Erstellt am 22. Oktober 2015, 05:02

von Gerhard Brey

Stiftung Liechtenstein bietet Platz für Flüchtlinge. Die Stiftung Liechtenstein ist bereit, 40 Flüchtlingen sofort eine Unterkunft zu geben. Damit hätte Wilfersdorf das Plansoll erfüllt.

Infoabend zur Flüchtlings-Problematik: Geschäftsführender Gemeinderat und Vorsitzender der Volkshilfe Wilfersdorf, Hans Hager, Roswitha Pippan (Volkshilfe-Bereichsleiterin Flüchtlingsbetreuung), Christine Huber (Land Niederösterreich), Bürgermeister Josef Tatzber (Wilfersdorf).  |  NOEN, Brey

Die Volkshilfe Wilfersdorf lud zu einer aktuellen Info-Veranstaltung zu den Themen Asylsuchende, Flüchtlinge oder Migranten ein. Hans Hager, auch Vorsitzender der örtlichen Volkshilfe, hatte dazu Christine Huber von der Niederösterreichischen Landesregierung von der Abteilung Staatsbürgerschaft und Wahlen, die für Flüchtlingskoordination verantwortlich ist, und Roswitha Pippan, Bereichsleiterin Flüchtlingsbetreuung der Volkshilfe, eingeladen. Ebenso hat Bürgermeister Josef Tatzber teilgenommen, der zur neuen Situation Stellung nahm.

Zur Einstimmung gab es einen Film zum Thema Syrien, der die heutige Kriegssituation und die dadurch ausgelösten Flüchtlingswellen in die Nachbarländer und Europa präsentierte.

Tatzber: "Wilfersdorf ist gerüstet"

Dann nahm Hager zur rechtlichen Situation und zu den verschiedenen Beweggründen von Asylwerbern, die nach Österreich kommen, Stellung. Wichtig ist dabei die Unterscheidung, ob jemand aus wirtschaftlichen Gründen oder aus Gründen, wie sie in der Genfer Flüchtlingskonvention genannt werden, die von 149 Staaten weltweit unterzeichnet ist, in Österreich um Asyl ansucht. Asylwerbern, die aus Kriegsgebieten kommen, ist Asyl zu gewähren.

Zu den Kosten, die in Österreich entstehen, im Besonderen bei Betreuung in größeren Wohneinheiten, nahm Christine Huber Stellung. Es wurde betont, dass die Aufenthaltsdauer im Durchschnitt – bis zur Gewährung oder Ablehnung des Antrages – sechs bis acht Monate sein kann.

Bürgermeister Josef Tatzber informierte über den aktuellen Stand der Dinge in Wilfersdorf, denn einige Tage vor der Veranstaltung hat sich die Stiftung Liechtenstein bereit erklärt, in einem entsprechend adaptierten Wohnhaus am Zimmerplatz 40 Asylwerber sofort aufzunehmen. Die Betreuung erfolgt durch die Firma Holy, die entsprechende Erfahrung hat.

„Damit hätten wir als Gemeinde mit etwa zwei Prozent Anteil an der Bevölkerung unseren Beitrag sogar übererfüllt. 1,5 Prozent Asylwerber können vom Bund jeder Gemeinde zugewiesen werden. Was Schule und Kindergartenplätze betrifft, ist Wilfersdorf gerüstet“, so Tatzber.

Auch Ängste der Bürger wurden thematisiert

Bei der anschließenden Diskussion waren überwiegend positive Stimmen zu hören. Viele boten ihre Hilfe an oder fragten wo und wie sie helfen könnten. Ebenso hat sich Pfarrer Ernst Steindl als Ansprechpartner im Namen der Pfarre angeboten.

Allerdings gab es auch einige kritische Stimmen, die Bedenken und Ängste äußerten, wie: „Ich habe Angst, dass meine Tochter vergewaltigt wird“, oder „Das soll die EU regeln“, oder etwa „Bei uns gibt es auch arme Leute, denen zuerst geholfen werden soll“ und „Ich würde nie als Mann meine Familie zurücklassen“. Viele Männer kommen aber erst einmal alleine, um später die Familie nachzuholen, da für so eine schwierige Reise meist nur die jungen Männer einer Familie stark genug sind. Auch die Kosten, die Asylwerber verursachen, wurden diskutiert.

Trotzdem haben die positiven Wortmeldungen überwogen und die Aktion bot Raum, um Fragen und etwaige Bedenken bestmöglich zu klären.


Im Detail:

Vollversorgung der Asylwerber, wie in Wilfersdorf zutreffend:

  • Der Asylwerber erhält Frühstück, Mittag- und Abendessen

  • Der Quartiergeber erhält dafür 19 € pro Tag pro Person

  • Der Asylwerber erhält 40 € Taschengeld pro Monat

  • Die Leistungen der Grundversorgung: Unterbringung, Verpflegung, Taschengeld, Krankenversicherung, Information, Beratung, Betreuung, Transportkosten, Schülerfreifahrten, Bekleidung (150 € im Jahr), Schulbedarf (250 € im Jahr), Freizeitgestaltung (10 € im Monat).

  • Beschäftigung von Asylwerbern: kein freier Zugang zum Arbeitsmarkt.

  • Beschäftigungsbewilligung: Diese ist theoretisch nach drei Monaten für gewisse Branchen möglich, etwa für Erntehelfer im Ersatzbewilligungsverfahren, was aber sehr wenig vorkommt.

  • Gemeinnützige Arbeiten: Asylwerber können vom Quartierbetreiber ihrer Gemeinden, dem Land oder dem Bund für gemeinnützige Arbeiten beschäftigt werden, zum Beispiel für Schneeräumung, Straßenreinigung, usw. Dafür gibt es einen Anerkennungsbeitrag von 3,5 bis 5 € pro Stunde. Ab 120 € im Monat wird der Betrag auf die Grundversorgung angerechnet.

  • Versicherung: Asylwerber sind kranken-, aber nicht unfallversichert.