Erstellt am 24. Februar 2016, 05:04

von Valerie Schmid

Volksschule: Noten bald Geschichte?. Laut einem Reformvorschlag soll es kein Ziffernzeugnis bis zur 4. Klasse Volksschule mehr geben und auch Sitzenbleiben wird vielleicht der Vergangenheit angehören.

Alternative Beurteilung in Großharras: Emily Frühberger mit ihrer Mutter Sabine Frühberger bei einem KDL-Gespräch (kommentierte differenzierte Leistungsbeurteilung) im Jänner.  |  NOEN, zVg

Nach einem Reformvorschlag, initiiert von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, soll ab sofort von der ersten bis zur dritten Volksschulklasse keine traditionelle Notenvergabe mehr stattfinden. Statt wie bisher die Leistung der Schüler in fünf Ziffern auszudrücken, soll ab sofort eine verbale Bewertung erfolgen.

In der vierten Klasse gibt es dann zusätzlich ein gewohntes Ziffernzeugnis. Bis jetzt war diese Form zwar auch schon möglich, nur lief die neue Benotung dann unter dem Terminus „Schulversuch“ und sowohl Lehrer als auch Eltern mussten zustimmen. Die NÖN wollte von Pädagogen im Bezirk wissen, was sie davon halten.

Gründe für die verbale Benotung sind zum einen die mangelnde Aussagekraft der Notenbeurteilung und Befürworter sprechen auch von einer Abnahme von Leistungsdruck. „Bei einer verbalen Benotung können auch Aussagen über die Sozialkompetenz getroffen werden und die Gesamtzeit wird besser beleuchtet“, so Pflichtschulinspektorin Brigitte Ribisch.

Ribisch: "Vorschlag in Ansätzen gut aber unausgegoren"

Obwohl sie in Grundsätzen das geplante System befürworte, sei der Sprung ihrer Meinung „wie eine Keule“. „Das System konnte wachsen in den letzten Jahren und jetzt wird alles übergestülpt. Manche sind vielleicht noch nicht bereit für so neue Spielregeln und der Vorschlag wirkt zwar in Ansätzen gut, aber auch unausgegoren. Auf jeden Fall ist die Kommunikation mit den Eltern wichtig“, betont Ribisch.

Kritiker der verbalen Benotung sind der Meinung, dass der Druck dann vor allem in der vierten Klasse Volksschule einsetzen würde, wenn zum ersten Mal ein Ziffernzeugnis ausgeteilt werden würde. Davon hält Ribisch nichts.

Ein weiterer Punkt am Gesetzesentwurf sieht vor, dass auch Sitzenbleiben bald Geschichte sein wird. Laut Ribisch sei das aber gar nicht notwendig, da die Schüler sowieso in der „Schuleingangsphase“ für die ersten zwei Jahre drei brauchen können.

Verbale Beurteilung in der Volksschule Großharars 

Eine Form der verbalen Beurteilung ist die kommentierte differenzierte Leistungsvorlage. In der Volksschule Großharras wird diese seit 2011/12 in den ersten drei Jahren umgesetzt. Bei dieser Form haben Schüler die Gelegenheit, sich selbst und ihre Leistungen der Lehrerin und ihren Eltern zu präsentieren.

Auch die Großharraser Direktorin Patricia Grawatsch ist der Meinung, dass „neben dem Beherrschen der Kulturtechniken die sozial-kommunikative sowie die Persönlichkeitskompetenz entscheidender für das Bestehen-Können in der Berufswelt sind“.

Eine Benotung vor allem in der Schuleingangsphase sieht Grawatsch nicht als sinnvoll, denn: „Kinder in diesem Alter leisten genauso viel, wenn sie alternativ beurteilt werden, und lernen dabei gleichzeitig, mit Noten besser umzugehen.“


Reformvorschlag im Detail

  • Kein Ziffernzeugnis von der 1. bis zur 3. Klasse Volksschule, sondern eine verbale Benotung

  • Ab der 4. Klasse Volksschule soll es ein Ziffernzeugnis geben

  • Kein Sitzenbleiben in der Volksschule

  • Andere Formen der Bewertung: Pensenbuch und kommentierte differenzierte Leistungsbeurteilung (KDL)