Erstellt am 04. November 2015, 05:02

von Jutta Hahslinger

Mordversuch an Kind: Zehn Jahre Gefängnis. Mit ihrem und dem Tod der gemeinsamen Tochter wollte eine 34-Jährige Ex-Mann strafen: Sie versuchte, Neunjährige zu ersticken.

Verteidigerin Kristina Venturini (l.) und Anwaltskollege Michael Leibel plädierten für Nadja S. (von hinten) auf versuchten Totschlag. Die Geschworenen befanden aber mit 7:1 Stimmen auf Mordversuch.  |  NOEN, Hahslinger

„Ich wollte sie nicht alleine zurücklassen“, sagt die 34-Jährige aus Poysdorf unter Tränen und beteuert: „Ich liebe Kinder und vor allem meine Tochter. Ich wollte sie nur vor dem Vater beschützen.“

Um das Kind vor weiteren Enttäuschungen zu bewahren, habe sie die Neunjährige nach Verabreichung eines einschläfernden Saftes mit einem Polster ersticken und dann selbst mit Tabletten aus dem Leben scheiden wollen, sagt sie und schluchzt: „Ich konnte einfach nicht mehr.“

„Mama, was machst du? Ich bekomm‘ keine Luft“

Sie verfasste einen Abschiedsbrief und schritt nach dem Besuch einer Therme am 26. Mai dieses Jahres in den Abendstunden zur schrecklichen Tat: „Mama, was machst du? Ich bekomme keine Luft“, wehrte sich das Mädchen und holte Hilfe, als die Mutter schließlich bewusstlos wegsackte.

Die Poysdorferin verantwortet sich vor Gericht mit versuchtem Totschlag, sie will keinen Mordversuch begangen haben. „Der Abschiedsbrief ist in Wahrheit eine seitenlange Abrechnung mit dem Ex-Mann – die Tochter ganz zum Schluss nur ein Randthema“, kommt es scharf von Anklägerin Gudrun Bischof und sie zitiert aus dem Schreiben: „Er wird alles irgendwann erkennen, nur dann ist es zu spät. Und meine Genugtuung ist, dass er dann leiden wird. Und ich hoffe, er hat Schmerzen, wie ich und unser Kind sie erleiden mussten.“

Staatsanwältin Gudrun Bischof sieht in der Tat einen versuchten Mord und sieben von acht Geschworenen befinden ebenso: Nadja S. wird zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.