Erstellt am 04. Mai 2016, 06:34

von Josef Christelli

Windräder höher als Buschberg?. Obwohl Gemeinderat dafür stimmte, hofft Initiative immer noch auf eine Bürgerbefragung.

Info der Windkraftgegner: Josef Regner, Christine Hinterseer, Peter Kenyeres, Gerhard Loidolt, Ferdinand Weinschenk, Josef Schick und Manfred Binder.  |  NOEN, Christelli

Sehr fair lief die Info-Veranstaltung der Bürgerinitiative gegen den Windpark Gnadendorf-Stronsdorf (BI) im Gemeindesaal Gnadendorf ab. Enorm viele Interessenten kamen, etliche auch aus den Nachbarorten.

Gerhard Loidolt, Initiator der BI, appellierte in seiner Begrüßungsrede an die Fairness: „Wir wollen niemanden beleidigen, nicht in Streit und Hader auseinandergehen.“

Er erklärte, warum sich die BI sehr spät formiert hatte: „Wir haben immer gedacht, dass das eh nichts wird. Erst als die UVP begonnen hat, wurden wir hellwach.“

Die Gastredner von Peter Kenyeres bis zu Manfred Binder und dem Betroffenen Josef Schick aus Wetzelsdorf plädierten alle für eine „windradlose“ Region rund um Gnadendorf. Kenyeres, selbst vor 50 Jahren aus der Wachau zugezogen, hat das Weinviertel erkundet und lieben gelernt: „Wenn ich ehrlich bin, die sollen die geplanten Windräder rund um Mistelbach aufstellen, dort ist es eh schon egal.“ Daraus war ein wenig Frust herauszuhören.

Alt-Bürgermeister Karl Buchhammer erinnerte an den Schulterschluss der zehn Gemeinden im Land um Laa und Falkenstein: Damals, vor 20 Jahren, wurde einstimmig beschlossen, dass keine Windkraftanlagen gebaut werden.

Stefan Schneider glaubt, dass die Region zu einem Juwel werde, weil keine Windräder dort stehen und künftig solche Plätze der Ruhe und Erholung gesucht werden sowie touristische Zukunft haben. Der frühere Bürgermeister von Traunfeld, Josef Regner, sprach sich ebenfalls gegen die Windräder aus.

Er nimmt den Windpark Neubau-Ladendorf aufs Korn: „Da wurde eindeutig übers Ziel hinausgeschossen.“ Die geplanten 200 Meter hohen Riesenräder sind für die BI undenkbar: „Die würden auf rund 300 Metern Seehöhe stehen und damit den Buschberg überragen“, sagt Loidolt.

Die Besucher sind sich einig: Der Windpark sei reine Geschäftssache, an der nur einige wenige verdienen würden. „Der Mensch soll im Mittelpunkt stehen, nicht das Geld“, trifft Regner den Nagel auf den Kopf.

Die Vorwürfe, dass Bürgermeister Manfred Schulz die Bevölkerung erst nach dem einstimmigen Beschluss informiert hat, wies der Landtagsabgeordnete zurück: „Seit ich Bürgermeister bin, habe ich in allen Orten Bürgerversammlungen abgehalten und dort auch über die geplanten sechs Windkraftanlagen erzählt.“

Er habe nirgends Gegenwind geortet, deshalb ging er mit der Causa in den Gemeinderat.

In Stronsdorf hat sich die Bevölkerung überfahren gefühlt: „Bei uns war ein Tag der offenen Tür bei der EVN als eine Info-Veranstaltung getarnt“, ist Christa Veyrat heute noch zornig. Ein Gaubitscher ist ebenfalls überzeugt, dass der Nachbarort gefragt werden muss, was die Errichtung von Windrädern betrifft.

In Gaubitsch hat eine Bürgerbefragung ein knappes „Nein“ ergeben. Jetzt müssten sich die Nachbarn die Windräder von Gnadendorf anschauen.

Auch der Gestattungsvertrag wurde zerpflückt. Christine Hinterseer ortete arge Mängel, weil die Wertsicherung an den Einspeistarif gekoppelt ist. Überraschend war der Auftritt von Michael Piatti, dem Besitzer des Neuhofes auf der Anhöhe zwischen Gaubitsch und Friebritz.

Der Neuhof soll von der therapeutischen Gemeinschaft zu einem pädagogischen Zentrum umgebaut werden: „Wenn da Windräder gebaut werden, ist das Projekt gestorben“, mahnte Piatti.

Der große Wunsch der BI ist eine geheime Abstimmung, also Bürgerbefragung: „Wir brauchen Unterschriften, die hoffen wir ausreichend zu bekommen“, sagt Loidolt.