Wolkersdorf im Weinviertel

Update am 22. November 2017, 08:14

von Michael Pfabigan

„Giftiger Rauch“ sorgte für Nachbarschaftsstreit. Zwei Wolkersdorfer wohnen nebeneinander – und bekriegen sich seit Jahren. Jetzt wird übers Einheizen prozessiert.

Symbolbild  |  Shutterstock.com, OCS

Vorerst keine Entscheidung des Bezirksgerichts im langjährigen Rechtsstreit zweier Wolkersdorfer Nachbarn: Eine Zeugin soll noch gehört werden; ob sie Neues beitragen kann, ist zweifelhaft.

Egal ist es ohnehin, denn der Rechtsstreit zieht sich seit Jahren. Denn de facto steht Aussage gegen Aussage: Der 52-jährige Besitzer eines Rohbaues in der Alleegasse sagt, er habe nichts Illegales in seinem Ofen im Keller des Hauses verheizt. Sein 58-jähriger Nachbar, dessen Frau und jene Zeugin, die beim Gerichtstermin verhindert war, sagen, der 52-Jährige sei verantwortlich für „giftige“ Rauchschwaden.

„Das ist ein Rohbau, den brauchen Sie ja gar nicht zu heizen!“, versuchte der Anwalt des sich gestört fühlenden Nachbarn, die Argumente der Gegenseite gleich vorweg vom Tisch zu wischen. Dieser bestand auf seinem Recht, sein Haus auch beheizen zu dürfen – in welchem Zustand das auch sei.

Rauchfangkehrer fand nichts verdächtiges

Und er beteuerte, dass er nur legale Brennstoffe in den Ofen im Keller einbringe: „Palettenholz, Bauholz, Zehnzehner-Staffeln und Dachlatten. Aber keine Schalplatten. Gepresstes Spannholz schmeiße ich weg“, beteuerte der Wolkersdorfer.

Trotzdem: Am 5. August 2016 soll ein satter Teergeruch in der Luft gehangen haben, nachdem der Nachbar seinen Ofen beheizt hatte. Einige Zeit später soll es dann nach verbranntem Plastik gerochen haben, so der Vorwurf seines sich gestört fühlenden Nachbarn. „Ich hab´ nichts, auf dem Teer drauf ist“, beteuert der Beschuldigte: Jene alten, geteerten Strommasten, die einst auf seinem Grundstück gelagert waren, seien längst entsorgt.

Aufklärung konnte auch ein örtlicher Rauchfangkehrer nicht bringen, der einen Blick in den besagten Ofen geworfen hatte: „Ich habe nichts Auffälliges gesehen“, gab er bei Gericht zu Protokoll. Chemische Analysen der Asche habe er nicht vorgenommen, das könne er gar nicht.

„Ich kenne diesen Geruch seit 2012“, beharrt der Nachbar. Zuerst habe es nach verbranntem Teer gerochen: „Richtig giftig und ätzend“, beschreibt er den Geruch, der in Wellen über sein Anwesen schwappte: „Es ist mir vorgekommen, als ob der Beklagte Scheit für Scheit Teerholz eingelegt hat!“

"Ätzend und giftig"

Schlimm sei die Rauch- und Geruchsentwicklung auch am 8. November 2016 gewesen: „Ätzend und giftig“ habe es gerochen, gibt die Frau des 58-Jährigen zu Protokoll: Wegen des Gestanks habe man die Wäsche erst gar nicht in den Hof gehängt: „Ich sehe oft schwarzen Rauch aus seinem Schornstein aufsteigen“, sagte die Gattin: „Manchmal denke ich mir, dass der nur darauf wartet, bis wir die Wäsche raushängen.“

Rechtsanwalt Florian Höllwarthmeldete Rechtsmittel gegen dieVerurteilung wegen gefährlicher Drohung an.  |  zVg

Anwalt Florian Höllwarth, Verteidiger des 52-jährigen beschuldigten Wolkersdorfers versuchte zu argumentieren, dass der Rauch auch von anderen Häusern, nicht zwangsläufig von jenem seines Mandanten, kommen könne. Eine weitere Zeugin, eine Freundin des Paares, die an jenem Nachmittag zu Besuch war und sich ebenfalls über den nach Plastik riechenden Rauch beschwert hatte, wie das Nachbarspaar erzählte, war beim Gerichtstermin verhindert. Sie wird im Jänner ihre Aussage machen.