Erstellt am 15. September 2015, 08:59

von Josef Christelli

Verein nach Fest angezeigt. Ein anonymer „Anzeiger“ geht im Ort um: Schon seit Jahren gibt es immer wieder Anzeigen und Briefe ohne Absender. Jetzt traf es den Verschönerungsverein.

Verschönerungsvereinsobmann Martin Furch: »Ein Verein darf dreitägiges Fest veranstalten!«  |  NOEN, jch

Diesmal hat es den Verschönerungsverein erwischt. Der Verein hat Anfang Juli für die Dorfgemeinschaft das schon traditionelle „Gmorifahren“ organisiert. Dabei fahren einige Grafensulzer mit ihren Oldtimer-Traktoren mit Jung und Alt die Gemeindegrenzen ab.

Danach wurde wie immer im Feuerwehrhaus der Tag gefeiert. Da servierten die Vereinsmitglieder Würstel und Getränke für die Bevölkerung. Ein „Jemand“, den vermutlich die gelebte Gemeinsamkeit der Dorfgemeinschaft stört, hat dafür den Verschönerungsverein bei der Bezirkshauptmannschaft angezeigt - anonym natürlich.

Ein aktiver Grafensulzer weiß von bereits zwölf Anzeigen: „Die Jäger, die Feuerwehr und Privatpersonen waren schon dran - und jetzt eben der Verschönerungsverein. Es war eine Zeit Ruhe, jetzt geht das wieder los“, so der Mann zur NÖN, der aber seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, weil er Angst hat, angezeigt zu werden.

„Es ist dauernd was los im Ort mit den anonymen Anzeigen. Wir wissen nicht, wer sogar den Verschönerungsverein anzeigt“, so Ortsvorsteher Gerhard Meißl, der davon in Facebook gelesen hat. Der frühere Obmann Hermann Schulz kennt den Zores im Ort: „Mein Sohn wurde schon vier Mal angezeigt, weil er mit dem Auto oder Motorrad durch den Ort fährt. Auch die Jäger bekommen anonyme Briefe“, so Schulz zur NÖN.

Behörde sieht keinen Grund einzuschreiten

Verschönerungsvereins-Obmann Martin Furch sieht die Anzeige gelassen: „Vereine sowie Körperschaften öffentlichen Rechts dürfen an höchstens drei Tagen im Jahr ohne Anmeldung eines Gewerbes gastronomische Tätigkeiten im Rahmen von Veranstaltungen ausüben“, hat Furch von der Bezirkshauptmannschaft bestätigt bekommen. Die BH sehe also keinen Handlungsbedarf.

Die Bevölkerung und besonders die Vereinsmitglieder sind verärgert: „Die Mitglieder des Vereins pflegen in zahlreichen ehrenamtlichen Stunden die Grünflächen im Ort, pflanzen Blumen, pflegen Denkmäler und auch den Kinderspielplatz“, listet Furch die Leistungen des Vereines auf. Das alljährliche „Nachbarschaftsfest“ trägt zur Dorfgemeinschaft bei und alles erwirtschaftete und gespendete Geld wird in die Ortsverschönerung investiert. Sogar die Gemeinde Ladendorf anerkennt die Leistungen der Grafensulzer und gibt dem Verein alljährlich eine Förderung von 140 Euro. Auch die Benzinkosten für den Rasenmäher übernimmt die Gemeinde.

„Die Bewohner von Grafensulz würden sich sehr darüber freuen, wenn jene Person in Zukunft von anonymen Anzeigen Abstand nehmen würde“, so Furch. Sollte der anonyme Anzeiger jedoch einmal bekannt werden, dann werden auch rechtliche Schritte von manchen Grafensulzern überlegt.