Laa an der Thaya

Erstellt am 25. August 2017, 05:00

von Michael Pfabigan

Protest gegen Blitz-Abschiebung in Laa. Flüchtlingshelfer wollten die Blitz-Abschiebung eines jungen Afghanen ins unsichere Afghanistan mit Aktion am Flughafen Schwechat verhindern.

Mit ihrer Aktion versuchten die Flüchtlingshelfer die Abschiebung Sharifs ins unsichere Afghanistan zu verhindern. Erfolglos.  |  zVg

„Welche Kommunikationswege sind noch sicher, werden wir abgehört?“ Bei denen, die sich um Flüchtlinge kümmern, macht sich Verunsicherung breit. Der jüngste, für sie traumatische Fall einer Abschiebung nach Afghanistan sorgt für Aufregung.

Sharif, ein in einer Flüchtlingswohngemeinschaft lebender junger Afghane, bekam am 11. August überraschenden Besuch von der Polizei. Aber nicht zuhause, sondern an seinem Arbeitsplatz am Bauhof Laa, wo er im Sommer ein Praktikum absolvierte. Zuvor hatte er die B1-Deutschprüfung abgelegt und die Vorbereitungsklasse in der Laa HAK absolviert. „Im Herbst hatte er einen Platz an der Mistelbacher HAS“, wissen die Flüchtlingshelfer der Bewegung Mitmensch.

Bescheid bereits zwei Mal abgelehnt

Half alles nichts: Der Asylbescheid war bereits zwei Mal abgelehnt worden, die Exekutive machte kurzen Prozess: „Die haben nicht mal fragen müssen, wo er ist. Die haben das sofort gewusst“, vermutet einer von der Bewegung Mitmensch eine Handyortung.

Er wurde in ein Polizeianhaltezentrum gebracht. Die Helfer aus Mistelbach mussten aufwendig recherchieren, bis sie Sharif im PAZ Hernals ausfindig machen konnten: „Das Handy wurde ihm abgenommen, er hatte keinen Kontakt zu seinem Anwalt“, berichten Helfer. Wie sollte er den erreichen? Es gebe ein Münz- und ein Wertkartentelefon, soll die lapidare Antwort des PAZ-Personals gelautet haben.

Helfer: "Kein sicheres Drittland"

Der Grund für die Aufregung liegt nicht so sehr an der Abschiebung an sich, sondern darin, dass für die Helfer Afghanistan kein sicheres Drittland ist und Sharif dort in Lebensgefahr schwebt. Eine entsprechende Petition der Bewegung Mitmensch, Abschiebungen in das unsichere Land zu stoppen, wurde vom Ministerium ignoriert.

Die Abschiebung erfolgte nur Tage danach. Eine von den Flüchtlingshelfern organisierte Aktion noch am Flughafen brachte nichts: Der Plan mit 20 Gleichgesinnten andere Fluggäste zu Zivilcourage aufzufordern und so einen Start der Turkish Airlines-Maschine zu verhindern, schlug fehl. „Ein Mitglied unserer Gruppe kaufte sich ein Ticket und kam an Bord“, berichtet eine Mistelbacher Aktivistin: „Sie blieb stehen, die anderen Passagiere machten aber nicht mit. Sie wurde dann von vier Beamten aus der Maschine geworfen.“

Was machte Sharif? Der zog den Kopf ein und resignierte. Denn ihm wurde mitgeteilt, sollte er sich auffällig benehmen, bekomme er eine lebenslange Einreisesperre. So bliebe wenigstens die Hoffnung, zurückkehren zu können.

Mittlerweile ist Sharif in Kabul angekommen. Ist er wenigstens mit der Familie zusammen? „Nein“, sagen Flüchtlingshelfer, die mit ihm telefonieren konnten: „Seine Mutter, die im Oktober 2016 bei einem Selbstmordattentat schwer verletzt wurde, ist in den Iran geflüchtet!“