Wolkersdorf im Weinviertel , Großebersdorf

Erstellt am 20. Oktober 2016, 02:25

von Benjamin Schlöglhofer

„So etwas sollte nicht passieren“. Einige Großebersdorfer erhielten fast eine Woche lang keine Post. Die Wogen gingen hoch.

Das Verteilerzentrum in Wolkersdorf hat nicht erst seit Kurzem ein Personalproblem. Der Standort ist unterbesetzt, die Mitarbeiter stark belastet.  |  NOEN, Benjamin Schlöglhofer

Die Post bringt allen was – außer in der Region um Wolkersdorf. Durch Krankenstände und chronische Unterbesetzung bei den Fahrern, die sich seit Jahren verschärft, brach die Auslieferung vor zwei Wochen teils völlig zusammen.

Sechs Krankenstände und mehrere Urlaube bei den Postauslieferern im Verteilerzentrum Wolkersdorf sorgten für extreme Verzögerungen bei der Zustellung. Am schlimmsten traf es Großebersdorf und seine Katastralgemeinden. Georg Hoffinger, Bürgermeister der Gemeinde Großebersdorf, erzählt: „Viele Leute kamen zum Gemeindeamt und beschwerten sich. Manche sagten, sie hätten seit Tagen keine Post bekommen.“ Der Pressesprecher der Post, Michael Homola, bestätigt das: „Es hat sich mancherorts verzögert. Dass die Leute eine Woche lang keine Post bekamen, stimmt aber nicht.“

Fakt ist: In den Katastralgemeinden Putzing und Manhartsbrunn ist die Post tagelang ausgeblieben. „Da waren auch Menschen dabei, die auf ihre ärztlichen Befunde gewartet haben“, berichtet Hoffinger.

RSA-Briefe, Ladungen kamen zu spät

Am Gemeindeamt ärgerte man sich über die nicht zeitgerechte Zustellung von RSA-Briefen, etwa Einladungen zu Bauverhandlungen.

Die Post hat die Situation scheinbar wieder im Griff. Am Gemeindeamt Großebersdorf läuft wieder alles rund. Verwundert ist Hoffinger trotzdem über die Organisation der Post: „So etwas sollte nicht passieren.“ Pressesprecher Homola: „Wir haben für solche Situationen Springer. Einer wurde zur Unterstützung der Kollegen von Korneuburg in die Region geschickt.“

Georg Hoffinger, Bürgermeister von Großebersdorf, ärgert sich über die Post.  |  NOEN, zVg

Die anderen Postauslieferer vor Ort übernahmen zusätzlich zu ihren Touren bestimmte Gebiete. Aber für sechs Krankenstände habe die Post nicht genug Personalreserven. „Auch die müssen ökonomisch sein. Uferlose Reserven machen keinen Sinn“, so Homola. Ein Unternehmen wie die Post mit 24.000 Mitarbeitern hat nicht mehr als einen Springer zur Verfügung?

Wirtschaftlichkeit ist auch im Verteilerzentrum Wolkersdorf oberste Prämisse. Dort wird seit Jahren Personal eingespart. Erst im Sommer wurden zwei Auslieferertouren aufgelöst und auf andere verteilt.

Zwei Zusteller sollen im Vorruhestand sein. Sie sitzen auf Planstellen, sind aber bei Weitem nicht in vollem Einsatz. Die regulären Fahrer müssen mehr Arbeit stemmen als vorgesehen. Zehn Stunden sind die Regel. Die Situation führt bereits zu ersten Kündigungen.

Im Detail

  • Das Verteilerzentrum der Post ist im Eco+ Wirtschaftspark Wolkersdorf angesiedelt.
  • Es beliefert 15 Gemeinden in der Region.
  • 44 Zusteller liefern von dort aus Post.