Erstellt am 07. Oktober 2015, 05:02

von Petra Wiesmayr

Umbau: Rechnung ohne Wirt?. Im Zuge der jüngsten Gemeinderatssitzung der Stadtgemeinde Wolkersdorf wurde die Vergabe der Architektenleistungen für den Umbau und die Sanierung des Gasthauses in Obersdorf, Hauptstraße 56, besprochen.

Das Gemeindegasthaus in Obersdorf soll saniert werden, das künftige Nutzungskonzept wurde von den Vereinen selbst erstellt. Die Opposition sieht in der Vorgangsweise einen teuren Schnellschuss.  |  NOEN, zVg

Während der Wunsch der Dorfgemeinschaft nach dieser Sanierung völlig legitim und sinnvoll sei, kritisierte die unabhängige Bürgerliste MIT:uns ein weiteres Mal massiv die Vorgangsweise zur Entscheidungsfindung bei derartigen Großprojekten.

„Das mittlerweile symptomatische Muster aus einer kombinierten Verschleierungs- und Überrumpelungstaktik der Bürgermeisterin sucht erneut seinesgleichen: Keine 14 Tage vor der Gemeinderatssitzung taucht das Vorhaben aus dem Nichts im Bauausschuss auf. Nähere Informationen zur Entstehung, zu Gesamtkosten, Alternativen, Folgekosten und Nutzungsszenarien sind nicht verfügbar oder werden nur häppchenweise fallengelassen“, erklärt MIT:uns-Sprecher Richard Pleil.

Zur Vergabe der Architektenleistungen für den Umbau und die Sanierung des Gasthauses stellte MIT:uns einen Gegenantrag mit der Begründung, dass die Beauftragung eines Architekten für Planungs- und Bauaufsichtsleistungen zu früh sei, da die exakten Nutzungserfordernisse noch nicht klar definiert sind. Ein möglicher Pächter für das Gasthaus, das aufwendig umgebaut werden soll, sei nicht in Sichtweite. Eine Analyse der Eignung und Attraktivität des Standortes für den Betrieb eines Gastronomiebetriebs sei ebenfalls nicht in Betracht gezogen worden.

„Die im Voranschlag 2015 vorgesehenen und nun wieder gestrichenen Kosten für die Gasthaussanierung betrugen 690.000 €. Nach neuesten Schätzungen des Stadtamtes liegen die grob abgeschätzten Kosten bei nun 1,5 Mio. Euro, also mehr als doppelt so hoch und dies, obwohl der Dachstuhl gar nicht mitbearbeitet wird“, erklärt MIT:uns-Stadtrat Johannes Schwarzenberger.

Daher solle eine Machbarkeitsstudie erstellt werden. Diese soll Klärung für verschiedene Bauvarianten wie Neubau oder Sanierung des Objektes und auch die Einbeziehung des Nachbargebäudes, in dem die Polytechnische Schule untergebracht ist, bringen.

Die Schließung der Schule müsse aufgrund von Zusammenlegungen im Bezirk in Betracht gezogen werden. Die Verwertungsmöglichkeiten des Projektes sowie Darstellung einer Kosten/Nutzenanalyse und Einbindung in den Masterplan oder ein Standortentwicklungskonzept von Wolkersdorf sowie die Darstellung der Finanzierung werden im Gegenantrag, der von ÖVP und SPÖ abgelehnt wurde, verlangt.

Steindl: "Breiter Konsens innerhalb Ortsbevölkerung"

Der Auftrag zur Planung wurde an die Wehofer Architekten ZT GmbH vergeben, die in Kooperation mit den Obersdorfer Vereinen ein passendes Konzept erarbeiten wird. „Dieses Projekt ist ein erstes Produkt des ‚Obersdorfer Gestaltungsstammtisches‘ und der Vereinsvertreter im Dorferneuerungsverein, die in den vergangenen Jahren gemeinsam mit engagierten Gemeindevertretern zahlreiche Ideen für die zukünftige Entwicklung von Obersdorf hervorgebracht haben.

Durch die tatkräftige Beteiligung der Obersdorferinnen und Obersdorfer konnte für die künftige Nutzung des Gasthauses ein breiter Konsens innerhalb der Ortsbevölkerung erzielt werden, sodass wir aufgrund des Gemeinderatsbeschlusses jetzt in die Umsetzungsphase gehen können“, erläutert Bürgermeisterin Anna Steindl (ÖVP) den Einbindungsprozess der Bevölkerung in das gefasste Vorhaben.