Erstellt am 10. April 2016, 05:04

von Valerie Schmid

Regionales Wissen auf über 1.000 Seiten. In zwei Büchern hat Christa Jakob alle Artefakte in der Umgebung dokumentiert und ihren Hintergrund erforscht.

Die Autorin Christa Jakob mit den beiden Büchern über die Kulturdenkmäler in Mistelbach und Umgebung. Für drei Katastralgemeinden, darunter auch Eibesthal, ist es auch möglich, nur die betreffende Ausgabe für den jeweiligen Ort zu kaufen.  |  NOEN, Valerie Schmid

Über 100 Kleindenkmäler haben Mistelbach und die Katastralgemeinden zu bieten. Über 100 Kleindenkmäler haben Mistelbach und die Katastralgemeinden zu bieten. Im Zuge einer vierjährigen Recherche hat Christa Jakob versucht, möglichst viele davon in zwei Büchern zu dokumentieren. Darunter sogar solche, die schon lange nicht mehr stehen. Das besondere an Kleindenkmälern ist ihre Geschichte: „Kein Marterl steht ohne Grund auf einem Platz“, stellte Christa Jakob fest.

Kriege, Hunger, Todesfälle, Leid, Freude und Dankbarkeit wurden in den Artefakten ausgedrückt. Trotzdem ist das Phänomen kein globales, sondern etwas typisch Weinviertlerisches. Warum das so ist, konnte Jakob nicht gesichert feststellen. Eine Vermutung hat sie aber trotzdem: „Ich denke, es hat damit zu tun, dass das Weinviertel schon immer mit vielen feindlichen Einfällen aus dem Norden und Osten zu kämpfen hatte und viel Leid erfahren hat. Das spiegelt sich auch in den zahlreichen Türken- und Schwedenkreuzen wieder.“ Kreuze, die auf einen Todesfall hinweisen, findet man allerdings auch in den Bergen und anderswo.

Auf einem Seminar kam Jakob der Thematik näher – allerdings mit wenig anfänglicher Begeisterung. Nach und nach wurde ihr Interesse aber geweckt und sie blieb dran am Projekt.

Wiederentdeckung der Weinviertler Landschaft

Dank der Zusammenarbeit mit Heimatforschern und Josef Dienbauer, der fotografierte, sowie Heinz Eybel, der die Bücher grafisch gestaltete, arbeiteten sie sich nach und nach durch alle Gemeinden. Vier Jahre später sind nicht nur zwei Bücher fertig verfasst, sondern bei Christa Jakob hat sich auch ein gewisser „Marterlblick“ eingestellt, der sie überall nur mehr Marterl und deren Geschichten sehen lässt. 

Aber nicht nur die Leidenschaft für Marterl hat sie entdeckt, sondern auch eine neue Beziehung zum Weinviertel: „Es war für mich wie ein Aha-Moment. Plötzlich habe ich die Landschaft um mich herum ganz anders wahrgenommen und bin drauf gekommen, wie schön Mistelbachs Umgebung eigentlich ist und dass man die Ortsgemeinden viel zu wenig kennt.“

Auch zwei Lieblingsartefakte hat sie: Zum einen die „Totenleuchte“ in Mistelbach, die immer wieder umbenannt wurde, aber bis zum Sieg der Türken 1598 zurückgeht und der „Wamperte“ in Hörersdorf, von dem gesagt wird, er stamme gar aus der Römerzeit. Im Volksmund ist er bekannt unter dem Namen „Michel“ und Gerüchten zufolge kann er sogar kommunizieren.

Wer Lust auf Hintergrundwissen zu den Artefakten seiner Umgebung hat oder wen schon immer gewundert hat, was es mit einem bestimmten Relikt auf sich hat, der wird garantiert in einem der Bücher von Christa Jakob fündig und erlebt vielleicht sogar den einen oder anderen Aha-Moment.

Die Bücher liegen als Ansichtsexemplare beim Bürgerservice der Stadtgemeinde auf, wenn es genügend Bestellungen gibt, wird ein Druckauftrag erteilt.