Erstellt am 29. Oktober 2015, 00:02

von Carina Rambauske

"Das Level ist sehr hoch!". Sechs Tage feinster Puppenspielkunst: Neuerungen sowie Alt-Bewährtes machten das Festival zum Erfolg.

Im Rahmen der Eröffnung wurde der Publikumspreis 2014 an das Figurentheater Ernst Heiter verliehen. Im Bild: Intendantin Cordula Nossek, Puppenspieler Frank Hirrich und Katharina Sell, Bürgermeister Alfred Pohl und Landesrat Karl Wilfing.  |  NOEN, Carina Rambauske

„Unser Publikum ist schon sehr verwöhnt. Das Level, das wir hier in Mistelbach haben, ist sehr hoch!“, meint Cordula Nossek am letzten Festivaltag der 37. Internationalen Puppentheatertage mit einem Augenzwinkern.

Inszenierungen wie „Puppen sterben besser“ von Florian Feisel, „I love you when you‘re breathing“ der Handspring Puppet Company aus Südafrika oder die „Odyssee – ein Schiff auf Wellen“ der französischen Compagnie Philippe Genty haben begeistert und wieder gezeigt, wie vielfältig die Welt des Puppen-, Objekt- und Figurentheaters ist.

„Wir haben großes Lob gehört“, resümiert Nossek mit ihrem „Dream-Team“ Teresa Mattes und Helene Berthiller vom Kulturamt. „Man braucht einen Apparat, der funktioniert, um so ein Festival so reibungslos über die Bühne zu bringen und das ist mit diesem Team kein Problem. Wir sind wirklich super zusammen gewachsen“, lobt die Intendantin die Zusammenarbeit.

„Ein Stück in einer anderen Sprache
zu spielen ist eine ganz andere Sache
und verliert auch seinen Charme.“
Intendantin Cordula Nossek 

Viele Stammgäste, auch wieder Puppenspieler aus ganz Österreich, seien gerne gekommen und von der Vielfalt und der Internationalität des Programms begeistert gewesen. Das neue Festivalsujet – die Figur „Miminko“ – punktete ebenso wie die Übertitelung bei fremdsprachigen Inszenierungen. „Ein Stück in einer anderen Sprache zu spielen ist eine ganz andere Sache und verliert auch seinen Charme. Deshalb haben wir uns entschieden, die jeweilige deutsche Übersetzung an die Wand zu projizieren“, erklärt die Intendantin. Sie ist froh darüber, dass diese Lösung vom Publikum sehr geschätzt wurde.

Auch einige aus der Partnerstadt Neumarkt waren unter den Festivalgästen. Sie nutzten das Exklusivangebot „KulturGenuss in Mistelbach“, ein durchgeplantes Wochenende, das neben den Puppentheatertagen auch Museumsbesuch, Weinverkostung, Nachtwächterführung etc. beinhaltete. „Da es so gut angekommen ist, werden wir das in Zukunft auf jeden Fall noch ausbauen“, kündigt Teresa Mattes an. Ziel für die Zukunft müsse sein, das Festival kulturtouristisch noch mehr auszubauen und Werbemaßnahmen und Vernetzung mehr voranzutreiben.

Die Kasperliade, der traditionelle Familientag am 26. Oktober, wurde in diesem Jahr zum „Familienfest“: „Damit von vornherein nicht zu sehr auf den Kasperl eingeengt wird. Natürlich werde ich Kasperlstücke nie weglassen, aber es gibt wirklich nur ausgewählte, gute Stücke zu sehen“, erklärt die Intendantin.

Die Einengung der Vorstellung, Puppentheater sei nur für Kinder und dass einige Puppentheater lediglich nur mit dem Kasperl assoziieren, ist und bleibt weiterhin Thema. Die theaterpädagogische Vor- und Nachbereitung für Schüler ist eine der Maßnahmen, mit der die Intendantin dem entgegenzusetzen versucht – mit Erfolg: „Die Schüler reagieren sehr gut darauf“, weiß Nossek.

„Die Qualität liegt in der Verwandlung“

Entgegen der internationalen Tendenz, Stücke sehr abstrakt und teilweise schon abgehoben zu inszenieren, möchte Cordula Nossek auch für die Festivalgestaltung in den nächsten Jahren am Boden bleiben und die Verbindung zwischen Tradition und Moderne bewahren. Letztere als Drahtseilakt, wie weit man gehen kann, um dennoch den Nerv des Publikums zu treffen.

„Die Qualität des Puppenspiels liegt in der Verwandlung der Gegenstände. Diese ist nicht nur voller Disziplin und Fantasie, sondern muss dramaturgisch gedacht, modern, kommunikativ und verspielt sein. Es ist eine Form des Theaters, die viele verschiedene Ebenen bespielt“, so die Intendantin.


Puppenaufführung der BAKIP-Schülerinnen

Was passiert, wenn man seine Nase in alles reinsteckt? Sechs Schülerinnen der BAKIP gaben die Antwort: Gemeinsam mit Helena Kramar erarbeiteten sie für die Puppentage die Geschichte „Vom kleinen, neugierigen Elefanten“:

Mit Liedern, die die Kindergartenkinder als Zielgruppe kennen, mit süßen Tierfiguren und mit Interaktion mit dem Publikum. „Diese Erfahrungen können wir dann auch im Job als Kindergärtnerin brauchen“, sind die Schülerinnen überzeugt.