Erstellt am 27. Juli 2016, 05:00

von Sandra Frank

Nach Anschlag in Nizza: „Ein mulmiges Gefühl“. Auf den ersten Blick ist Nizza wieder eine Touristenstadt. Auf den zweiten Blick sind bewaffnete Soldaten und Polizeipatrouillen auf der Promenade allgegenwärtig.

 |  Valentin Schmid

Die Bilder, wie ein Attentäter mit einem Lkw am französischen Nationalfeiertag durch die Menschenmenge auf der Promenade des Anglais fuhr und dabei über 80 Menschen tötete, sind noch nicht verblasst. Nur eine Woche später trat NÖN-Mitarbeiterin Valerie Schmid in der französischen Hafenstadt ihren Urlaub an.

„Wüsste man nichts von den Anschlägen, würde man auf den ersten Blick nichts Auffälliges entdecken“, erzählt Valerie Schmid über Nizza.

Der zweite Blick sehe anders aus: Alle paar Minuten marschieren Soldaten mit geladenen Maschinengewehren und kugelsicheren Westen an den Menschen vorbei, Polizeiwägen an Straßenecken werden zu einem gewohnten Anblick. „Die zahlreichen Blumensträuße und Stofftiere entlang der Promenade des Anglais und beim Memorial am Ende der Promenade sind nicht zu übersehen“, erzählt die NÖN-Mitarbeiterin, dass sich die Plätze in Gedenkstätten verwandelt haben.

„In Nizza ist man noch unter Schock“

„Ich habe mit dem Rezeptionisten in unserem Hotel über den Anschlag gesprochen. Er hat am 14. Juli gearbeitet“, erzählt die Mistelbacherin. Er habe den Eindruck, die Menschen seien sehr nervös, durch bewaffnete Soldaten und viele Kontrollen werde versucht, ein Gefühl der Sicherheit zu erzeugen. „In Nizza ist man noch unter Schock“, so der Rezeptionist.

Ein Gefühl der Sicherheit stellte sich bei Schmid nicht ein, als sie die Soldaten patrouillieren sah: „Die hohe Anzahl an bewaffneten Menschen löste bei mir eher ein mulmiges als ein beruhigendes Gefühl aus.“

„Taxifahrer zeigte uns Strecke des Attentäters“

Man habe stets vor Augen, wie angespannt die Lage wirklich sei. Das zeigte sich etwa, wenn Gepäcksstücke nur kurz unbeaufsichtigt irgendwo stehen blieben. „Es wurde sofort nachgefragt, wem sie gehören.“

„Einer unserer Taxifahrer hat auf der Promenade gearbeitet, als das Attentat losging“, traf Schmid einen Augenzeugen. Der Fahrer hätte bald gemerkt, dass es sich um keinen Unfall, sondern um eine gesteuerte Fahrt gehandelt habe.

Bewaffnete Soldaten mischen sich unter Touristen, seit dem 14. Juli ein alltäglicher Anblick in Nizza. Foto: Valerie Schmid
 
 |  Valerie Schmid

„Er hat uns genau gezeigt, wo die Fahrt begann, wo die Polizei das Fahrzeug aufhalten konnte und wo die Schießerei begann.“ Der Taxifahrer sowie der Rezeptionist hätten den Eindruck, dass seit dem Anschlag weniger Menschen auf der Promenade unterwegs seien. „Seit 25 Jahren ist er schon Taxifahrer in Nizza. Etwas Vergleichbares hat er noch nie miterlebt“, gibt Schmid wieder, was der Taxifahrer erzählte.

"Sobald man das Zentrum verlassen hat, ist alles ruhiger"

Auch wenn in Nizza bereits Normalität eingekehrt ist, die Anspannung steckt den Einheimischen und auch den Touristen noch in den Knochen, wie eine banale Situation am Flughafen zeigte: „Ein Verkäufer in einem Café hat immer sehr laut gerufen, wenn die Bestellung abholbereit war“, erinnert sich Schmid. Das habe die Menschen verschreckt, alle hätte aufgeschaut, weshalb hier geschrien wird. „Im ersten Moment erinnert das Schreien natürlich an etwas anderes ...“ Erst als klar war, dass es sich nur um einen Verkäufer handelte, habe sich die Lage entspannt.

„Sobald man das Zentrum oder den Flughafen verlassen hat, ist alles ruhiger. Denn außerhalb weist weniger auf die Anschläge der vergangenen Woche hin.“

Umfrage beendet

  • Nach Terror: Angst vor Auslandsurlaub?