Erstellt am 08. Februar 2016, 11:23

von Michael Pfabigan

"Waren sehr unglücklich!". Zwölf Jugendliche wurden überraschend von Wilhelmsburg in die noch nicht fertige Containersiedlung verlegt. Mittlerweile haben sie sich eingelebt.

Die ersten zwölf jugendlichen Flüchtlinge sind in der nicht nicht ganz fertigen Container-Siedlung in der Schlossbergstraße eingezogen. Die Umstände ihrer Verlegung waren mehr als fragwürdig.  |  NOEN, Foto: Michael Pfabigan

Die ersten zwölf Bewohner der Containersiedlung vis á vis des Landesklinikums in der Schlossbergstraße sind im Mistelbach angekommen. Die Umstände, wie sie nach Mistelbach verfrachtet wurden, sorgen allerdings für Diskussionen.

Bis vor wenigen Tagen waren die Kinder und Jugendlichen in einer Einrichtung in von SLC Europe Wilhelmsburg, wo sie in den vergangenen Monaten bereits gut in den Ort integriert wurden, ehrenamtliche Helfer kümmerten sich um die Zwölf, sie gingen in die Schule und hatten bereits gute Fortschritte in der deutschen Sprache gemacht.

"Keine Zeit sich zu verabschieden"

„Um 6 Uhr in der Früh wurden die zwölf Kinder und Jugendlichen von der Firma SLC geweckt und darüber informiert, dass sie um 8 Uhr wieder einmal in einen Bus in ein anderes Lager umgesiedelt werden“, kritisiert Dominik Paireder vom „Guarantee on Tomorrow-Team“, das sich um Flüchtlinge in der Region St. Pölten kümmert: „Ihnen blieb keine Zeit sich von Freunde und Bezugspersonen zu verabschieden!“ Sie wurden nach Mistelbach in die halb fertige Containersiedlung beim Landesklinikum gebracht.

Der Grund für die Verlegung nach Mistelbach: Der Betreuungsaufwand für die Kinder und Jugendlichen wurde für die betreuende Firma zu groß, gemeinsam mit dem Land wurde eine Verlegung beschlossen. In Wilhelmsburg war man über die Vorgangsweise entsetzt.

„Mittlerweile sind sie bei uns gut angekommen, es geht ihnen gut“, sagt Andrea Frauscher von der Caritas, die die Betreuung der Flüchtlinge in der Containersiedlung übernommen hat: „Am Anfang waren sie schon sehr unglücklich, dass sie verlegt wurden!“

Letzte Installationsarbeiten werden erledigt

Ist es üblich, dass halb fertige Anlagen bereits belegt werden? „Der Teil, in dem die Zwölf eingezogen sind, ist ja schon fertig“, sagt Frauscher, der etappenweise Bezug solcher Analgen sei nicht unüblich. Im zweiten Trakt würden momentan die letzten Installationsarbeiten erledigt werden. In der Anlage werden die bis zu 90 untergebrachten Personen nicht nur Schlaf-Doppelzimmer, sondern auch Gemeinschaftsküchen, Sanitär- und Aufenthaltsräume vorfinden. Insgesamt sollen 48 unbegleitete Jugendliche in Mistelbach untergebracht werden, die restlichen 36 werden in den nächsten Wochen folgen, bis Ende Februar sollen dann auch 42 Erwachsene und Familien die Anlage beziehen.

Nicht verstehen kann Frauscher die Kritik, dass Firmen mit Flüchtlingen bzw. deren Unterbringung lukrative Geschäfte machen würden. „Aus dem Leid der Menschen wird Kapital geschlagen“, kritisierte etwa Dominik Paireder im NÖN-Gespräch.

„Wenn es so profitabel wäre, wieso haben wir dann immer noch zu wenig Platz für Flüchtlinge?“, kontert Frauscher: „Wir müssen zu jeder Wohngemeinschaft zuschießen!“ Für unbegleitete Jugendliche bekommen die Betreuungsorganisationen zwar einen erhöhten Betreuungssatz, dafür sind auch die Betreuungskosten höher.
 


Freiwillige gesucht

Damit die Integration der in Mistelbach Untergebrachten klappt, braucht es auch Freiwillige, die bereit sind, Zeit mit den Hilfesuchenden zu verbringen: Die Plattform Flüchtlingshilfe Mistelbach bündelt diese Bereitschaft, Interessierte können sich beim Bürgerservice der Stadt 02572/2515-2130 melden.