Erstellt am 23. April 2016, 05:04

von Valerie Schmid

Vater der Liebe zum Weinviertel. Augenarzt Peter Kenyeres, 80, öffnete vielen die Augen für die Schönheiten des Landes.

Bis in die 1980er-Jahre galt das Weinviertel für viele als reizloses Hinterland von Wien, Mistelbach als Vorort der Großstadt. Peter Kenyeres öffnete vielen mit seinen Bildern die Augen.  |  NOEN

Sanfte Hügel. Kellergassen. Eine ruhige Atmosphäre. Das alles gibt es schon lange, das Bewusstsein für die Schönheit aber nicht. Dieses entstand erst in den letzten 30 Jahren. Einen wesentlichen Anteil daran hat der Mistelbacher Augenarzt Peter Kenyeres. Er feierte kürzlich seinen 80. Geburtstag.

Kenyeres hat sich seit seiner Niederlassung in Mistelbach mit der Schönheit des Weinviertels auseinandergesetzt und zur Bildung eines Kulturgefühls beigetragen. „So richtig sesshaft bin ich erst mit meinem Berufsantritt geworden. Ich habe das Weinviertel als anders, ruhig, harmonisch, aber auch unspannend empfunden. Hier habe ich genießen gelernt“, so Kenyeres.

„Die Landschaft hat eine Ohrfeige 
nach der anderen bekommen!“
Peter Kenyeres

Dieses „positive Bild“ wollte er weitergeben. Auch, weil das Gefühl darüber größtenteils nicht von den Weinviertlern geteilt wurde. „Die Leute waren eher uninteressiert, haben die Gegend als wertlos angesehen.“ Den Begriff „Wiener Provinzvorort“ hörte man oft für Mistelbach.

Die ersten Projekte waren eine Fotoausstellung 1980 und ein Foto-Wettbewerb zum Thema „Das Weinviertel“, dessen Bilder sogar im NÖ Landesmuseum in Wien gezeigt wurden. Aus der Foto-Ausstellung entstand von da an die Schriftenreihe „Das Weinviertel“.

Wesentlicher Beitrag zum Weinviertel-Image

Neben Werken wie „Künstler im Weinviertel“ (Heft 6), „Ortsbild im Weinviertel“ (Heft 2), „Weinviertel im Wandel - Poesie und Wirklichkeit einer Landschaft“ (Heft 9) war vor allem „Kultur der Kellergasse“ ein großer Erfolg. „Über 10.000 Exemplare haben wir verkauft. Das Buch hat am meisten etwas weitergebracht“, so Kenyeres.

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„Diese Schriftenreihe hat sehr wesentlich zum Ansehen des Weinviertels beigetragen und zu einem zunehmenden Selbstwertgefühl der Bevölkerung geführt“, so Peter Janner, einer der Mitstreiter Kenyeres, über die Werke. Wo die Kellergassen früher unterschätzte und weniger bekannte Gebilde waren, stehen sie heute unter Ensembleschutz und Kellergassenführer „entführen“ jährlich hunderte Menschen in die dunklen Kellerröhren. 

Sogar eigene zertifizierte Kellergassenführer werden dafür ausgebildet! „Die Dörfer ohne Rauchfang“ werden mittlerweile als „Wahrzeichen des Weinviertels“ geführt. Sie sind Kenyeres Hauptanliegen und sein schönster Erfolg.

Die 1982 entstandene Aktion M war der Vorläufer des jetzigen Kulturbundes. Die Aktion kümmerte sich hauptsächlich um das vernachlässigte Barockschlössl in der Museumsgasse und füllte dessen schmucke Räume mit zahlreichen Ausstellungen regionaler und nationaler Künstler. „Wir haben das Schlössl von der Gemeinde übernommen und dem damaligen Bürgermeister Freibauer war es sehr recht, dass dort etwas passiert. Manchen hat die ausgestellte moderne Kunst dort halt nicht so gut gefallen.“

"Wo Wirtschaft profitiert, leidet die Schönheit"

Gemeinsam mit der grafischen Unterstützung von Ferdinand Altmann, dem geschäftlichen Know-how von Peter Janner und dem Fachwissen von Manfred Jasser bildete sich ein gut eingespieltes Team.

Aus finanziellen Gründen wurde „Das Weinviertel“ nach ungefähr zehn Heften eingestellt. 1993 allerdings kam eine neue Form der Schriftführung: „Die Kulturnachrichten aus dem Weinviertel“, ein Magazin über Kunst, Kultur und Umwelt, grafisch edel gestaltet.

Trotz des gesteigerten Bewusstseins hat sich die Landschaft zum Negativen gewandelt, so Kenyeres. „Die Landschaft hat eine Ohrfeige nach der anderen bekommen. Die Natur ist nun nichts Einmaliges mehr“, findet er. Die Windräder überall seien von einem ganz anderen Charakteristikum als das, was das Weinviertel früher ausgezeichnet hätte: „Die Ruhe ist verloren gegangen. Wo die Wirtschaft profitiert, leiden die Schönheit und die Harmonie!“