Mistelbach

Erstellt am 25. August 2016, 05:00

von Michael Pfabigan

Mistelbachs Bürgermeister Alfred Pohl im Interview. Mistelbachs Bürgermeister Alfred Pohl (ÖVP) über eine Opposition mit Regierungsverantwortung, das Budget und die Lust am Bürgermeister sein.

 |  NOEN

NÖN: Wie würden Sie die derzeitige politische Lage in Mistelbach einschätzen?

Alfred Pohl: Ich denke, es existiert eine stabile politische Lage, wenngleich auch die Sorgen und oft unspezifischen Ängste der Menschen in Bezug auf die eigene Zukunft zu den Themen Asyl und die wirtschaftliche Situation Österreichs bzw. Europas deutlich erkennbar und ernst zu nehmen sind.

Es gibt Menschen, die sagen, dass es in Mistelbach keine Opposition gibt. Wie zahnlos ist die Opposition wirklich?

Pohl: In der Gemeindearbeit ist ja Opposition eigentlich nicht in der Art vorgesehen, wie z.B. im Bund, wo die Einen regieren, weil sie in Summe über 50 Prozent haben und die Anderen zuschauen. Die Stadträte und Ausschussvertreter ergeben sich ja nach d’Hondt aus den Stimmen für die einzelnen wahlwerbenden Gruppen.

„Engstirnigkeit und Selbstverliebtheit erlebt man natürlich öfters als vor sieben Jahren. Man könnte meinen, die Gesellschaft ist noch egoistischer geworden!“

Alfred Pohl, Bürgermeister in Mistelbach

Für Mistelbach bedeutet das, dass bis auf die NEOS alle Listen in allen Ausschüssen sind und entsprechend dieser Verteilung auch Stadträte – also in der Stadtregierung – stellen. Nachdem jeder Stadtrat für sein Ressort und die dort geleistete Arbeit verantwortlich ist und alle Beschlüsse zur Abstimmung dem Gremium Stadtrat vorgelegt werden müssen, stellen alle Parteien (mit Ausnahme der NEOS) „Regierungsmitglieder“.

Manche sagen, dass sich die ÖVP manchmal ihre eigene Opposition macht?

Pohl: Auch innerhalb der eigenen Fraktion gibt es zu vielen Themen unterschiedliche Meinungen. Von einzelnen Mitbewerbern kolportierte Vorurteile und die Realität triften da doch sehr auseinander.

In Mistelbach ist viel los? Das finden manche politisch überhaupt nicht. Warum geht in Mistelbach „nichts weiter“?

Pohl: Ich denke, dass in Mistelbach sehr viel weiter geht. Das finden auch viele Menschen, die Mistelbach bewusst als neuen Lebensmittelpunkt wählen.

Was werden die Herausforderungen im Herbst sein?

Pohl: Vernünftig und mit Augenmaß weiterarbeiten ist kontinuierliche Herausforderung. Wir wollen wieder ein Budget erstellen, das sparsam ist, aber nicht auf die Bedürfnisse der Menschen vergisst.

Nach sieben Jahren an der Spitze der Gemeinde: Wie viel Spaß macht Politik noch? Wie unterscheidet sich das Bürgermeisteramt von dem, das Sie sich erwartet haben, als Sie die Funktion angetreten haben?

Pohl: Seine Heimat mitzugestalten, Visionen für ein lebenswertes Mistelbach in die Wege zu leiten und bei der Umsetzung dabei zu sein, macht nach wie vor Freude. Engstirnigkeit und Selbstverliebtheit erlebt man natürlich auch und das doch öfters als vor sieben Jahren. Man könnte meinen, die Gesellschaft ist noch ein wenig egoistischer geworden. Hier gegenzusteuern und zu zeigen, dass wir zusammen mehr erreichen, sehe ich als eine meiner Aufgaben.