Wolkersdorf im Weinviertel

Update am 26. August 2016, 09:24

Flüchtlinge: Hilfe ohne Sommerpause . Freiwillige unterrichten Flüchtlinge auch während der Sommerferien in Deutsch. Nach dem Motto „freies Lernen“ wurde lautstark gesungen und leidenschaftlich gespielt.

 |  Benjamin Schlöglhofer

Integration von Flüchtlingen ist ein langer, komplexer Prozess. Ein grundlegender Teil davon ist in Österreich, dass sie Deutsch lernen. In Wolkersdorf ermöglicht das eine Gruppe von Freiwilligen unter der Federführung von Monika Vögl.

Sich eine Sprache anzueignen, sollte nicht ins Stocken geraten, weiß Vögl: „Wenn man eine neue Sprache lernt, ist es wichtig, das am Laufen zu halten.“ Ihr Team organisierte während der Sommermonate einen offenen Sprachkurs für Flüchtlinge, um die Zeit in der die aufwändigeren regulären Kurse nicht stattfinden überbrücken zu können. Auch Letztere werden von der Gruppe um Vögl abgehalten. Eine der unentgeltlich Arbeitenden ist Silvia Gruber.

„Es ist wichtig, das am Laufen zu halten!“

Monika Vögl, die Organisatorin der Kurse, über den Sprachlernprozess

Die pensionierte Deutsch- und Englischlehrerin unterrichtet die Flüchtlinge gerne: „Man kommt mit vielen, netten Leuten zusammen. Ich verstehe nicht, dass die Menschen Angst haben. Und selbst wenn. Nach dem ersten persönlichen Kontakt ist sie weg.“

Der 23-jährige Raaed ist einer der Eifrigsten bei den Kursen. Der Iraker floh vor dem Islamischen Staat, der seine Heimatstadt vor über einem Jahr einnahm.  |  NOENBenjamin Schlöglhofer

Gemeinsam mit anderen freiwilligen Helfern übt sie drei Mal pro Woche Grammatik, Rechtschreibung und Wortschatz mit Asylwerbern aus dem Raum Wolkersdorf. Alles sehr locker und frei. Es wurde auch viel gesungen bei den Sommerkursen in der ehemaligen Schlossparkstube in der Kirschenallee. Mit Liedern, wie „Muss i denn“ oder „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ konnten die Flüchtlinge ihre Aussprache üben. Viel wurde gelacht und geblödelt, wenn alle im Kreis saßen und lautstark vor sich hin trällerten.

Der Erfolg der einzelnen Teilnehmer hänge davon ab, wie regelmäßig sie zu den Kursen kommen, erklärt Gruber. Raaed Al-Dulaimi kommt fast immer. Der 23-Jährige erzählt, er sei vor einem Jahr aus seiner Heimatstadt Armadi im Irak geflohen. Die Stadt ist besetzt von der Terrormiliz IS. Nun lebt er in der Halle 18 in Wolkersdorf mit 50 anderen Flüchtlingen. Er wolle in Österreich sein Wirtschaftsstudium fortsetzen. Für die Zulassung brauche er aber ein Sprachdiplom, auf das er gerade hinarbeitet.

Bildungsniveau und Alter variieren stark

Er ist dankbar für die viele Unterstützung, die er in Wolkersdorf erhält: „Wenn ich etwas brauche, alle helfen.“ Bei den Sommerkursen hat Raaed seine Leidenschaft für das Kartenspiel Uno entdeckt. „Ich gewinne immer“, erzählt er und lacht. Nicht alle machen so schnelle Fortschritte wie Raaed. Bildungsniveau und Alter variieren stark unter den Teilnehmern. Das macht es nicht leichter für die Kursleiter. „Deshalb hielten wir die regulären Kurse immer im Team ab“, erklärt Vögl.

Mit Schulbeginn starten die Kurse wieder. Wie davor schon, sollen sieben Kurse vier Mal pro Woche zwei Stunden lang abgehalten werden. Um diese Aufgabe stemmen zu können, werden wieder viele freiwillige Helfer gebraucht. „Vor allem pensionierte Lehrer“, sagt Monika Vögl lachend.