Mistelbach

Erstellt am 06. Juli 2016, 03:53

von Michael Pfabigan

Übergriff war erfunden. Mistelbach - 13-Jährige gab bei den Einvernahmen zu, dass es keinen sexuellen Übergriff auf sie im Weinlandbad gegeben hatte. Die Wogen gehen weiter hoch.

 
Bild: Der Tatort des Übergriffs
 |  NOEN, Michael Pfabigan

Alles nur erfunden: Am Wochenende gab die 13-jährige Schülerin aus Mistelbach zu, dass sie die angebliche Vergewaltigung durch einen „südländisch aussehenden“ Unbekannten in einer Kabine im Weinlandbad nur erfunden hatte.

Zuvor hatte sie ihre Aussagen bereits einmal bei einer Einvernahme durch eine Beamtin abgeschwächt: Nein, er sei nicht zu ihr in die Umkleide gekommen, hatte sie in der Vorwoche plötzlich behauptet. Er habe ihr nur an den Po gegrapscht, als sie am Gang zur Umkleidekabine in ein Handtuch gewickelt, gegangen war.

Die Polizei suchte den Unbekannten per Steckbrief - erfolglos. „Die Kriminaldienstgruppe des Bezirks hat rund um die Uhr ermittelt, damit der Fall geklärt werden kann“, heißt es lobend aus der Polizei. Fingerspitzengefühl war bei den Ermittlungen gefragt: Denn schon früh hatten die Beamten Zweifel an den Aussagen der 13-Jährigen - auch wegen des Fehlens richtiger Zeugen, ermittelten aber in alle Richtungen.

„Gezeigt hat der Vorfall, wie rasch wir doch allesamt übereinander herfallen!“

Bürgermeister Alfred Pohl

Aufgrund der Täterbeschreibung wollten viele den Täter im Kreis der Asylwerber wissen - entsprechende Recherchen der Beamten bei den Sozialarbeitern der beiden großen Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt erbrachten aber keine Ergebnisse.

Prophylaktisch hatte die Stadt das Weinlandbad am Tag nach dem vermeintlichen Vorfall für Asylwerber sperren lassen - in Absprache mit den Flüchtlingsbetreuern, wie es von Seiten der Stadt heißt. Tags darauf versahen bereits Security-Mitarbeiter ihren Dienst im Bad, das Hausverbot wurde wieder aufgehoben.

Einer der Scharfmacher gegen Asylwerber, der den mutmaßlichen Vorfall als Anlass für heftige Attacken gegen „illegale Masseneinwanderung“ genommen hatte, war der ehemalige FPÖ-Gemeinderat Manfred Platschka, der auch die Familie des Mädchens kennt: „Für mich war die Aussage glaubhaft“, sagt er auf NÖN-Anfrage: „Ich finde es schade, dass mit dieser unüberlegten Aktion jetzt der wichtigen, richtigen und notwendigen Kritik an der illegalen Masseneinwanderung geschadet wird!“

Platschka will Aussagen trotzdem nicht zurücknehmen

Will er Aussagen, die er zum Fall getan hat, zurücknehmen? Immerhin hielt er eine Ein-Personen-Mahnwache vor dem Rathaus ab, bei der er unter anderem den Rücktritt der Stadtführung forderte und gegen vergewaltigende Asylwerber protestierte: „Was war falsch? Ich finde, dass straffällig gewordene Asyltouristen abgeschoben werden müssen. Und ich finde, dass die Mitverantwortlichen für die illegale Masseneinwanderung in Mistelbach ihr Amt zurücklegen sollen“, sagt Platschka: Dass es zu keinem Übergriff gekommen sei, ändere nichts an seiner Einstellung.

„Ich bin für Platschka schuld daran, dass doch nichts passiert ist“, Bürgermeister Alfred Pohl versteht seine Argumentation nicht. Die Entscheidung, temporäre Maßnahmen zur Sicherheit im Bad hochzufahren sei zum Schutz aller Badegäste in der aufgeheizten Stimmung richtig gewesen: „Gezeigt hat der Vorfall, wie rasch wir doch allesamt übereinander herfallen und wie viel doch alle besser gewusst haben und wie sofort Schuldige identifiziert wurden!“

Was passiert jetzt mit dem Mädchen? Da sie noch strafunmündig ist, aus polizeilicher Sicht nichts.