Erstellt am 13. Januar 2016, 05:03

von Ingrid Fröschl-Wendt

Weiler: „Krise schlägt in Laa voll durch“. Obmann der Laaer Wirtschaft, Martin Weiler, sieht für die Thermenstadt ein schwieriges Jahr. Bürgermeisterin Ribisch ist optimistisch und weist auf Neueröffnungen hin.

Martin Weiler, Obmann der Laaer Wirtschaft: »Probleme sind von Bund und Land hausgemacht.«  |  NOEN, zVg

Das Jahr 2016 beginnt für die Wirtschaft der Thermenstadt nicht gerade rosig. 2015 schlossen innerhalb kürzester Zeit viele Geschäfte rund um den Stadtplatz. 2016 sollen es noch mehr werden.

Weiler: "Viele neue Hürden und Auflagen"

Martin Weiler, Obmann der Laaer Wirtschaft (IGL), sieht das Problem als globales, das für die kleine Stadtgemeinde nicht lösbar sei. „Das ist jetzt die sogenannte Wirtschaftskrise, die eigentlich vorbei sein sollte und nun bei uns voll durchschlägt.“ Manche Probleme seien von Bund und Land hausgemacht, sagt Weiler. „Es gibt so viele neue Hürden und Auflagen, dass viele Unternehmer den Hut draufhauen.

Wie die Barrierefreiheit, die Allergenverordnung oder die Registrierkassenpflicht. Die Auflagen werden immer mehr und die Frequenz in einer Grenzstadt wird immer weniger.“ Ganz besonders negativ wirke sich der Internethandel auf die örtlichen Betriebe aus. „Hätte man Hoffnung, taucht man halt durch. Aber wenn man eh schon vor der Pension steht, keine Nachfolger hat, und nicht das Gefühl besitzt, dass es besser wird, dann hört man halt gleich auf ...“

In die Pflicht nimmt Weiler Bundes- und Landespolitiker: „Die Abgeordneten stimmen mit ab und bedenken oft gar nicht, welche Auswirkungen das hat.“ Eine Stadtgemeinde könne da nicht mehr viel gerade rücken. „Die drei Mal 5.000 Euro, die Laa als Wirtschaftsförderung gibt, sind wahrscheinlich gerade das, was die Stadt noch stemmen kann.“ Mehr zu leisten, das sei die Stadt wahrscheinlich nicht mehr imstande, vermutet der Obmann. „Aber für einige Betriebe bringt das dann nichts mehr“, seufzt er.

Bürgermeister Ribisch: "Haben neue Geschäfte eröffnet"

Bürgermeisterin Brigitte Ribisch sieht die Lage nicht so negativ: „Es ist ein Generationenwechsel. Familie Koffler hat keine Nachfolger, das ist nichts Ungewöhnliches.“ Man könne nicht erwarten, dass Kinder Betriebe der Eltern weiterführen. „Dafür haben wir neue Geschäfte eröffnen können“, nennt sie den Hanfshop, den Kreativshop oder demnächst den Weltladen. Und es gäbe noch das große Zugpferd: „Gott sei Dank hat die Therme mit 21 Millionen Euro erweitert. Außerdem hat eine neue Pension eröffnet.“

Landtagsabgeordneter Manfred Schulz verrät, dass sowohl im Land als auch im Bund diese Probleme bekannt sind. Er gibt ein überregionales Beispiel: Von den Kunden eines großen Getränkelieferanten, der die Bezirke Mistelbach und Gänserndorf beliefert, sperren 24 Betriebe zu. „Auch wenn man von der Barrierefreiheit schon seit zehn Jahren weiß, ist uns in den gesetzgebenden Gremien die Überreglementierung bewusst und wir diskutieren seit Längerem darüber.“ Sowohl im Bund als auch im Land wolle man die Gesetze auf Mehrfach-Reglementierungen durchforsten.

Trotzdem rät Schulz, sich nicht verrückt machen zu lassen, nicht übereilt zu schließen: „Vielfach kursieren in puncto Registrierkassenpflicht Falschinfos. Für kleine Betriebe gibt es kostengünstige Lösungen.“


Sperrstunde für ...

  • Das Hotel zum Brüdertor ging im Sommer in Konkurs.

  • Das Gasthaus Koffler sperrte zu, weil die Nachfolge fehlte.

  • Beim Geschenkehaus Pokorny ging der Inhaber mit 1. Jänner in Pension; ebenso verhält es sich mit dem Blumengeschäft Haas.

  • Die Spengerlei Koffler plant die Schließung für den Mai.

  • Neben diesen Traditionsgeschäften schlossen auch: Das Uhren- und Schuhgeschäft in der Staatsbahnstraße hatte nur wenige Monate geöffnet; Veronikas Feinkost schaffte einige Jahre.