Poysdorf

Erstellt am 27. Juli 2016, 05:00

von Werner Kraus und Sandra Frank

Schlepper gingen ins Netz. Salzburger Polizei und Bundeskriminalamt gelang ein großer Schlag gegen internationale Schlepperbande. Ein Aufgriff ging in Poysdorf über die Bühne.

 |  NOEN, APA

„Die Polizei in Zivil hat einen Mann am Boden fixiert“, berichtete ein NÖN-Leser vergangenen Donnerstag. Die Exekutive hüllte sich in Schweigen, was da in Poysdorf geschah, unterlag offenbar strengster Geheimhaltung.

Kastenwagen wurde gestoppt

Warum weder die Poysdorfer Polizei noch der Landespolizeidienst NÖ etwas zu diesem Vorfall sagen konnten, wurde dann doch geklärt: Die beiden waren an diesem Aufgriff nicht beteiligt. Dem Bundeskriminalamt und dem Landeskriminalamt Salzburg gelang vergangene Woche ein Schlag gegen eine internationale Schlepperbande. Poysdorf war lediglich der Schauplatz.

Was war passiert? Ein unscheinbar aussehender Fiat Kastenwagen mit Amstettner Kennzeichen fuhr in Poysdorf. Dieser wurde plötzlich von mehreren Audis umzingelt, die kurz vorher ihr mobiles Blaulicht aufs Dach setzten.

Passanten glaubten an Herzinfarkt des Fahrers

Der Mann wurde am Dreifaltigkeitsplatz überwältigt. Die Kriminalbeamten nützten den Moment des Staus vor der Ampel, um zugreifen zu können. Es war ein kurzer Schrei zu hören. „Umstehende Passanten glaubten, dass vielleicht einer der Autofahrer einen Herzinfarkt oder Ähnliches hatte, dabei war es der Polizeizugriff“, berichtet ein Augenzeuge.

Die Polizisten brachten den Mann auf den Parkplatz der Sparkasse hinter dem Buswartehäuschen, stellten das Fahrzeug zur Seite auf die Bushaltestelle, um den Verkehr nicht weiter zu blockieren. Der Mann wurde am Parkplatz durchsucht und fixiert. Die Polizisten waren durch ein gelbes Polizeiband am Arm zu erkennen und sie hatten Schutzhauben über den Kopf.

In der Zwischenzeit kamen auch die von der Bevölkerung gerufenen Poysdorfer Polizeibeamten, der überführte Mann wurde auf die Polizeiinspektion Poysdorf gebracht und dort weiter verhört.

Die Nachrichtensperre wurde am Donnerstag deswegen verhängt, weil gleichzeitig mehrere Zugriffe in ganz Österreich stattgefunden haben. Erst am Montag, bei einer Pressekonferenz im Landeskriminalamt Salzburg, wurde aufgeklärt: Ein Sondereinsatzkommando griff am Donnerstag in Poysdorf und Oberösterreich sieben Verdächtige auf. Sie gehören zu einem Schlepperring, dem die Polizei seit September 2015 auf der Spur ist. 17 mutmaßliche Mitglieder – die 1.000 Menschen geschmuggelt haben – konnte die Polizei seitdem verhaften.