Erstellt am 03. Juni 2016, 05:05

von Michael Pfabigan

„Wie bei Tom und Jerry!“. „Die Großherzogin von Gerolstein“ wird eine zeitlose Satire auf Schein und Sein.

Die überraschend aktuell scheinende »Großherzogin von Gerolstein« von Jacques Offenbach wird heuer vor dem Liechtensteinschloss Wilfersdorf in Szene gesetzt. Gesamtleiter Gregor Sommer, Regisseur Richard Schmetterer und Bühnenbildner Christoph Fath inszenieren das Stück als Satire in einem strukturell erstarrten Kleinstaat.  |  NOEN, Michael Pfabigan

„Es gibt ein desaströses Happy End: Es bleibt alles, wie es war!“, sagt Richard Schmetterer: „Dann singen alle: Juchu, wir haben es wieder nicht geschafft, uns zu entwickeln!“

Opéra bouffe mit satirischem Inhalt

Nein: Das Schlossfestival Wilfersdorf spielt heuer keine Operette über die österreichische Innenpolitik. Auf dem Programm steht Jacques Offenbachs „Die Großherzogin von Gerolstein“, eine Opéra bouffe aus dem Jahr 1867 - in ihrem satirischen Inhalt aber alles andere als verstaubt. „Und thematisch hat sie überhaupt nichts vom Süßlichen, wie wir die Operette kennen“, ergänzt Schmetterer, der wieder die Regie der Produktion vor dem Liechtensteinschloss übernommen hat.

„Ich dachte mir ja, dass ich das Stück kenne“, sagt Intendant und musikalischer Leiter Gregor Sommer: Als Kind hatte er eine Produktion, an der sein Vater mitgewirkt hatte, immer und immer wieder gehört: „Da bin ich draufgekommen, dass die damals das ganze Stück umgedreht haben!“ Immerhin gibt es von der „Großherzogin“ zig Bearbeitungen.

"Alle Figuren haben ein Eck"

„Jetzt gibt es eine mehr“, sagt Schmetterer. Denn er und Dieter Hörmann übersetzten die Sprache in heute verständliche Sprache: „In meiner Vorstellung ist die „Großherzogin von Gerolstein“ wie ein Tom-und-Jerry-Cartoon: Einerseits wahnsinnig brutal, aber eh egal, weil´s alle überleben!“, sagt Schmetterer: In der Satire werde alles maßlos überspitzt, ohne sich selbst ernst zu nehmen.

Wie wird er das Stück anlegen? „Gerolstein war einmal ein großer Staat. Jetzt hat er Patina angesetzt, vieles funktioniert nur noch zum Schein“, sagt der Regisseur.

„Da ist keine Figur dabei, von der man sagt: Der ist jetzt normal“, ergänzt Sommer: „Die haben alle ein Eck! Aber sie sind so überzeichnet, dass sie schon wieder lieb sind.“

Das Bühnenbild? Heuer wieder reduzierter: Christoph Fath inszeniert die vier Bilder schlichter als im Vorjahr, dafür wird bei den Lichteffekten mehr geklotzt.


Karten & mehr

Premiere: Freitag, 1. Juli, 20.30 Uhr.

Weitere Vorstellungen: Samstag, 2. Juli; Donnerstag, 7. Juli; Freitag, 8. Juli; Samstag, 9. Juli, jeweils 20.30 Uhr.

Karten: www.oeticket.com , Gemeinde Wilfersdorf (02573 2366-0)

Infos: www.schlossfestival.at