Erstellt am 04. Juni 2016, 05:00

von Michael Pfabigan

Sehr Persönliches zu Flucht und Migration. ORF-Lady Susanne Scholl und Alt-Vize-Bundeskanzler Erhard Busek waren bei der Bewegung Mitmensch zu Gast.

Pfingstsymposium der Bewegung Mitmensch: Liedermacher Manfred Porsch, Sozialstadträtin Inge Pelzelmayer, Bewegung Mitmensch-Obmann Franz Schneider, Susanne Scholl, Liedermacher Heinz Stadelbacher, Erhard Busek und Reinhold Mehling.  |  NOEN, Michael Pfabigan

Wie aktuell das Thema des heurigen Pfingstsymposiums der Bewegung Mitmensch war, zeigte sich nicht nur darin, dass sich kurzfristig die inhaltliche Ausrichtung änderte: Geplant wäre am 24. Mai im Pfarrsaal gewesen, dass die ehemalige ORF-Korrespondentin Susanne Scholl und Alt-Vizekanzler Erhard Busek zum Thema „Zukunft Europa - Grenzen und Chancen“ sprechen.

Wenige Tage nach der Präsidentschafts-Stichwahl stand aber das Thema Migration und Flüchtlinge ganz oben im Interesse. Zumal beide Vortragende auch Flüchtlings- bzw. Migrationshintergründe in ihren Familien haben.

„Das Land ist gespalten? So ein Schmarrn! Ich habe 
nicht den Eindruck, dass auf den Straßen von 
Mistelbach die Leute jetzt separiert rumlaufen!“
Erhard Busek, Alt-Vizekanzler

„Ich verstehe jeden, der Angst hat: Wir kommen aus einer Zeit der Stabilität in eine Zeit der Unsicherheit“, sage Susanne Scholl: „Veränderungen sind immer mit Angst verbunden, keiner mag Veränderungen!“ Trotzdem hat sie kein Verständnis für den jetzt harten Kurs gegen Flüchtlinge in Österreich: „Früher hat man Menschen, die Leuten aus der Tschechoslowakei zur Flucht geholfen haben, Orden umgehängt. Heute sperren wir Flüchtlinge ein, die anderen Flüchtlingen helfen!“

Der Einwand von Landesrat Karl Wilfing - ein Förderer der Bewegung Mitmensch seit den Gründertagen -, dass an den Grenzen Personalia und Migrationsgrund überprüft werden müssen, führte zu einer heftigen Diskussion: Für Scholl ist es schwierig, zwischen Kriegs- und Nichtkriegsflüchtlingen zu unterscheiden: „Wer entscheidet, wo Krieg ist? Wenn Russland sagt, dass in Tschetschenien kein Krieg mehr ist, sind die Leute dort dann sicher?“

"Brauchen mehr wechselseitiges Verstehen"

Das Thema Flucht und Flüchtlinge dominierte auch Erhard Buseks Referat - auch die europäische Ebene des Problemes: „Wir müssen uns in Europa ein bisschen in den anderen hineindenken!“, sagte Busek: „Wir brauchen mehr wechselseitiges Verstehen!“ Grundsätzlich seien die Zäune an den Grenzen für den erklärten Europäer eine beschämende Maßnahme: „Ich erinnere mich noch, dass wir alle Kräfte aufgewendet haben, damit die Grenze nach Italien aufgemacht wird. Ich habe mich geniert, dass der italienische Staatspräsident appellieren musste, dass wir sie heute offen lassen!“

Ein wenig schwang bei diesem achten Pfingstsymposium auch die Trauer um Gründerin Maria Loley mit, die im Februar gestorben ist. Franz Riener, ein enger Freund, hatte ihr zwei Tage vor ihrem Tod noch das „Ave Maria“ auf seiner Geige vorgespielt. In Erinnerung an die Gründerin, spielte er auch beim Pfingstsymposium dieses, ihr Lieblingslied.