Erstellt am 25. Mai 2016, 05:04

von Michael Pfabigan

Wohin jetzt mit 22 Pferden?. Zwangsräumung kommt: Der Bogenreitsportverein Kassai muss nach Streit mit Pächter seine Koppeln räumen.

Seit zehn Jahren trainierte der Verein Kassai jetzt am Areal des alten Ziegelofens in Neubau-Kreuzstetten. Der Besitzer kündigte ihnen den Pachtvertrag, jetzt müssen sie binnen einer Woche einen neuen Platz finden. Am 3. Juni wird das Vereinsgelände gerichtlich geräumt.  |  NOEN, zVg

Johannes Fischnaller von der Bogensportgruppe Kassai ist verzweifelt. Spätestens ab 4. Juni dürfen er und seine Vereinsmitglieder nicht mehr zu ihren Pferden, die auf dem Vereinsgelände beim Ziegelofen in Neubau- Kreuzstetten stehen: Denn der Grundbesitzer hat eine Räumungsklage eingereicht, Pferde und Reiter müssen weg.

Doch das ist nicht so einfach: Denn den Bogensportlern fehlt es an einer Alternative: „Wir haben Projekte, aber die sind mangels Investoren so schnell nicht umsetzbar“, sagt Fischnaller. Jetzt hofft er, bis zur endgültigen Räumung des Areals wenigstens einen kostengünstigen Ort zu finden, wo er alle seine Tiere unterstellen kann.

Doch wie konnte es so weit kommen? Der Verein Kassai ist seit rund zehn Jahren auf dem Areal und führt seinen Sport und diverse Seminare durch, die auch international hoch im Kurs stehen.

2014 musste der ehemalige Grundbesitzer Konkurs anmelden, Helmut Meißl kaufte das Areal - Ziegelofen, Wiesen und ein Waldstück - auf.

„Dann fingen bald die Streitigkeiten an“, sagt Fischnaller. Beispielsweise, als der neue Besitzer einen Teil des Grundstückes einfach einem zweiten Pächter übergeben wollte. „Wir forderten immer einen schriftlichen Pachtvertrag, wie wir einen mit dem Voreigentümer hatten, aber den bekamen wir nie. So konnte er die Koppel doppelt verpachten“, glaubt Fischnaller: „Und wir hatten eine Koppel auf diesem Grundstückteil!“ In der Tonart ging es weiter: Verpächter beanstandete, Pächter fühlten sich nicht schuld daran.

Gerichtliche Kündigung des Pachtvertrages

„Stimmt nicht“, kontert Thomas Stenitzer, Rechtsanwalt von Helmut Meißl: „Wir haben nur darauf hingewiesen, dass manche Sachen nicht ordnungsgemäß gemacht waren. In einem Fall wurde ein Kabel einfach neben einem Weg verlegt, da haben wir die ordnungsgemäße Verlegung eingefordert.“

Die Unstimmigkeiten mündeten dann in der gerichtlichen Kündigung des Pachtvertrages, über die Gründe gibt es unterschiedliche Ansichten. Fischnaller glaubt, dass die Streitigkeiten schuld sind. Stenitzer sagt, Meißl habe einfach Eigenbedarf angemeldet.

Jedenfalls wurde die gerichtliche Kündigung nicht beeinsprucht und damit am 31. März rechtskräftig. Da die Pferdesportler da noch nicht ausgezogen waren, beantragten Stenitzer und Meißl die Exekution bzw. gerichtliche Räumung des Areals.

Ein hartes Vorgehen? „Wir haben von einer sofortigen Auflösung des Vertrages ohnehin Abstand genommen“, sagt Stenitzer: „Fischnaller weiß seit fast einem Jahr, dass er gehen muss. Ich denke das ist durchaus fair!“

„Fischnaller weiß seit fast einem Jahr, dass er gehen muss.“

Johannes Fischnaller empfindet das nicht so. „Wir haben bis zuletzt an eine Duldung geglaubt, bis wir einen neuen Standort gefunden haben. Das war wohl ein Fehler.

Wir suchen seit Monaten aktiv nach einem neuen Grundstück, auf dem unsere Pferde artgerecht leben können und auf dem ein Seminarbetrieb mit Pfeil und Bogen möglich ist. Das ist nicht so einfach. Außerdem fühlen wir uns in der Gemeinde sehr wohl und wären gerne geblieben.“ Und jetzt weiß er nicht, wohin mit seinen 22 Pferden.

Was passiert mit den Tieren, wenn die Reiter sie nicht selbst abtransportieren? „Dann wird der Exekutionsbeamte sie in Pferdeställen in der Umgebung unterbringen. Die Kosten kann sich der Grundbesitzer dann vom Pferdeeigentümer zurückholen“, sagt Stenitzer.

Der fürchtet eine finanzielle Lawine in diesem Fall und richtet via Medien einen Appell an Pferdefreunde: „Wer hat ein passendes Grundstück, auf dem wir vorübergehend Platz finden, damit unsere Pferde zusammenbleiben können?“ Interessenten können sich unter jo@kassai.at melden.


Zum Verein

Der Verein Kassai hat aktuell 20 Mitglieder.

Der Vereinszweck ist die Ausübung des Bogenschießens vom galoppierenden Pferd aus als Wettkampfsport und als Kampfkunst, die dafür nötige Ausbildung der Pferde und die Ausbildung der Bogenschützen.