Wolkersdorf im Weinviertel

Erstellt am 13. Oktober 2016, 05:00

von Benjamin Schlöglhofer

Asylquartier wird geschlossen. Die Unterkunft wird wegen mangelnder Wintertauglichkeit aufgelöst. Im Ort werden Quartiere gesucht.

Laut Diakonie wurde die Halle 18 letztes Jahr während der Flüchtlingskrise aus der Not heraus als Quartier adaptiert. Sie befindet sich im Süden der Stadt Wolkersdorf.  |  Benjamin Schlöglhofer

Ende des Jahres schließt die größte Flüchtlingsunterkunft der Stadt, die sogenannte „Halle 18“. Als Gründe für die Schließung gibt der Diakonie Flüchtlingsdienst, Betreiber des Standorts in Wolkersdorf, mangelnde Wintertauglichkeit und freie Kapazitäten in anderen Quartieren an.

Der Verein „Flüchtlingshilfe Wolkersdorf“ sucht nun Unterkünfte für Asylwerber, die bereits in der Stadt verwurzelt sind. Mit 31. Dezember wird die „Halle 18“ endgültig leer sein. „Das Quartier ist nicht wintertauglich. Das wollen wir nicht noch einmal“, erklärt Roberta Rastl, Pressesprecherin der Diakonie, in Rückblick auf den letzten Winter. Der Standort entspreche auch nicht den eigentlichen Grundversorgungsstandards der Diakonie.

Von Notquartier zu Grundversorgungsstandort

Eine zuvor industriell genutzte Halle wie diese sei für Wohnstandards nicht ausreichend isoliert. Die Konsequenz sind hohe Heizkosten. Auch an Privatsphäre mangelt es in der Unterkunft, da die Halle mehrere Meter hoch ist.

Die privaten Bereiche der Untergebrachten sind nur durch dünne Wände voneinander getrennt. Eine optische, aber keine akustische Trennung, so ein Bewohner. Laut des Flüchtlings könne man kaum zur Ruhe kommen, denn jeder höre alles. Warum wird ein solcher Standort zur Unterbringung verwendet? Die Flüchtlingsunterkunft entstand letztes Jahr als Notquartier während der Flüchtlingskrise und wurde erst nach einiger Zeit zu einem Grundversorgungsstandort.

Da in anderen Quartieren Kapazitäten vorhanden sind, wird die Möglichkeit genutzt und die Halle 18 geschlossen. Rastl dazu: „Wir verteilen die Flüchtlinge auf andere von uns betriebene Standorte.“ Der Diakonie Flüchtlingsdienst ist als Betreuer von Flüchtlingen in ganz Österreich aktiv.

"Einige Flüchtlinge wollen nicht fort aus Wolkersdorf"

Für den Obmann des Vereins „Flüchtlingshilfe Wolkersdorf“, Rudolf Rögner kam das Ganze etwas überraschend: „Laut Vertrag sollte der Standort ja zwei Jahre lang betrieben werden.“ Die Argumentation der Diakonie ist aber verständlich für ihn. „Einige Flüchtlinge wollen aber nicht fort aus Wolkersdorf, weil sie hier bereits Wurzeln geschlagen haben“, so Rögner weiter. Viele Freundschaften sind entstanden.

Ein Asylwerber spiele etwa beim Fußballverein mit. Maria Freudenthaller, eine freiwillige Helferin, erzählt: „Die Flüchtlinge sind traurig, weil sie Wolkersdorf verlassen müssen.“ Deshalb sucht der Verein in der Region nun private Unterkünfte für Flüchtlinge, die sich eingelebt haben. Vermietet werden können Häuser, Wohnungen und auch Zimmer. Interessierte sollen sich bei der „Flüchtlingshilfe Wolkersdorf“ melden.

Alle Beteiligten sind sehr zufrieden mit dem im letzten Jahr Geleisteten. Freudenthaller: „Alles hat super funktioniert.“ Auch Bürgermeisterin Anna Steindl lobt die Leistung der Freiwilligen und die Zusammenarbeit mit der Diakonie. Letztere bedankt sich für die Unterstützung.