Erstellt am 22. Februar 2016, 14:27

von Claudia Busch

Vater endlich gefunden. Der Hautzendorfer Walter Holzer fand dank Fernsehsendung seinen unbekannten Vater. Er war 1944 kurz als rumänischer Flüchtling im Ort gewesen.

Seinen 87. Geburtstag feierte der heute 87-jährige Juri mit seinem Sohn Walter Holzer: »Du und ich wir ham das gleiche G'friss und an runden, großen Kopf«, analysiert der Vater.  |  NOEN, zVg

Es ist eine unglaubliche Geschichte: Walter Holzer, uneheliches Kind, begab sich als 70-Jähriger auf die Suche nach seinem Vater – und fand ihn dank der RTL-Sendung „Vermisst!“

In Hautzendorf wussten viele Leute Bescheid – Holzer war ein uneheliches Kind, von einem rumänischen Flüchtling. Immer wieder wurde der Bub beschimpft. „Der deppate Bua soll schaun‘, wo er herkummt, woher er abstammt“, erinnert sich Holzer. Damals wusste er nicht, was die Worte zu bedeuten hatten, wohnte er doch bei seiner Mutter und seinem Vater. Mit acht Jahren erfuhr er von seiner Großmutter, dass sein Stiefvater nicht sein leiblicher Vater war.

Mutter wollte sich nicht erinnern

Für Holzer brach eine Welt zusammen. Eine Identitätskrise folgte. „Wer bin ich?“, diese Frage stellte er sich oft, erzählt der heute 70-Jährige. Seine Mutter verriet ihm auch nach mehrmaligem Bitten nichts von seinem Vater. „Sie meinte immer, sie könne sich nicht erinnern“, so Holzer. Einen Teil hat er seiner Mutter heute verziehen, böse ist er aber noch immer.

Bei jedem Arztbesuch wurde der Hautzendorfer durch auszufüllende Formulare an seinen fehlenden Elternteil erinnert. „Ich konnte immer nur von meiner Mutter berichten. Den Anstoß zur Suche nach meinem Vater bekam ich von meiner Hausärztin.“

Im vergangenen Herbst bei der Gesundenuntersuchung kam die Frage nach Krankheiten der Vorfahren wieder auf. Bei einem Gespräch fiel der Hausärztin auf, wie schwer es für ihren Patienten ist, über den unbekannten Vater zu sprechen. Sie schlug ihm vor, sich bei der Fernsehsendung „Vermisst“ zu melden.

"Ich wusste nicht einmal den Namen“

Mit den wenigen Infos, die er hatte, schrieb er ein E-Mail an die Redaktion der Fernsehsendung. „Meine Angaben waren sehr dürftig. Ich wusste nicht einmal den Namen“, sagte Holzer. Klar war nur, dass ein junger, deutschsprachiger, rumänischer Flüchtling mit seinen Eltern 1944 Hautzendorf passierte, wo er eine Zeit lang untergebracht war.

Nach einigen Monaten zog die Flüchtlingsfamilie weiter. Eine über ihre Schwangerschaft unwissende junge Frau blieb zurück.

Während das RTL-Team versuchte, den Vater zu finden, ließ auch Holzer nicht locker. Er fragte bei Freundinnen seiner Mutter nach und erhoffte sich mehr Informationen. Eine Frau erinnerte sich tatsächlich an den Namen des damals jungen Flüchtlings – Juri. Holzer leitete den Namen an RTL weiter.

Suche unabhängig voneinander gestartet

Einige Wochen später geschah das für Walter Holzer Unfassbare: Er erhielt einen Brief von Mirona, der Enkeltochter seines Vaters. Mirona schrieb über eine für ihren Großvater unvergessliche Jugendliebe und die Suche nach dieser Frau. Sie hinterließ ihre Kontaktdaten. „Wir haben völlig unabhängig voneinander diese Suche gestartet“, verdeutlicht Holzer die unglaublichen Vorgänge.

Nach einem Gespräch mit der Enkelin wählte er die Nummer seines Vaters und fiel mit der Tür ins Haus: „Ich bin dein Sohn!“ Die darauf antwortenden Worte seines Vaters machen Holzer stolz: „Bist du Jahrgang 1945? Ja, dann bist du mein Sohn!“

Holzer fuhr sofort zum ersten Treffen 

Zwei Tage später war Holzer auf dem Weg nach Bayern und traf seinen Vater zum ersten Mal. Lächelnd erzählt er über die erste Begegnung. Die Aufregung beiderseits muss groß gewesen sein, bis Holzer vor der Wohnungstür seines Vaters stand, dieser die Tür öffnete, seinen Sohn sah und die ersten Worte waren: „Du bist wirklich mein Sohn!“

Wenige Wochen später verbrachte Juri eine Woche in Hautzendorf. Viele Straßen und Gebäude erkannte er wieder. Familienausflüge nach Wien wurden unternommen. Den Kontakt wollen Vater und Sohn halten. „Wir telefonieren zwei bis drei Mal in der Woche“, sagt Holzer.

Während der Zeit in Hautzendorf konnte auch Juris Herzenswunsch erfüllt werden. Er sah seine Jugendliebe wieder. Mit Handkuss begrüßte er die so lange nicht gesehene, aber nie vergessene Mutter seines Sohnes. Ein Foto von einem jungen Burschen vor einer Mauer, eigentlich noch ein Kind, versehen mit dem Datum 11.06.1944 schenkt Juri ihr als Erinnerung. Auf der Rückseite des Fotos wurden mit blauer Tinte die Worte geschrieben: „Liebe kann nicht sterben, sie findet immer wieder einen Weg, dem Tode zu entrinnen.“