Erstellt am 07. Dezember 2015, 16:06

von Michael Pfabigan

Stressfrei oder Barbarei. Der Verein gegen Tierfabriken zeigte die Jäger im Jagdgatter der Stiftung Fürst Liechtenstein wegen Tierquälerei an, Jäger und Betreiber bestreiten das.

Geschlossene Gesellschaft: Der Jagdleiter schloss hinter sich das Jagdgatter der Stiftung Liechtenstein ab - eher um die Tierschützer des Vereines gegen Tierfabiken draußen zu halten, die die Vorfälle am Gatter genau dokumentierten.VGT  |  NOEN, Werner Kraus

Rehe, die in Panik gegen den Zaun laufen, Hirsche in Todesangst, Wildschweine mit Schaum vor dem Mund: Vor kurzem fand im Jagdgatter der Stiftung Fürst Liechtenstein in Hausbrunn eine Treibjagd statt, Aktivisten des Vereines gegen Tierfabriken (VGT) wollen dies alles beobachtet haben und brachten bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen des Verdachtes der Tierquälerei gegen die Jäger ein. Seitens der Stiftung Liechtenstein will man von Tierquälerei nichts wissen.

Die Jäger seien aus Wien, Waidhofen, Murau, Korneuburg, Krems, Leoben. Liezen, Gänserndorf und Güssing gekommen, sagt Martin Balluch, Obmann des VGT, der die Treibjagd im abgeschlossenen Jagdgatter mit Zeugen, Fotos und Videoaufnahmen dokumentierte. „Das Gatter ist vollständig von einem Zaun umschlossen, sodass die gefangenen Tiere nicht entkommen können“, beschreibt Balluch in der Strafanzeige. Und führt konkrete Beobachtungen an, die die Tierquälerei belegen sollen: „Gleich zu Beginn waren zwei Hirsche zu sehen, die mit vor angst hervorquellenden Augen keuchend im vollen Galopp den Zaun entlang liefen“, schildert Balluch: „Wenig später erschein an derselben Stelle ein Feldhase am Zaun, schaute in Todesangst um sich und lief dann wieder weiter!“

Weitere Beobachtungen: Ein Reh, das in Panik gegen den Zaun kracht und benommen liegen bleibt und Wildschweine, die in „totaler Panik hin und hier liefen. Der Schaum stand ihnen im Mund, sie keuchten schwer. Manche waren kaum noch in der Lage zu laufen!“, heißt es in der Strafanzeige.

Keine relevanten Tatbestände

Hans Jörg Damm, Direktor der Stiftung Fürst Liechtenstein, die das Jagdgatter an die Jäger verpachtet hat, glaubt nicht an strafrechtlich relevante Tatbestände rund um die Gatterjagd: „Der VGT hat uns schon mehrmals angezeigt, die Anzeigen wurden dann rasch zurückgewiesen!“ Es entspreche alles dem Gesetz.

Außerdem sei die Bewirtschaftung der Jagdgatter mit Treibjagden für das Wild stressfreier, als wenn während des gesamten Jahres der Wildbestand reguliert würde: „Dafür ist dann das ganze Jahr Ruhe“, sagt Damm. „Wenn man ein Gatter ordentlich und nach dem Gesetz bewirtschaftet, hat das Wild in einem umfriedeten Eigenjagdgebiet mehr Ruhe. Dort ist es nicht das ganze Jahr über dem Stress der Jagd ausgesetzt!“

„Martin Balluch habe halt ein grundsätzliches Problem mit der Jagd. Er fährt jetzt eine Kampagne gegen Jagdgatter und den Landesjagdverband mit allen erlauben und unerlaubten Mitteln“, sagt Damm weiter: „Das sind Hetzkampagnen gegen Menschen, die sich fast nicht wehren können!“

Jagd soll sportlich abgehalten werden

„Das ist eine Bewirtschaftungsform im gesetzlichen Rahmen“, sagt Bezirksjägermeister Gottfried Klinghofer. Schränkt aber sofort ein: „Ich selbst gehe in kein Jagdgatter!“ Warum? „Meiner Meinung nach sollte die Jagd möglichst sportlich abgehalten werden. Ein Umfriedetes Jagdgatter ist sicher nicht für das Verständnis für die Jagd in der Öffentlichkeit förderlich!“

Seit 1. September werden übrigens keine neuen Jagdgatter mehr vom Land genehmigt, der Gesetzgeber hat die Einrichtung von umfriedeten Eigenjagden untersagt. Allerdings dürfen bereits bestehende Anlagen weiter bewirtschaftet werden. Vergrößert dürfen sie nicht mehr werden.

Sind Gatterjagden Tierquälerei? Auch Klinghofer glaubt nicht daran, sofern sie im gesetzlichen Rahmen abgehalten werden: „Stress bedeuten sie schon, aber Quälerei ist es keine“, sagt der Bezirksjägermeister: „Aber es ist für den Hasen auch ein Stress, wenn ihm der Fuchs nachläuft. In der Natur gibt es grausame Kämpfe, ich glaube nicht, dass die Jäger grausamer sind, als die Natur!“

Balluch sei ein militanter Tierschützer: „Bei ihm hat manches Tier mehr Rechte, als ein Mensch!“