Erstellt am 04. November 2015, 05:02

von Susanne Bauer

Sitzungsabbruch. SP & FP verließen Saal. Die Opposition blockiert das Projekt, mit dem Land, AMS und die Gemeinde den Arbeitslosen unter die Arme greifen wollen. Bürgermeisterin ist verärgert.

Harald Neusser tritt bei der Stronsdorfer Premiere für die FPÖ an.  |  NOEN, zVg

Mit einem neuen Projekt in Zusammenarbeit mit dem Land NÖ, dem AMS und den Gemeinden könnten über 50-Jährige und Personen, die mindestens 182 Tage arbeitslos sind, für ein Jahr im Schulbereich und während der Ferien bei den Gemeinden als administrative Hilfskräfte in der Schulverwaltung eingesetzt werden.

Diese Jobs sind auf ein Jahr befristet, danach läuft das Arbeitsverhältnis aus. Das Gemeindebudget würde bei einer Vollzeitkraft mit 350 Euro monatlich belastet werden. Die restlichen Personalkosten übernehmen AMS und Land.

Über dieses Projekt informierte Bürgermeisterin Karin Gepperth (VP) bei der Gemeinderatssitzung. In Volksschule und Neuer Mittelschule bestehe Bedarf an einer Hilfskraft.

SP-Mandatar Harald Neusser konnte diesem Projekt nichts Positives abgewinnen und wetterte dagegen. Nach einer kurzen spontanen Absprache verließen SPÖ und FPÖ geschlossen den Sitzungssaal. Damit war der Gemeinderat nicht mehr beschlussfähig, der Punkt musste auf die nächste Sitzung verschoben werden.

Auf Nachfrage der NÖN argumentierte Neusser (SPÖ), dass diese Aktion für ihn eine politische Werbung auf Kosten der Allgemeinheit wäre, damit sich später die ÖVP rühmen könne, Arbeitsplätze geschaffen zu haben.

SP-Neusser: „Auszug war einzige Möglichkeit“

Doch für ihn seien dies keine „richtigen“ Arbeitsplätze, wenn diese Arbeitnehmer dann nach einem Jahr erst recht wieder arbeitslos wären. „Außerdem glaube ich nicht, dass jemand in der Schule gebraucht wird und schon gar nicht, dass jemand, der diese Kriterien erfüllt, gefunden wird. Darum war der Auszug unsere einzige Möglichkeit“, beton Neusser. „Im Bauhof wäre sicher sommers wie winters mehr Bedarf an einer zusätzlichen Arbeitskraft!“, fände er es sinnvoller, dort Arbeitsplätze zu schaffen.

Ähnlich sieht es auch sein Sohn Harald Neusser – Fraktionsführer der FPÖ. „Natürlich ist es auch im Sinne der FPÖ Stronsdorf, ältere arbeitslose Mitmenschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“ Projekte, die den Betroffenen helfen, würde seine Fraktion grundsätzlich unterstützen. „Im vorliegenden Fall ist dies jedoch unserer Meinung nach definitiv nicht gegeben. Seitens der Mittelschule/Volksschule besteht kein direkter Bedarf an einer administrativen Unterstützung.“

Auch für ihn ist die Befristung auf ein Jahr nicht sinnvoll, damit schaffe man keine Perspektiven. Er glaubt an „versteckte Wahlwerbung“ in Hinblick auf die Landtagswahlen 2018.

Der Auszug und die Verhinderung einer Abstimmung dieses Tagesordnungspunktes machen die Bürgermeisterin Karin Gepperth wütend und sprachlos.

„Wir sind für die Bürger verantwortlich“

„Nachdem wir einem historischen Arbeitslosenstand zuwandern, sollte jede Chance, einen Arbeitslosen weniger in der Gemeinde zu haben, genützt werden“, betont sie. „Ich hoffe sehr, dass keiner der Gemeinderäte, ihre Frauen oder Kinder einmal in die Lage kommen arbeitslos zu sein.“

Einen Termin für eine neue Sitzung gibt es noch nicht. Gepperth hofft aber, diesen Punkt mehrheitlich zu beschließen. „Als Gemeindevertreter sind wir für die Unterstützung unserer Bürger verantwortlich und sogar mehr als verpflichtet, Arbeitsplätze zu schaffen.“