Erstellt am 07. Oktober 2015, 06:02

von Claudia Busch

Engagiertem droht Klage. Ein engagierter Pensionist bietet seinen Mitbürgern die Abholung ihrer Medikamente von der Apotheke an. Die Apotheke Wolkersdorf droht mit Verleumdungsklage.

In Ulrichskirchen gibt es wegen der Nähe zu Wolkersdorf keine Hausapotheke. Patienten klagen, dass die verschriebenen Medikamente oft in der Wolkersdorfer Apotheke nicht lagernd sind. Gegen eine Initiative eines Ulrichskirchners wehrt sich aber die Apotheke.  |  NOEN, Bilderbox

Johann Plankenbüchler möchte sozial schwachen, nicht mehr mobilen Menschen bei der Besorgung ihrer Medikamente helfen – und das völlig kostenlos. Mit dem Rezept des Patienten würde er das Medikament abholen, um die Arznei dann dem Patienten auszuhändigen. Damit möchte er seinen Mitmenschen das Beziehen ihrer Medikamente von der Apotheke im Nachbarort Wolkersdorf erleichtern.

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Er kritisiert an der Dreifaltigkeitsapotheke Wolkersdorf, dass Medikamente häufig nicht lagernd seien und Bestellungen manchmal sogar anderen Patienten mitgegeben werden würden. „Somit sind zwei oder drei Apothekenbesuche zu organisieren – für die Bestellung und dann noch für die Abholung.“ Das bedeutet für nicht mobile Personen einen organisatorischen Aufwand, den ihnen Plankenbüchler abnehmen möchte.

Per Rundschreiben kündigte der Pensionist seine Initiative an. Als Antwort erhielt er zuerst eine mündliche, dann eine schriftliche Klagsandrohung von Seiten der Dreifaltigkeitsapotheke.

Eberhard Lux, Inhaber der Apotheke zur Heiligen Dreifaltigkeit, sagt dazu: „Herr Plankenbüchler ist rufschädigend und verstößt mit seiner Initiative gegen das Gesetz.“ Sein Anwalt, Andreas Luks, ergänzt, dass die angebotenen Leistungen, nämlich Patienten „mit den wichtigsten Medikamenten zu versorgen“, den „Dienst zur Medikamentenversorgung anbieten“ und dadurch „das Versorgungssystem der Apotheken in der Region auszugleichen“, einen klaren Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz darstellt.

„Es sind zwei oder drei Apothekenbesuche für 
ein Rezept zu organisieren – für die Bestellung 
und dann noch für die Abholung!“
Johann Plankenbüchler, engagierter 
Pensionist aus Ulrichskirchen

„Herr Lux meinte, ich darf keine Medikamente ausgeben. Aber das habe ich auch gar nicht vor“, stellt Plankenbüchler klar. Für nicht mobile Personen gilt, dass sie einen Verwandten oder sogar einen Taxilenker um die Abholung des Medikaments bitten dürfen. Plankenbüchler versteht nicht, warum also seine Initiative mit einer Klagsdrohung einhergeht. „Herr Plankenbüchler hat keine Ausbildung in die Richtung, dass er Medikamente ausgeben darf. Wer garantiert, dass er bei Sammelfahrten mit mehreren Rezepten den Patienten anschließend das richtige Medikament aushändigt?“, sagt Lux.

Von Seiten des Gemeindearztes in Ulrichskirchen erhält Pensionst Johann Plankenbüchler Unterstützung: „Ob der Patient oder Herr Plankenbüchler das Medikament holt, ist für die Apotheke eigentlich egal, sie verliert dadurch kein Geld“, so Iris Kaszelik, Arzthelferin von Dr. Harzer, Gemeindearzt in Ulrichskirchen.

In Arztpraxis sieht man Vorteil im Angebot

Durch die Nähe zu Wolkersdorf hat Ulrichskirchen keine Hausapotheke. „Die Apotheke in Wolkersdorf ist überlaufen, Medikamente sind oft nicht lagernd und müssen bestellt werden“, klagt Kaszelik. Für sie ist klar, dass die Privatinitiative für die Ulrichskirchner Patienten von großem Vorteil wäre. Für sie unverständlich ist aber, warum die Apothekerschaft das Engagement von Plankenbüchler nicht schätzt.

Lux fordert Plankenbüchler zur Unterlassung und zum Widerruf auf, um von „seinem gesetzeswidrigen Verhalten abzusehen“. Plankenbüchler will seine Initiative trotzdem starten: „Ich möchte es den Menschen erleichtern zu ihren Medikamenten zu kommen. Ihnen die mehrfachen Fahrten ersparen. Einer Klage gegen Verleumdung trete ich gelassen entgegen.“

Reaktionen zu Plankenbüchlers Imitative sind von den Bürgern und von Seiten des Gemeindearztes durchaus positiv. Kaszelik stellt klar: „Wir wollen keinen Krieg mit der Apotheke, wir wollen sie auch nicht schlechtmachen. Es geht einzig darum, die Patienten gut zu versorgen.“

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