Poysdorf

Erstellt am 13. Juni 2017, 13:57

Klezmer Orchester: Tauchgang in die Geschichte. Das Klezmer Orchester begeisterte mit seiner Musik, Martin Neid mit seinen Geschichten zum jüdischen Weinviertel und Ida Olga Höfler mit den Fakten dazu.

Ein breites musikalisches Spektrum von Streichern über Harfe, Akkordeon bis hin zum Saxofon umfasst das 60-köpfige Klezmer Orchester, das einzige und größte der Welt, wie Roman Grinberg bei seiner Einführung im Kolpinghaus Poysdorf berichtete.

Das Orchester beschäftigt sich mit der jüdischen Klezmermusik und ist in dieser großen Orchesterbesetzung weltweit einzigartig, alles andere sind keine Kletzmerensembles. Mit dabei war auch ein Vocalensemble, das mit großartigen Stimmen die Musik des Orchesters wunderbar ergänzte.

Sasha Danilov leitet das Orchester, Roman Grinberg sorgte für die Harmonie im Vocalensemble. Egal ob sanfte Melodien oder mitreißende Lieder mit voller Kraft, dem Klezmer Orchester gelang es sehr schnell, die zahlreichen Besucher im Kolpinghaus für die Musik zu begeistern.

Ein großes Dankeschön sagte Roman Grinberg an Kulturstadträtin Gudrun Tindl-Habitzl, die sich um die Organisation des Konzerts kümmerte. Sie hatte das Projekt auch beim Viertelfestival unter dem Titel „Jüdisches im Weinviertel“ eingereicht. Gudrun Tindl-Habitzl spielt gemeinsam mit ihrer Freundin Elisabeth Erger seit einem Jahr mit dem Akkordeon im Klezmerorchester mit.

Ergänzt wurde das Programm durch Martin Neid mit jüdischen Geschichten und durch Ida Olga Höfler mit Geschichtlichem rund um die Juden im Weinviertel.

Ida Olga Höfler ist die wohl profundeste Kennerin der jüdischen Geschichte des Weinviertels. Sie berichtete, dass auch die Fürsten Liechtenstein immer wieder Juden in ihren Herrschaftsbereich aufnahmen. In der Regel kamen sie aber erst nach der Revolution 1848 aus den angrenzenden Bezirken Nikolsburg und Lundenburg.

 

Die Juden in Poysdorf

  • In Poysdorf selbst sind Juden seit 1860 nachweisbar. Joachim war 1861 erster jüdischer Hausbesitzer am Dreifaltigkeitsplatz.
  • 1880 waren 2,9 Prozent der Bevölkerung jüdisch, 1934 nur mehr 1,2 Prozent.
  • 1938 hatten nur mehr 34 jüdische Personen ihren ordentlichen Wohnsitz in Poysdorf.
  • Im Weinviertel gab es fünf Kultusgemeinden. In Mistelbach, Hollabrunn, Stockerau, Gänserndorf und Großenzersdorf. In Orten wie Poysdorf stellten jüdische Bewohner Räume für Bethäuser zur Verfügung.
  • So war das erste Bethaus bei Familie Glaser am Dreifaltigkeitsplatz. Später bei Familie Basch am Josefsplatz.
  • Ida Olga Höfler hat 1.500 Arisierungsakte durchgearbeitet und daraus ihr reiches Wissen über die schweren Zeiten der jüdischen Bevölkerung gesammelt.
  • Der 41 Jahre sehr erfolgreich in Poysdorf wirkende Rechtsanwalt Dr. Samuel Stern war der letzte Jude, der Poysdorf nicht freiwillig verlies. Und so wurde im Laaer Boten berichtet, dass mit 25. November 1938 „Poysdorf judenrein sei“, erzählte Ida Olga Höfler.