Erstellt am 29. Oktober 2015, 05:02

von Michael Pfabigan

Bürger werden zu Platzplänen gefragt. MIT:uns und WUI sammelten 800 Unterschriften und wollen den Bau des „Platzes der Generationen“ kippen.

Enttäuscht vom Ergebnis der Gemeinderatssitzung: Susanne Gruber und Oliver Timpe.  |  NOEN, zVg

Seit der Vorwoche ist es fix: Die Wolkersdorfer werden zum umstrittenen städtebaulichen Projekt „Platz der Generationen“ befragt: Die Grünen WUI (Wolkersdorfer Umwelt Initiative) und die Bürgerliste MIT:uns sammelten seit Mitte September über 800 Unterschriften für eine Bürgerbefragung – mehr als eigentlich notwendig waren.

Die Unterschriften wurden in der Vorwoche im Rathaus deponiert, derzeit werden sie von den Stadtbediensteten kontrolliert. Wann die Bürgerbefragung abgehalten wird, wie die genaue Fragestellung lauten wird und ob das Ergebnis für die Stadtpolitik bindend sein wird oder nicht, ist noch offen. Diese Fragen werden unter anderem Inhalt jener Gemeinderats-Sondersitzung sein, die die Bürgerinitiative MIT:uns gleichzeitig mit dem Einbringen der Unterschriften beantragt hatte. Im Maximalfall könnten die Fristen bis zur Volksbefragung bis Mitte Jänner gedehnt werden.

„Wir wollen nicht, dass sich die Entscheidung in die Länge zieht. Derzeit sind nur die Planungsarbeiten vergeben. Wir wollen die Bürgerbefragung, bevor Arbeiten vergeben werden“, sagt MIT:uns-Chef Hannes Schwarzenberger.

Mit:uns: „Haben derzeit andere Probleme!“

Grundsätzlich hat er nichts gegen die Platzgestaltung. „Aber wir haben derzeit andere Probleme!“ Das Pfarrzentrum, die Volksschule und die Schlossberghalle sind Projekte, die vor dem Platz der Generationen gelöst werden sollten. Der Platz der Generationen könne gerne dann gestaltet werden, wenn die Besiedelung des Platzes abgeschlossen sei: „Gerne auch nach den heutigen Planungen“, sagt Schwarzenberger. Und wenn das Land wolle, dann soll es halt als ersten Schritt den Bereich vor dem Landespflegeheim nach den vorliegenden Plänen gestalten.

Ähnlich auch WUI-Chef Christian Schrefel: Er fordert ein Konzept und eine Prioritätenliste der wichtigsten Projekte der Stadt. „Sonst gibt es keine Zustimmung zum Platz der Generationen!“

„Wir werden das Ganze jetzt in der Sondersitzung des Gemeinderates diskutieren“, sagt Bürgermeisterin Anna Steindl (ÖVP), die einer späteren Gestaltung des Platzes wenig abgewinnen kann. Aber nicht, weil es ein Prestigeprojekt für sie sei, sondern weil es arbeitstechnisch gar nicht anderes gehe: Zum einen sei es ein gemeinsames Projekt von Land und Stadtgemeinde. Wenn die Gemeinde den gemeinsamen Plänen nicht zustimme, dann würde das Land den Vorplatz vor dem Pflegeheim irgendwie gestalten.

Zudem müssten Einbauten wie Kanal, Wasser, Strom unter den Platz verlegt werden. Dafür müsse man schon jetzt wissen, wie es später aussehen soll, will man kosteneffizient arbeiten. Maximal könne man das Projekt über zwei Jahre strecken, eine Verschiebung um 15 Jahre mache keinen Sinn. „Wir haben mit der Festlegung der Straßenfluchtlinien 2008 begonnen. Ich verstehe nicht, warum uns jetzt vorgeworfen wird, dass wir zu schnell alles durchziehen wollen“, sagt Steindl.


Interview mit Oliver Timpe

Künstler Oliver Timpe sammelte gemeinsam mit Grün-Gemeinderätin Susanne Gruber Unterschriften gegen den geplanten Wolkersdorfer „Platz der Generationen“.

NÖN: Warum haben Sie die Volksbefragung initiiert?

Oliver Timpe: Ich persönlich habe keine großen Aggressionen gegen das Projekt. Aber mir ist aufgefallen, dass die Meinung der meisten Wolkersdorfer zwischen „Brauchen wir nicht“ und „Mir egal“ liegt. Fast niemand sagt, dass er den Platz will. Weil ich ein Freund der Demokratie bin, habe ich begonnen, die Befragung zu initiieren.

Was wollen Sie bewirken?

Timpe: Ich will bewirken, dass sich die Bürger mit dem Thema auseinandersetzen. Für mich ist spannend, ob die Leute den Platz wollen.

Wird es eine gemeinsame Info vor der Abstimmung geben?

Timpe: Da gibt es noch keine Gespräche.