Erstellt am 10. Dezember 2015, 05:03

von Michael Pfabigan

Versteigerung nach Streit unter Besitzern. Die lokalen Anteilseigner am Haus fürchten, dass Immobilienfirma Gebäude kauft und alle Geschäfte rauswirft.

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Seit 1934 war das Haus an der Ecke Hauptplatz-Hafnerstraße im Besitz der Familie Eybel/Heindl.

Jetzt befürchten Miteigentümer, dass es abgerissen und durch ein zweigeschossiges Bauwerk ersetzt werden könnte. Denn die Mehrheit am Objekt und damit das Sagen haben längst nicht mehr die Mistelbacher.

1934 kaufte Lois Eybel das Haus. Da er keine Kinder hatte, vererbte er es seinen 12 Nichten und Neffen, unter anderem auch den Heindls, deren Mutter eine Eybel war. Irgendwann ging einer der Erben pleite, das Anteilszwölftel ging an die Hausbank, welche es an eine Immobilienfirma verkaufte. „Eigentlich hatten wir abgemacht, dass wir nur untereinander verkaufen“, erzählt Franz Heindl, Sprecher der lokalen Anteilseigner:

Aufteilungsklage eingebracht 

„Es sollte im Familienbesitz bleiben. Aber einer hat sich nicht daran gehalten und dann sind andere umgefallen!“ Jetzt hält die Tacitus Beteiligungs GmbH, die, seit sie die Mehrheit hat, auch die Hausverwaltung stellt, sieben Zwölftel des Hauses. Und die verhindert, dass in die leeren Geschäftsräume im Haus neue Geschäfte einziehen. Deshalb stehen auch die ehemaligen Lokale von Demschner, Janner und Neuroth leer, Interessenten sollen einfach abgewimmelt werden.

„Mit den Miteigentümern gab es Probleme. Jetzt müssen einmal klare Verhältnisse geschaffen werden“, sagt Tacitus-Geschäftsführer Markus Wendecker auf NÖN-Anfrage. Und brachte bei Gericht eine Aufteilungsklage ein, welcher auch stattgegeben wurde. Seither warten die Anteilseigentümer beinahe täglich auf den Bescheid des Gerichtes, wann das Haus zwangsversteigert und der Erlös aufgeteilt wird.

Worum geht es eigentlich? Das alte Eybel-Erbhaus reicht vom Heindl-Bistro am Hauptplatz bis zum ehemaligen Janner-Geschäft in der Hafnerstraße. In einem zweiten Trakt befinden sich noch drei Wohnungen, geschätzter Wert 1,17 Mio. Euro.

Franz Heindl: "Befürchten Abriss"

„Wir befürchten, dass bei dieser Versteigerung Tacitus dann auch die noch freien Anteile kauft“, sagt Franz Heindl, der fürchtet, dass das Haus dann abgerissen und durch ein zweistöckiges Geschäftslokal ersetzt wird. Vorher müssen natürlich alle Mieter raus.

Unter anderem auch das Bistro seines Neffen Wolfgang Heindl: „Es gab einmal acht Bäcker in Mistelbach. Wolfgang ist der letzte Mistelbacher. Wenn er das Bistro zusperren muss, wird er auch aufgeben müssen. Denn ins Geschäft in die Oberhoferstraße kommen zu wenige Kunden!“, sagt Franz Heindl. Gottfried, Bruder und Senior-Chef der Bäckerei, kann das nur bestätigen: „Die Marktsituation ist nicht lustig!“

Jetzt hoffen die Heindls, dass sich bei der öffentlichen Versteigerung lokale Investoren finden, die das Objekt kaufen und im jetzigen Bestand belassen. Verdienen ließe sich mit den Mieteinnahmen aus dem Objekt wegen seiner ausgezeichneten Lage gut.