Poysdorf

Erstellt am 28. Juni 2016, 10:48

von Werner Kraus

2100 dominieren die Roten. Zum Veltlinersymposium im Poysdorfer Reichensteinhof konnte Tourismusobmann Wolfgang Rieder den gebürtigen Walterskirchner Harald Rieder, einen der weltweit bedeutendsten Klimaforscher, begrüßen.

„Die Wetterkapriolen der letzten Jahre kann niemand mehr leugnen. Hagel, Frost, aber auch extreme Hitze schwächen uns in der Landwirtschaft, aber in Folge auch im Tourismus“, betonte der Tourismusobmann. Er ging auch darauf ein, dass derzeit täglich 22,5 Hektar Ackerland verbaut werden. Noch dazu sind die Österreicher dabei Weltmeister. „Wenn wir so weitermachen, haben die Generationen nach uns in 200 Jahren kein Ackerland mehr!“

In den letzten drei Jahrzehnten ist die Erdoberfläche sukzessive wärmer geworden, als in allen vorangegangenen Jahren seit 1850 zusammen. „In der Nordhemisphäre waren 1983 bis 2012 sogar die wärmsten Jahre der letzten 1400 Jahre“, betonte Harald Rieder.

„Die Prognose für die Zukunft sagt uns eine Erwärmung zwischen zwei Grad im positiven und vier Grad im negativen Fall voraus. Diese vier Grad treten ein, wenn wir wie bisher bis 2100 weitermachen!“, hob Rieder hervor.
Auch die Niederschläge zeigen beim pessimistischen Szenario Unterschiede von 50 Prozent. Trockene Gebiete werden trockener, Feuchte auch wieder feuchter. Gerade Ostösterreich wird von tropischen Tagen und Nächten stark betroffen sein, man rechnet bis 2100 mit 30 bis 50 Tagen pro Jahr. Die Frosttage nehmen in dieser Zeit deutlich ab.

„Die klimatische Eignung geht bis Ende des 21. Jahrhunderts aus Temperatursicht immer mehr in Richtung Rotwein.“

Klimaforscher Harald Rieder über die Weinzukunft Poysdorfs

Klimaforscher Rieder ging auch konkret auf die Region Poysdorf und den Weinbau ein: Das Lesedatum hat sich vorverlagert, die Zeit der Blüte rückt nach vorne, die Säure nimmt ab und gegenläufig entwickeln sich die Mostgrade aufwärts. Die klimatische Eignung geht bis Ende des 21. Jahrhunderts aus Temperatursicht immer mehr in Richtung Rotwein. Nach dem Wärmeindex würde man in diesem Jahrhundert bis hinauf nach Skandinavien Wein auspflanzen können, hob Rieder hervor.

Mit den Naturkatastrophen im Weinbau beschäftigte sich auch Josef Kaltenböck, der Landesleiter der Hagelversicherung: „Der Winzer hat seine Werkstätte unter freiem Himmel und da ist es wichtig das Risiko zur reduzieren. Land und Bund unterstützen dies und ermöglichen auch leistbare Prämien.“

Erich Schreiber von der Vinothek Wino ging auf den Grünen Veltliner ein und hob die Vorzüge des Weinviertels für diese Sorte hervor. Sein Hauptpart war aber die anschließende Weinverkostung, bei der die besten Veltliner des Weinviertels mit einigen Vertretern umliegender Regionen im Vergleich verkostet werden konnten.