren Monaten sind auch die Erfahrungen mit den Menschen, die hier Sicherheit gefunden haben, positiv. „Drei der vier Kinder gehen in die Volksschule und eines in die NMS Wolkersdorf. Alle Asylbewerber verhalten sich vorbildlich und bemühen sich um Eingliederung in unsere Kultur.“

Und auch Treipl ist zufrieden: „Ich halte diese Lösung für sozial verträglicher. Erfreulich ist, dass mittlerweile auch in Pillichsdorf selbst weitere Flüchtlinge in Familienquartieren aufgenommen wurden.“