Erstellt am 04. November 2015, 06:02

von Ingrid Fröschl-Wendt

„Hoher Standard, vom Stall bis ins Geschäft“. „Reine Panikmache“, so Helmut Öller, Vorsitzender des Vieh- und Fleischgroßhandels in der WKÖ.

Maßvoll und bewusst essen - so kann Wurst und Fleisch nicht gesundheitsschädlich sein, so Helmut Öller, Vorsitzender des Vieh- und Fleischgroßhandels in der Wirtschaftskammer Österreich, hier im Bild mit Anna Öller.  |  NOEN, Archiv

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Wurst und verarbeitetes – also geräuchertes und gepökeltes – Fleisch als krebserregend ein. Das Risiko an Darmkrebs zu erkranken, werde durch regelmäßigen Fleischkonsum erhöht, sagt die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC). Seit diese Meldung vergangene Woche veröffentlicht wurde, herrscht in der Fleischhauerzunft helle Aufregung. Denn sie ist ein schwerer Schlag für die Österreicher, die zu den weltweit größten Fleischverbrauchern zählen.

Für Helmut Öller, den Vorsitzenden des Vieh- und Fleischgroßhandels in der Wirtschaftskammer Österreich, ist das eine Verunsicherung der Konsumenten durch unverantwortliche Vergleiche.

Die NÖN sprach mit dem Wildendürnbacher über die Studie, deren Ergebnisse und wie sie auf Konsumenten wirkt.

NÖN: Laut Weltgesundheitsorganisation können Fleischprodukte ebenso wie der Genuss von Tabakwaren das Krebsrisiko erhöhen. Sollten die Menschen aufhören, Fleisch zu essen?

Helmut Öller: Fleisch und Wurst sind wertvolle Lebens- und Nahrungsmittel. Ich verwehre mich dagegen, dass Fleisch und Fleischwaren pauschal schlecht geredet werden! Den Konsum etwa von Wurst mit Rauchen gleichzusetzen oder Schinken auf dieselbe Stufe zu stellen wie Asbest, ist Unsinn und reine Panikmache.

Solche unrichtigen und unverantwortlichen Vergleiche verunsichern die Menschen in höchstem Maße. Fleisch und Wurst enthalten wichtige Nährstoffe, wie Eisen und Vitamine, und bilden einen wichtigen Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Eine solche undifferenzierte Panikmache schlägt auf die gesamte Fleischwirtschaft, von der Landwirtschaft bis zum Handel durch.

Stellen Sie die Studie der Experten infrage?

Öller: Die Studie ist sicher echt. Aber es wäre zu hinterfragen, mit welchen Leuten sie gemacht wurde. Die Studie stammt aus England und wir wissen, dass es die Engländer mit der Hygiene nicht so genau nehmen. Vor zwanzig Jahren haben sie uns BSE eingebrockt. Außerdem haben die Engländer andere Essgewohnheiten. Sie essen im Verhältnis viel mehr rohes Fleisch.

Sie bezeichnen Fleisch und Wurst als wertvolle Lebens- und Nahrungsmittel.

Öller: Wenn man maßvoll und bewusst isst, kann das nicht schädlich sein. Fisch oder Obst gelten als gesund. Aber wenn man jeden Tag nur Bananen oder Fisch isst, ist das sicher auch nicht gut. Wir haben hier in Österreich bestes Fleisch. Da dürften wir auch nicht mehr Autofahren. Dabei sterben noch viel mehr Menschen ...

Österreich ist also ein Garant für qualitativ hochwertige Ware?

Öller: Wir haben in Österreich einen so hohen Standard – vom Stall bis ins Geschäft. Wir haben hier top Ware und dann will man uns so verteufeln! Gerade in Österreich oder speziell bei kleinen Fleischhackern. Die bemühen sich und da kann man ganz sicher sein.

Es wird oft behauptet, dass in der Wurst jene Rohstoffe verwertet werden, die nicht mehr als Fleisch verkauft werden können.

Öller: Was man mit einer solchen Aktion erreichen will, ist, meiner Meinung nach, wirklich lächerlich. In die Wurst kommt kein Abfallprodukt. In eine Wurst kommt nur magere Ware und Speck, das ist ja nicht minderwertig. Oder vielleicht Nebenprodukte, wie Schwartln  bei der Extrawurst. Aber das sind keine Abfallprodukte. Vor allem – und ich betone das noch einmal – bei unseren vielen, kleinen Fleischhackern, da gibt es das ganz sicher nichts Schlechtes.


Aus der Studie

  • Eine Arbeitsgruppe aus 22 Experten hatte mehr als 800 Studien über den Zusammenhang von Fleischkonsum und dem Risiko für verschiedene Krebsarten ausgewertet.
  • Die Forscher zitierten Studien, wonach etwa 34.000 Menschen jährlich wegen des intensiven Konsums verarbeiteter Fleischwaren an Krebs erkranken und sterben. Sollte sich eine krebserregende Wirkung von rotem Fleisch bestätigen, sei sogar von 50.000 Todesfällen pro Jahr auszugehen.
  • Rotes Fleisch ist generell krebserregend, also Fleisch vom Rind, Schwein, Schaf, Ziege und Pferd.
  • Das Risiko für Darmkrebs steige mit der Menge des verzehrten Fleisches.