Erstellt am 22. Juni 2016, 09:21

von Michael Pfabigan

"Wir hatten Angst!". Lokalaugenschein: Nach dem Axtangriff stellte das Gericht die Attacke nach. Die Nachbarn wissen von schlimmen Alko-Ausrastern des Täters.

Lokalaugenschein am Tatort des Axtangriffes in Ladendorf: Der Täter musste genau erklären, wie die Abläufe rund um die Tat in der Vorwoche waren.  |  NOEN, Michael Pfabigan

Wie genau der Axtangriff abgelaufen war, das sollte in der Vorwoche der Lokalaugenschein des Gerichtes klären: Freitagvormittag waren Richterin, Staatsanwalt, Polizei und Anwälte in Ladendorf und stellten die Vorgänge am Tatort am Ortsrand nach.

Am 6. Juni hatte ein Wiener seiner Ex einen nächtlichen Besuch abgestattet, ihren neuen Lebensgefährten mit einer Axt angegriffen und ihn schwer verletzt. Er habe den Neuen der Ex nicht töten wollen, sagte der 42-jährige Wiener der Polizei. Vor der Tat war er mit der Schnellbahn nach Ladendorf gefahren und dann zu Fuß quer durch den Ort zum Haus der Ex gegangen.

Dort hatte er einen Schuppen betreten und sich aus zwei gelagerten Äxten die kleinere, handlichere ausgesucht, bevor er ins Haus und in weiterer Folge ins Schlafzimmer eingedrungen war. Dort hieb er mehrmals auf den neuen Lebensgefährten ein, der intuitiv die Hand zum Schutz hochheben konnte: „Er schlug ihm regelrecht einen Fleischklumpen aus dem Unterarm heraus“, erzählt ein Ermittler.

Angriff mit 1,4 Promille

Erst als dem Angreifer die Bettdecke über den Kopf geworfen worden war, konnten der Angegriffene und die Frau flüchten. Die Verfolgung gab der Angreifer rasch auf, vor dem Haus schmiss er die Axt in den nahen Bach. „Die Polizei hat sie gesucht, aber nicht gefunden“, erzählt eine Nachbarin, „der Polizeihund hat sie sofort gefunden“, hat sie Respekt vor den Fähigkeiten der Amts-Vierbeiner.

Zum Tatzeitpunkt soll der Angreifer 1,4 Promille gehabt haben. „Er hat immer viel getrunken, wenn er alleine war“, erzählen Nachbarn: „Und dann hat er wie wild geschrien, da hab’ ich regelrecht Angst bekommen!“ Und manchmal war er betrunken, schreiend und im Bademantel auf der Straße rumgelaufen. Die Polizei konnte ihn dann nur wieder auf sein Grundstück bringen, wissen die Nachbarn, ein ungutes Gefühl sei immer da gewesen. Vor einem Jahr war die Beziehung dann auseinandergebrochen.

Beim Lokalaugenschein war von dem „wilden Mann“ wenig zu sehen: Wie ein Häuflein Elend erklärte er, wie sich der Angriff abgespielt hat.