Erstellt am 30. Dezember 2015, 08:03

von Susanne Bauer

Polit-Pension: Gemeinderat Johann Fischer übergibt an Enkel. Nach 54 Jahren übergibt Gemeinderat Johann Fischer sein Amt in die Hände seines Enkels Lukas..

Gemeinderat Johann Fischer (r.) übergibt sein Amt an Lukas Fischer (l.), seinen Enkelsohn, der von Bürgermeister Matthias Hartmann in der letzten Gemeinderatssitzung angelobt wurde.  |  NOEN, Bauer

Stolze 54 Jahre gestaltete Johann Fischer die Geschicke der Gemeinde als Mandatar mit. Jetzt, mit beinahe 80 Jahren, entschied sich der Sozialdemokrat, das Amt in jüngere Hände zu legen, und zwar in die seines Enkels Lukas Fischer (25).

„Im Oktober 1961 wurde ich 24 Jahre alt, war somit wahlberechtigt. Bereits im November wurde ich als Gemeinderat angelobt und löste meinen Vater ab.“ Zu dieser Zeit war vom jetzigen Gemeinderat kaum ein Mandatar auf der Welt. Damals bestand der Gemeinderat aus nur 13 Mandataren und der Besprechungsraum war gerade 18 Quadratmeter groß.

„Die Politik hat sich verändert und ist weitaus
toleranter geworden als zu meinen Anfangszeiten.“
Urgestein Fischer über den Wandel der Politik.

In den Jahrzehnten als Gemeinderat hat Fischer viele Höhen und Tiefen in der Gemeinde miterlebt: So wurde 1973 Unterstinkenbrunn mit der Gemeinde Gaubitsch (zwangs)zusammengelegt, bis 1995 hieß die Gemeinde Gartenbrunn. In dieser Zeit versuchte Fischer, sein Unterstinkenbrunn gut zu vertreten und bewirkte, dass ein neues Gemeindeamt gebaut wurde und es schlussendlich wieder zur Trennung der Gemeinden kam.

Fünf Bürgermeister hat er miterlebt: Matthias Hartmann, Franz Hofbauer, Walter Öfferl, Josef Koudela und der jetzige Matthias Hartmann, der Enkel seines ersten Bürgermeisters. Einmal kandidierte Fischer für den Landtag, bekam von Seiten des ÖGB, der AK und der SPÖ verschiedene Auszeichnungen.

Auf die Viktor Adler Plakette, die ihm 2007 überreicht wurde, ist er sehr stolz. Eine besondere Auszeichnung erhielt er zum Abschied von der Gemeinde: Als erstem Bürger überreichte ihm Hartmann den Ehrenring der Gemeinde Unterstinkenbrunn in Gold, auf dem das Gemeindewappen zu sehen ist.

Guter Rat: „Mach‘ es wie der Opa“

Seine Nachfolge im Gemeinderat tritt nun sein Enkel Lukas Fischer an. Diesem rät sein Großvater, dass er sich um die Jugend in dem kleinen Ort kümmern soll. „Die Politik hat sich verändert und ist weitaus toleranter geworden als zu meinen Anfangszeiten“, freut sich der pensionierte Angestellte des Telegrafenbauamtes.

Aus den Reihen der hochrangigen SPÖ-Politiker Karin Renner und Melanie Erasim, die zur Gemeinderatssitzung mit Festakt gekommen waren, kam der Wunsch an den Neo-Gemeinderat: „Mach‘ es wie der Opa!“ Ob Lukas Fischer auch so lange Gemeinderat bleiben wird wie sein Großvater? Da will sich der junge Mandatar noch nicht festlegen.


Interview mit Johann Fischer

NÖN: Warum haben Sie so lange im Gemeinderat mitgearbeitet?

Johann Fischer: Es war eine sehr interessante Tätigkeit und ich konnte auch einiges bewegen.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Fischer: Ich habe mitgewirkt, dass Unterstinkenbrunn wieder eine eigenständige Gemeinde wurde. Für den Bau des neuen Gemeindeamtes und den Rückkauf des Kindergartens habe ich mich eingesetzt.

Ist Ihnen eine Wahl besonders in Erinnerung geblieben?

Fischer: Die Wahl 1990, wo die ÖVP aufgrund von zu kleinen Stimmzetteln dann fünf Jahre nicht im Gemeinderat vertreten war.

Was würden Sie sich noch für Unterstinkenbrunn wünschen?

Fischer: Ein neues Feuerwehrhaus und die Errichtung des geplanten Windparkes.